Wirecard: Jan Marsalek will sich in Prozess einschalten

Seit mehr als drei Jahren ist der ehemalige Finanzchef von Wirecard auf der Flucht. Nun hat er sich erstmals über seinen Verteidiger Frank Eckstein beim Landgericht München gemeldet.

Der flüchtige ehemalige Vorstand von Wirecard, Jan Marsalek, hat sich schriftlich über seinen Anwalt an das Landgericht München gewandt. Ein Gerichtssprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Wirtschaftswoche", ohne jedoch Details des Schreibens zu nennen

Drittpartnergeschäft soll existiert haben

Der Österreicher Jan Marsalek, der von der Münchner Justiz gesucht wird, und zuletzt in Russland vermutet wurde, ging laut Medienberichten nicht direkt auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ein. Er äußerte sich jedoch zum Drittpartnergeschäft des insolventen Zahlungsdienstleisters und ließ verlauten, dass es existiert habe. Das Drittpartnergeschäft ist ein zentrales Thema im Wirecard-Prozess, der derzeit gegen den ehemaligen österreichischen CEO Markus Braun läuft. Die Staatsanwaltschaft behauptet, dass es dieses Geschäft nicht gegeben habe, während Braun sagt, es habe existiert.

Weiter wird berichtet, dass Marsalek insbesondere den Mitangeklagten Oliver B. belastet habe, der als Kronzeuge der Anklage gilt. B. war lange Zeit Wirecards Repräsentant in Dubai. Nach dem Zusammenbruch des Unternehmens belastete er Braun und seinen ehemaligen Kollegen Stephan von E. Marsalek soll dem Gericht zufolge angedeutet haben, dass B. in mehreren Punkten nicht die Wahrheit sage. Florian Eder, der Verteidiger von B., sagte zu den angeblichen Vorwürfen: "Man kann viel schreiben und viel sagen, man muss aber nicht alles glauben."

Braun und die beiden Mitangeklagten stehen unter anderem wegen bandenmäßigen Betrugs vor Gericht und drohen lange Haftstrafen. Seit einigen Monaten wird am Landgericht München im Fall Wirecard verhandelt.

Die Wirecard-Insolvenz zählt zu den größten Wirtschaftsskandalen in der Geschichte der Bundesrepublik. Braun und die übrige Wirecard-Führung sollen über Jahre hinweg Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht und auf diese Weise hohe Kredite erschlichen haben. Braun bestreitet die Vorwürfe und macht Marsalek dafür verantwortlich. 

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

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