Erst zu Monatsbeginn wurde auf diesen Seiten erwähnt, dass Microsoft in absehbarer Zukunft Stellen abbauen möchte. Wer die hauseigene Gaming-Sparte des US-Unternehmens verfolgt, ahnte schon deutlich länger, dass ein entsprechender Umbruch auch im Hause Xbox ansteht – und am Montag hat er konkrete Form angenommen.
"Unser Geschäft ist heute nicht gesund", erklärt die im Februar angetretene CEO der Sparte, Asha Sharma, unumwunden in einem offiziellen Statement und führt aus: "Wir arbeiten mit Margen, die drei- bis zehnmal niedriger sind als die vergleichbarer Plattform- und Publishing-Unternehmen. Wir sind in die neunte Konsolengeneration mit einer kleineren installierten Nutzerbasis und einer höheren Kostenstruktur gestartet."
Durch den Game Pass oder lange für undenkbar gehaltene Multiplattform-Strategien hätten diese Geschäftsbereiche zwar "erheblichen Mehrwert geschaffen, sind aber nicht in dem Tempo gewachsen, das wir erwartet hatten".
"Währenddessen hat sich unser Kerngeschäft abgeschwächt, wir haben zusätzliche Teams aufgebaut, mehr investiert und mehr Zeit eingesetzt – in der Hoffnung auf bessere Ergebnisse. Gleichzeitig steht die Branche nun vor der schwersten Hardwarekrise ihrer Geschichte", sagt Sharma mit Verweis auf rasant steigende Preise für Arbeitsspeicher, die insbesondere dem KI-Hype geschuldet sind. In jedem Fall schlussfolgert sie: "Wir müssen Xbox neu ausrichten."
Fünf Studios verlassen Microsoft
Im Detail soll diese Neuausrichtung bis ins kommende Finanzjahr mit der Streichung von 3200 Arbeitsplätzen unter dem Dach von Xbox einhergehen, von denen etwa die Hälfte mit sofortiger Wirkung wegfällt.
"Mir ist bewusst, dass sich eine über ein Jahr gestreckte Restrukturierung zusätzlichen Herausforderungen mit sich bringt. Leider ist es nicht möglich, alle notwendigen Veränderungen an einem einzigen Tag umzusetzen, und ich wollte offen über das tatsächliche Ausmaß sprechen", sagt Asha Sharma.
Darüber hinaus trennt sich Microsoft von fünf Entwicklungsstudios:
- Double Fine Productions ("Psychonauts") und Compulsion Games ("South of Midnight") kehren in die Unabhängigkeit zurück, ihre Marken und Spielekataloge inklusive
- Ninja Theory und Undead Labs haben Vereinbarungen getroffen, unter neue Eigentümer zu wechseln, die bisher nicht namentlich bekannt sind. In beiden Fällen soll die Fertigstellung von "Senua" beziehungsweise "State of Decay 3" durch die neuen Eigentümer finanziert werden, nachdem Microsoft die Titel erst im Juni als Teil des Xbox-Portfolios präsentiert hat
- Das französische Studio Arkane, das derzeit an einem Spiel zur Marvel-Figur Blade arbeitet, beginnt "die gesetzlich vorgeschriebene Konsultation mit dem Betriebsrat, um mögliche strategische Optionen zu prüfen"
"Es ist weder möglich noch sinnvoll, jedes großartige Indie-Studio zu besitzen", gibt Asha Sharma zu bedenken. "Zudem haben wir gelernt, dass wir nicht für jede Art von Studio das richtige Zuhause sind. In einem durchschnittlichen Jahr haben wir 64 Cent für jeden investierten Dollar verloren."
Im Zuge der Neuausrichtung will Xbox unabhängige Entwickler vor allem unterstützen, indem ihnen "offene Entwicklungswerkzeuge und Zugang zu unserem Publikum" geboten werden.
Arbeitsschritte durchlaufen teilweise 14 Managementebenen
Auch Bürokratieabbau ist bei Microsofts Gaming-Marke, die dieses Jahr ihren 25. Geburtstag feiert, ein großes Thema. Asha Sharma schildert: "Wir wissen, dass großartige Technologie besser wird, wenn sie einfacher wird – nicht größer. Heute durchläuft Arbeit in einigen Bereichen des Unternehmens bis zu 14 Managementebenen."

Asha Sharma (Bild: Microsoft)
Die eigenen Plattformteams seien seit Beginn dieser Konsolengeneration um 40 Prozent gewachsen, obwohl "sowohl unsere Spielerbasis als auch die gesamte Spielzeit zurückgegangen sind. Diese Komplexität hat Entscheidungen verlangsamt, Verantwortlichkeiten verwischt und es erschwert, für unsere Spieler die bestmöglichen Ergebnisse zu liefern", so die CEO.
Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, sollen die eingreifenden Managementebenen künftig auf fünf oder bestenfalls sogar drei reduziert werden, die sich Sharma wie folgt vorstellt:
- Maker: Mitarbeitende, die sich direkt auf die Entwicklung konzentrieren
- Player-Coaches: Führungskräfte, die weiterhin aktiv an der eigentlichen Arbeit beteiligt sind und gleichzeitig ihre Teams entwickeln
- Directly Responsible Individuals (DRIs): Personen, die klare Verantwortung für wesentliche Entscheidungen und deren Ergebnisse tragen
Ferner berichtet Asha Sharma, dass die langjährige Microsoft-Mitarbeiterin Helen Chiang zum Chief Operating Officer "mit vollständiger Ergebnisverantwortung über Content, Hardware, Plattform und Services hinweg" befördert wird.
Chiang soll die Geschäftsbereiche unter einem gemeinsamen Betriebsmodell zusammenführen und "sicherstellen, dass wir klare Investitionsentscheidungen treffen, aus Erfolgen und Misserfolgen lernen und uns konsequent an unseren Ergebnissen messen lassen", wie die Chefin der Gaming-Sparte angibt.
Asha Sharma betont, dass die Montag verkündeten Veränderungen eine größere statt eine kleinere Zukunft für Xbox bedeuten und schließt entsprechend optimistisch: "Die Geschichte ist voller Unternehmen, die ihre lange Existenz mit Unvermeidlichkeit verwechselt haben. Wir werden nicht dazugehören."
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