Nestlé-Ära ist Geschichte
Ankerkraut zurück in Gründerhand

| Redaktion 
| 15.04.2026

Zurück zu den Wurzeln: Anne und Stefan Lemcke von Ankerkraut haben ihr Unternehmen von Nestlé zurückgekauft und setzen damit ein klares Signal in Richtung enttäuschter Kunden. Zum ersten Mal seit zehn Jahren halten die Gründer samt ihrer Geschäftsführer damit 100 Prozent der Anteile und wollen sich "komplett ohne Venture Capital oder Corporate" behaupten.

Die Geschichte von Ankerkraut ist ein Paradebeispiel für den rasanten Aufstieg einer modernen D2C-Marke – und die Kontroversen, die mit rasantem Wachstum einhergehen können.

Ins Leben gerufen wurde das Unternehmen von Anne und Stefan Lemcke in Hamburg. Aus einer kleinen Manufaktur heraus haben die beiden ab 2013 Gewürzmischungen ohne Zusatzstoffe produziert und vor allem über Social Media sowie den eigenen Online-Shop vertrieben. Dabei setzte die Marke früh auf Authentizität, nahbares Storytelling und eine enge Community-Bindung.

Einen entscheidenden Wachstumsschub erlebte Ankerkraut vor zehn Jahren durch den Auftritt in "Die Höhle der Löwen". Dort überzeugten die Gründer mit Produkt, Markenauftritt und Verkaufszahlen, sodass ein Investment von Frank Thelen (300.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile) erfolgte.

Der DHDL-Effekt

Durch die Ausstrahlung drang Ankerkraut endgültig in den Massenmarkt vor: Der Umsatz explodierte, das Sortiment wuchs beträchtlich, eigene Läden entstanden in mehreren deutschen Großstädten und die Gewürze landeten bundesweit in Supermärkten.

Aus dem Garagen-Startup war innerhalb weniger Jahre ein profitables Millionen-Unternehmen geworden; bis heute sind die Lemckes "Der Höhle der Löwen" deshalb eng verbunden.

Anne und Stefan Lemcke von Ankerkraut waren in der aktuellen Staffel von "Die Höhle der Löwen" wieder dabei – diesmal jedoch als Gast-Juroren (Bild: RTL / Bernd-Michael Maurer)
Anne und Stefan Lemcke von Ankerkraut waren in der aktuellen Staffel von "Die Höhle der Löwen" wieder dabei – diesmal jedoch als Gast-Juroren (Bild: RTL / Bernd-Michael Maurer)

Ein umstrittener Meilenstein folgte 2022: Nestlé übernahm die Mehrheit an Ankerkraut. Der Konzern kaufte die Anteile der bisherigen Investoren (darunter Freigeist Capital von Frank Thelen) und machte das Hamburger Unternehmen zu einem strategischen Baustein im eigenen Gewürz- und Food-Bereich.

Anne und Stefan Lemcke blieben als Minderheitsgesellschafter und Markenbotschafter an Bord und betonten seinerzeit, dass der Deal Wachstum und Internationalisierung ermöglichen solle. Der Schritt stieß auf erhebliche Kritik aus der eigenen Community, da Nestlé in Teilen der Öffentlichkeit kein sonderlich positives Image genießt. Langjährige Kunden sahen darin einen Bruch mit den ursprünglichen Markenwerten von Ankerkraut.

"Wir haben einen Fehler gemacht"

Am Mittwoch haben die beiden Ankerkraut-Gründer ein Video veröffentlicht, in dem sie fast vier Jahre nach der polarisierenden Entscheidung verkünden, dass sie ihre Anteil am Unternehmen von Nestlé zurückgekauft haben

"Dieses Mal komplett ohne Venture Capital oder Corporate, nur wir beide und unsere langen Weggefährten Alexander Schwoch und Timo Haas", wie es seitens der Lemckes auf Social Media heißt.

"Wir haben einen Fehler gemacht", geben die beiden zu, relativieren aber: "Nicht bei der Entscheidung an sich, sondern bei der Kommunikation". Sie entschuldigen sich bei Kunden, deren Vertrauen "enttäuscht" wurde und betonen, dass Ankerkraut nie einfach nur ein Job für die beiden war.

Nach dem Verkauf an Nestlé hätten sie sich zunächst auf ihre Familie konzentriert, dabei aber etwas vergessen, das einem Kind fast gleichkommt: Ihre Firma. An der haben sie mit ihren langjährigen Geschäftsführern (besagte Alexander Schwoch und Timo Haas) nun 100 Prozent der Anteile übernommen.

Stillschweigen zu finanziellen Details vereinbart

"Das bedeutet: Ankerkraut gehört wieder ganz uns", unterstreicht Stefan Lemcke im Video. "Das war zuletzt 2016 so und da freuen wir uns wirklich sehr drauf" – und einem Großteil der Kommentierenden in sozialen Medien scheint es mit der Rückkehr zu den Wurzeln ähnlich zu gehen.

"Die Zusammenarbeit war stets konstruktiv, vertrauensvoll und von gemeinsamen Zielen geprägt", blickt Alexander von Maillot, Vorstandsvorsitzender von Nestlé Deutschland, derweil zurück. Über die finanziellen Details der nun abgewickelten Transaktion haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

"Wir unterstützen den Wunsch der Gründer nach größerer unternehmerischer Eigenständigkeit und wünschen dem Team von Ankerkraut weiterhin viel Erfolg."

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