Vom Imbiss-Budenbetreiber zum Warlord

Erst Sportinternat und Knast, dann Yachten und Privatjets, bis hin zum Schlachtfeld: Der Werdegang von Putins einstigen Vertrauten Jewgeni Prigoschin war nie berechenbar.

Seine Videobotschaften fluteten in den vergangenen Monaten sämtliche Medien. Der wutschnaubende, die Militärführung aufs übelste beschimpfende Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin sorgte für Verwunderung, Angst und Schadenfreude. Spätestens als er am vergangenen Wochenende einen Marsch nach Moskau begann und sich die Ereignisse überschlugen, fragten sich viele: Wer ist dieser Mann?

Ein eiskalter, berechnender und offenbar angstbefreiter Killer. Ein Durchgeknallter, Putins Koch, sein einstiger Vertrauter und Mann fürs Grobe. Doch wie sah es in der Zeit vor dem Ukraine-Krieg aus? Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hat seine Biografie und sein Privatleben recherchiert. Sein abwechslungsreicher Werdegang zeigt, dass diesem Mann auch abseits des Schlachtfelds alles Mögliche zuzutrauen ist.

Der kriminelle Langläufer

Geboren wurde er 1961 im heutigen St. Peterburg, wo er von seiner Mutter Violetta Kirovna Prigoschin alleine großgezogen wurde. Die Ärztin und Wissenschaftlerin schickte den wohl einzigen Sohn ins Peterburger Sportinternat, wo er zunächst eine Karriere als Skilangläufer anpeilte. Sein Stiefvater trainierte ihn. Doch das Projekt endete bereits, als er 18 Jahre alt war.

Damals wurde er wegen Diebstahl zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, die er in einer Chemiefabrik abarbeitete. Wenig später stand er wieder wegen Diebstahls, Raubes und Betrug vor Gericht. Er soll in Villen reicher Menschen eingebrochen sein und Wertsachen gestohlen haben. Auch eine Frau auf der Straße hat er ausgeraubt. Dafür kassierte er 13 Jahre Haft, von denen er neun Jahre einsitzen musste.

Der umtriebige Gastronom

Wieder auf freiem Fuß gründete er mit seinem Stiefvater zusammen den ersten Hot-Dog-Stand in St. Petersburg. Gleichzeitig begann er ein Studium in Chemie und Pharmazie, wo er seine spätere Frau Lyubov Valentinova kennengelernt haben soll. Das Studium brach er wieder ab.

Dafür startete er Geschäfte in der Glückspielbranche und im Restaurantbusiness. Er eröffnete eine Bar, dann sein erstes Spitzenrestaurant "Old Customs" und ein weiteres Fine-Dining-Lokal auf einem Boot. Dort lernte er die Elite des Landes kennen, von dieser Zeit stammte sein Spitzname "Putins Koch" (obwohl er nie wirklich für ihn gekocht hat).

Der Weg in die Top 100

Er gründete die Firma Concord, mit der er Restaurants betrieb und ins Catering-Business einstieg. Er versorgte das Militär, Schulen und Gesundheitseinrichtungen des Landes mit Lebensmitteln. Schließlich sollen die meisten Catering-Aufträge, die der Kreml ausschrieb, stets an Prigoschins Firmen gegangen sein. Er baute sein Unternehmen weiter aus, bot Reinigungsservice, Immobilienmanagement und Baudienstleistungen an. Er wurde zu einem der 100 reichsten Menschen Russlands.

Der Kopf der Söldner-Truppe

Ab 2012 war Prigoschin gemeinsam mit dem Neonazi Dmitri Utkin an der Schaffung des "privaten Sicherheits- und Militärunternehmens", der Gruppe Wagner beteiligt. Ziel der Söldnertruppe war die Durchsetzung russischer Interessen in Krisengebieten wie Syrien und in afrikanischen Staaten. Zunächst operierte die Einheit eher im Geheimen und auch dessen Chef zeigte sich nicht öffentlich. Seit dem Krieg in der Ukraine zeigt er sich bekanntermaßen gerne als Kopf der Organisation.

Seine Familie

Mit seiner Frau hat er drei Kinder: Polina (30), Pavel (27) und Veronika (18). Die beiden Töchter haben eine Vorliebe für Springreiten und haben, bevor sie vom Westen mit Sanktionen belegt wurden, auch bei Wettbewerben in Europa mitgemacht. Polina und Pavel zeigten ihren Lebensstil vor Kriegsausbruch gerne in den sozialen Medien. Der Sohn soll eine Zeit lang selbst als Wagner-Söldner in Syrien gekämpft haben.

Sowohl seine Frau, als auch die Kinder sind in sein Firmenimperium verstrickt. Die Frau betreibt neben ihrer Tätigkeit als Pharmazeutin Boutiquen, Schokoladeshops, Spas sowie ein Hotel und ist Eigentümerin eines Buchverlags. Den Kindern überschrieb er Unternehmensanteile und ganze Unternehmen, wohl auch um Sanktionen zu umgehen.

Seine Hobbys

Bezüglich seiner Hobbys ist bekannt, dass er gerne Sport treibt und seiner Vorliebe für Luxus frönt. Seine Villa in St. Petersburg soll ebenso prunkvoll sein wie sein Sommerhaus am Schwarzen Meer. Seine Yacht und sein Privatflieger sind von Sanktionen betroffen. Sein Lieblingsauto: Ein Lincoln Continental aus den 60er-Jahren.

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