Mehrwertsteuer Gastronomie
Restaurants geben Steuerentlastung selten weiter

| Redaktion 
| 09.08.2026

Die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie kommt bei den Gästen bislang nur selten über niedrigere Preise an. Eine DEHOGA-Befragung unter rund 2.000 Betrieben zeigt: 73,4 Prozent haben ihre Preise stabil gehalten. Viele Restaurants nutzen die Entlastung stattdessen, um gestiegene Personal-, Einkaufs- und Fixkosten abzufedern.

Die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie sollte Restaurants steuerlich entlasten. Für Gäste bedeutet sie jedoch nicht automatisch günstigere Rechnungen. Seit Jahresbeginn gilt für Speisen in deutschen Gastronomiebetrieben ein Mehrwertsteuersatz von 7 statt zuvor 19 Prozent. Die große Mehrheit der befragten Betriebe hat ihre Preise seitdem nicht reduziert.

Das geht aus einer Befragung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) unter rund 2.000 Gastronomiebetrieben hervor, über die die Tagesschau berichtet. Demnach hielten 73,4 Prozent der Betriebe ihre Preise stabil. Wie viele der übrigen Restaurants ihre Preise erhöht oder gesenkt haben, weist der Verband nicht aus.

Für die Branche ist das Ergebnis vor allem deshalb relevant, weil die Steuerentlastung auf gleichzeitig steigende Betriebskosten trifft. Damit wird deutlich: Viele Gastronom:innen nutzen den niedrigeren Steuersatz nicht für Preissenkungen, sondern offenbar dazu, höhere Kosten zumindest teilweise abzufedern.

Höhere Kosten treffen die Gastronomie

Ein Beispiel liefert Amritvir Singh Dillon, der in Wermelskirchen ein indisches Restaurant betreibt. Seine Bestseller Butter Chicken und Chicken Tikka Masala kosten jeweils 18,90 Euro. Trotz der reduzierten Mehrwertsteuer hat er die Preise nicht gesenkt.

Als Gründe nennt der Gastronom höhere Fix-, Einkaufs- und Personalkosten. Der gesetzliche Mindestlohn für seine Service-Mitarbeiter:innen sei zu Jahresbeginn deutlich gestiegen. Hinzu kämen höhere Lebensmittelpreise.

Der Kostendruck beschäftigt die Branche schon länger. Beim Kneipensterben in Nordrhein-Westfalen hatte der DEHOGA unter anderem die Wiedereinführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes gefordert. 

Die Entwicklung spiegelt sich auch in den amtlichen Zahlen wider. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Preise für eine Hauptspeise in der Gastronomie zu Jahresbeginn im Durchschnitt gestiegen. Der DEHOGA argumentiert allerdings, dass der reduzierte Mehrwertsteuersatz stärkere Preiserhöhungen verhindert habe.

Die steuerliche Entlastung wirkt damit vielerorts weniger als Instrument für niedrigere Verbraucherpreise, sondern als Puffer gegen Kostensteigerungen. Für Gastronomiebetriebe kann das helfen, ihre Kalkulation trotz steigender Ausgaben stabiler zu halten.

Niedrigere Preise als Auslastungsstrategie

Dass Gastronomen die Entlastung auch anders einsetzen können, zeigt das Restaurant von Mike Henning am Hengsteysee in Hagen. Er reduzierte im Januar jedes Hauptgericht um einen Euro und gab damit einen Teil der Steuersenkung direkt an seine Gäste weiter.

Hinter der Entscheidung steht eine klare betriebswirtschaftliche Überlegung. Henning setzt auf höhere Besucherzahlen und eine bessere Auslastung seines Personals. "Das Teuerste in der Gastronomie sind die Personalkosten", sagt er. Diese fielen unabhängig davon an, ob eine Servicekraft drei oder acht Tische bediene.

Nach Angaben des Gastronomen ging die Rechnung zumindest zu Jahresbeginn auf. Sein Restaurant habe zeitweise bis zu 30 Prozent mehr Umsatz als im entsprechenden Vorjahreszeitraum erzielt. Henning führt dies auf die niedrigeren Preise und die damit verbundene höhere Nachfrage zurück. Auch die Beschäftigten würden durch mehr Trinkgeld von einem volleren Lokal profitieren.

Das Beispiel zeigt, dass die Mehrwertsteuersenkung unterschiedliche unternehmerische Strategien ermöglicht. Während manche Betriebe ihre Preise reduzieren und auf zusätzliche Nachfrage setzen, verwenden andere den finanziellen Spielraum, um gestiegene Kosten aufzufangen.

Steuersenkung schafft Spielraum für Restaurants

Wie wichtig dieser Spielraum für die Branche ist, zeigt auch Dillons Planung. Die Gäste seines Restaurants hätten bislang Verständnis dafür gezeigt, dass er die Steuerentlastung nicht unmittelbar über niedrigere Preise weitergibt.

Stattdessen will der Gastronom die Entlastung nutzen, um seine Preise möglichst stabil zu halten. Der niedrigere Mehrwertsteuersatz verschafft ihm nach eigener Darstellung einen Puffer. In den kommenden Jahren möchte er deshalb auf weitere Preiserhöhungen verzichten.

Für Gastronomiebetriebe bleibt damit eine zentrale strategische Frage: Wird die Steuerentlastung für niedrigere Preise und höhere Auslastung eingesetzt oder dient sie dazu, steigende Personal-, Lebensmittel- und Fixkosten aufzufangen? Die DEHOGA-Befragung legt nahe, dass derzeit vor allem die zweite Variante den Markt prägt.

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