Personal Cooling 
Tragen wir bald alle Kühlwesten?

Aus diesem Profi-Equipment könnte das nächste Sommer-Must-have werden: Denn die extreme Hitzewelle treibt den Markt für kühlende Produkte voran. Was bislang Formel-1-Piloten, Feuerwehren oder der Industrie vorbehalten war, erobert als neuer Tech- und Lifestyle-Trend den Massenmarkt: tragbare Kühlwesten. Angetrieben von Tennis-Weltstar Jannik Sinner und dem steigenden Bedarf an Hitzeschutz im Arbeitsschutz entwickeln sich Marken wie INUTEQ und Scicon Sports zu den neuen Playern im B2B- und Consumer-Bereich. 

38 Grad im Schatten. Der Asphalt flimmert, in den Büros steht die Luft und jede Bewegung kostet Kraft. Was heute im Alltag noch ungewohnt wirkt, könnte schon bald flächendeckend zum Straßenbild gehören: tragbare Kühlsysteme.

Spätestens seit Tennisstar Jannik Sinner mit einer hochmodernen Kühlweste des italienischen Labels Scicon Sports zwischen seinen Matches für internationales Aufsehen sorgt oder Adidas die deutsche Nationalmannschaft für die WM mit Kühlwesten ausstattet, rückt das Produkt in den Fokus der breiten Öffentlichkeit, das bislang vor allem Spezialisten kannten.

Lange Zeit waren Kühlwesten reine Spezialausrüstung für Profi-Radfahrer, Rennfahrer oder Bauarbeiter. Heute entdecken die Hersteller eine weitaus größere, kaufkräftige Zielgruppe: Pendler auf dem Weg zur Arbeit, Senioren, Outdoor-Sportler und Angestellte, deren Arbeitsplatz im Sommer nicht voll klimatisiert werden kann.

Wie funktioniert die Technologie? Die 3 Kühlsysteme im Check

Für Einkäufer und Verbraucher lassen sich die modernen Systeme am Markt in drei technologische Kategorien einteilen:

  • 1. Phase Change Materials (PCM-Westen): Die technologische Speerspitze. Diese Westen arbeiten mit biobasierten Materialien, die Kälte im Kühlschrank oder Eiswasser speichern und anschließend über mehrere Stunden konstant bei angenehmen 15 bis 21 Grad an den Oberkörper abgeben – ganz ohne das Risiko von Erfrierungen auf der Haut.
  • 2. Verdunstungswesten (Evaporative Cooling): Die Leichtgewichte. Sie werden lediglich mit normalem Wasser aktiviert. Durch den physikalischen Effekt der Verdunstungskühlung senken sie die gefühlte Temperatur spürbar, benötigen jedoch eine leichte Luftzirkulation.
  • 3. Aktiv gekühlte Systeme: Die Profi-Liga. Sie arbeiten mit integrierten Mini-Pumpen oder Lüftern und kommen primär im schweren Arbeitsschutz, bei der Feuerwehr oder in der Gießerei-Industrie zum Einsatz.

Der medizinische Benefit: Unabhängige Studien belegen, dass das sogenannte Pre-Cooling und Per-Cooling mit Westen die Herz-Kreislauf-Belastung nachweislich reduziert und die kognitive sowie physische Leistungsfähigkeit bei großer Hitze um bis zu 15 Prozent stabilisieren kann.

Das Geschäft mit der Kälte: Wer den Markt beherrscht

Angesichts der immer intensiveren Hitzewellen dürfte ein millionenschwerer Wachstumsmarkt entstehen. Zu den international tonangebenden Treibern gehören spezialisierte Player, die den Sprung vom Arbeitsschutz zum Lifestyle-Produkt meistern:

  • INUTEQ (Niederlande): Der europäische Marktführer für persönliche Kühlsysteme. Ursprünglich für das Militär und industrielle Extremarbeitsplätze entwickelt, bietet das Unternehmen heute stylische, alltagstaugliche Freizeit- und Business-Westen an.
  • Scicon Sports (Italien): Die Marke hinter dem Sinner-Hype. Ursprünglich im Profi-Radsport (u.a. UAE Team Emirates) beheimatet, liefert Scicon die derzeit modisch gefragtesten PCM-Westen.
  • Die US-Fraktion: In Nordamerika dominieren Schwergewichte wie Techniche International, Ergodyne (mit der Marke Chill-Its), Occunomix und Glacier Tek. Hier ist Hitzeschutz in Logistikzentren (wie bei Amazon) längst ein knallharter HR- und Gewerkschaftsfaktor.

Vom Arbeitsschutz zum Lifestyle-Produkt

Noch sind Kühlwesten auf den Straßen die Ausnahme. Doch die Entwicklung erinnert Ökonomen an mobile Klimageräte oder Luftreiniger: Technologien, die anfangs als skurrile Speziallösung abgetan wurden und heute Standard sind.

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