Wings for Life
Frage ist nicht, "ob Querschnittslähmung heilbar sein wird – sondern wann"

| Redaktion 
| 16.04.2026

Mitte Mai findet der jährliche Benefizlauf Wings for Life World Run statt. Die dahinterstehende Stiftung wurde von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz mitinitiiert, um schwere Rückenmarksverletzungen zu heilen – und mehrere durch Startgelder und Spenden mitfinanzierte Forschungsprojekte geben Hoffnung auf absehbare Meilensteine.

Kein Monat vergeht mehr, ehe der nächste Wings for Life World Run stattfindet. Der deutsche Flagship Run ist längst restlos ausverkauft und wird über 14.000 Sportbegeisterte am Sonntag, 10. Mai nach München ziehen; unter ihnen auch Laufprominenz wie Florian Neuschwander oder Esther und Hendrik Pfeiffer. Abseits vom Hauptevent wird in ganz Deutschland zu begleitenden App Runs mobilisiert – in diesem Jahr zahlreicher als je zuvor.

Sportlicher Ehrgeiz steht dabei nicht im Vordergrund: Die ausrichtende Wings for Life Stiftung wurde 2004 vom Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz gemeinsam mit dem Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner ins Leben gerufen. Auslöser war die Querschnittslähmung von Kinigadners Sohn Hannes.

Die gemeinnützige Organisation hat ein klares Ziel: Ein "Heilmittel" gegen Rückenmarksverletzungen zu finden. Zu diesem Zweck finanziert die Stiftung diverse wissenschaftliche Projekte; bislang etwa 340 an der Zahl. Haupteinnahmequelle ist der Wings for Life World Run, bei dem 100 Prozent der Startgelder und Spenden direkt in die Forschung fließen.

Bisher über 60 Millionen Euro gesammelt

Seit der ersten Ausgabe des globalen Charity-Laufs vor zwölf Jahren haben 1,8 Millionen wohltätig motivierte Sportsfreunde aus 190 Nationen demnach rund 60,5 Millionen Euro generiert, um die Rückenmarkforschung voranzutreiben – und das offenbar mit wachsender Aussicht auf bedeutende Erfolge.

"Der Wings for Life World Run zeigt, was möglich ist, wenn Menschen weltweit für ein gemeinsames Ziel zusammenkommen", kommentiert Anita Gerhardter, die Vorstandsvorsitzende der Wings for Life Stiftung.

Anita Gerhardter, Vorstandsvorsitzende bei Wings for Life (Bild: Helge Kirchberger)
Anita Gerhardter, Vorstandsvorsitzende bei Wings for Life (Bild: Helge Kirchberger)

"Dank der Unterstützung unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten wir bereits zahlreiche Forschungsprojekte finanzieren. Heute können wir sagen: Es ist nicht mehr die Frage, ob Querschnittslähmung heilbar sein wird – sondern wann", stellt Gerhardter in Aussicht.

Wie angedeutet werden dabei unterschiedliche Ansätze unterstützt. Bekannteres Beispiel ist ein Forschungsteam um den Neurowissenschaftler Prof. Dr. Michael Kilgard an der University of Texas in Dallas, wo der sogenannte Vagusnerv durch elektrische Stimulation erfolgreich zu verstärkten Lernprozessen im Gehirn angeregt werden. Dadurch könnten sich Arm- und Handfunktionen bei Menschen mit chronischer Querschnittslähmung zurückgewinnen lassen.

NVG-291 und ODC-SCI: Kürzel, die Hoffnung machen

In einer weiteren von Wings for Life mitfinanzierten Studie testet Prof. Dr. Monica Perez am Shirley Ryan AbilityLab in Chicago einen Wirkstoff namens NVG-291. Nach Rückenmarksverletzungen bildet sich Narbengewebe, das wie eine Barriere das Nachwachsen von Nervenfasern verhindert.

Hier kommt Perez‘ Entwicklung zum Zug: Statt die hemmenden Moleküle direkt anzugreifen, blockiert NVG-291 deren Andockstellen. Dadurch wird das Narbengewebe durchlässiger und ermöglicht die Regeneration geschädigter Nerven.

Prof. Dr. Monica Perez arbeitet in Chicago, hier mit Patient Niko Paskos, auch mithilfe eines ZeroG-Systems (Bild: Marv Watson)
Prof. Dr. Monica Perez arbeitet in Chicago, hier mit Patient Niko Paskos, auch mithilfe eines ZeroG-Systems (Bild: Marv Watson)

Erste klinische Ergebnisse sind vielversprechend: Sie zeigen verbesserte Signale vom Gehirn zur Handmuskulatur und messbare Fortschritte bei der Handfunktion, sogar Jahre nach der eigentlichen Verletzung.

Darüber hinaus hat Wings for Life die Plattform Open Data Commons for Spinal Cord Injury (kurz ODC-SCI) initiiert. Diese vernetzt Wissenschaftler weltweit und macht aktuelle Forschungsdaten sofort zugänglich, statt Ergebnisse jahrelang in Fachjournalen verstauben zu lassen.

Durch die aktive Förderung des offenen Austausches soll die Entwicklung neuer Therapien – und damit die Suche nach Heilung für Rückenmarksverletzungen – spürbar beschleunigt werden.

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