Deutsche U-Boote für Ottawa
TKMS vor Milliardenauftrag aus Kanada

| Redaktion 
| 06.07.2026

Kanada steht vor der größten Modernisierung seiner U-Boot-Flotte seit Jahrzehnten – und allem Anschein nach wird ein deutsches Unternehmen dabei den Zuschlag erhalten: Medienberichten zufolge gilt Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) als bevorzugter Partner der Regierung in Ottawa und könnte sich damit einen der bedeutendsten Exportaufträge seiner Unternehmensgeschichte sichern.

Hinter der Abkürzung TKMS verbirgt sich Thyssenkrupp Marine Systems, also die Marinesparte des deutschen Industriekonzerns thyssenkrupp AG. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Kiel entwickelt und baut konventionelle U-Boote, Fregatten, Korvetten sowie weitere Marineplattformen sowohl für die deutsche Marine als auch internationale Exportkunden – und ein neuer konnte nun offenbar überzeugt werden.

Steven Chase, leitender Parlamentskorrespondent der kanadischen The Globe and Mail, berichtete am Montag als erster, dass die Regierung des nordamerikanischen Staates beim Bau seiner neuen U-Boot-Flotte voraussichtlich auf die in Kiel ansässigen Fachleute setzen will.

Durch die Anschaffung erhalte Kanada "eine bislang beispiellose Fähigkeit, seine Küstengewässer unentdeckt zu überwachen"; der Artikel beschreibt, dass der Deal die "Zukunft der Royal Canadian Navy für Jahrzehnte prägen" wird. Die Nation will ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 gemäß NATO-Ziel auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen.

Kanada: Handlungsdruck nach Jahrzehnten ohne Neuanschaffung

Verständlicher wird der Stellenwert der Abmachung mit der Einordnung, dass Kanada seit den 1960ern keine fabrikneuen U-Boote mehr bestellt hat und derzeit lediglich über vier entsprechende Vehikel, die allesamt gebraucht erworben wurden, verfügt. Davon wiederum soll nur eines im klassischen Sinne einsatzfähig sein.

Offenbar konnte sich TKMS in einem monatelangen Bieterwettbewerb nun gegen den südkoreanischen Rüstungskonzern Hanwha durchsetzen. Beide Unternehmen hatten der kanadischen Regierung diesel-elektrische U-Boote angeboten, die den militärischen Anforderungen Ottawas jeweils entsprachen.

Deutschland warb gemeinsam mit Norwegen für das TKMS-Angebot, wobei Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius die wirtschaftlichen Effekte der Offerte im Frühjahr auf rund 86 Milliarden kanadische Dollar zusätzlicher Wirtschaftsleistung über die gesamte Laufzeit des Programms bezifferte.  

U-Boot im Einsatz (Symbolbild: TKMS)
U-Boot im Einsatz (Symbolbild: TKMS / thyssenkrupp)

Konkret geht es um die Realisierung von zwölf Exemplaren des 212CD-Modell von TKMS, wobei der eigentliche Bau der U-Boote auf 20 bis 30 Milliarden kanadische Dollar geschätzt wird.

Einschließlich Betrieb, Wartung und späterer Modernisierungen könnte das Gesamtvolumen des Programms auf bis zu 50 Milliarden Dollar anwachsen, wie The Globe and Mail schreibt. Das entspricht etwa 32 Milliarden Euro.

Noch lange kein Vertrag – doch die Börse reagiert bereits

Wohlgemerkt: TKMS gilt nach aktueller Informationslage zwar als bevorzugter Anbieter, ein endgültig unterzeichneter Vertrag oder auch nur eine offizielle Bestätigung durch Ottawa stehen am Montagnachmittag jedoch noch aus. Tatsächlich könnten detaillierte Verhandlungen noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Für Deutschland wäre der Zuschlag dennoch ein industriepolitischer Erfolg von erheblicher Tragweite, schließlich würde TKMS einen der größten Exportaufträge seiner Unternehmensgeschichte gewinnen und seine Stellung als einer der weltweit führenden Hersteller konventioneller U-Boote weiter ausbauen.

Sicher ist derweil, dass sich die Gerüchte um den sich anbahnenden Deal an der Börse bemerkbar gemacht haben: Der Kurs der am Montag bei 83,70 Euro gestarteten Aktie von TKMS stieg am frühen Nachmittag zeitweise auf bis zu 94,80 Euro.

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