Umstrittene Garnelenzucht
Bravo, Aldi! Wie der Discounter mit neuen Tierwohl-Standards die Branche vor sich hertreibt

| Redaktion 
| 15.04.2026

Aldi Süd und Aldi Nord setzen neue Benchmarks in der Aquakultur: Mit der Ankündigung, elektrische Betäubungsverfahren und den Verzicht auf Augenstielablation bis 2030 zum Standard zu machen, zwingt der Discounter globale Produzenten zum Umdenken.

Das Unternehmen reagiert auf Kritiken von Tierschützern und kündigt weitreichende Verbesserungen in der Garnelenproduktion an. Künftig sollen tierfreundlichere Betäubungsmethoden eingesetzt und umstrittene Praktiken in der Zucht abgeschafft werden.

Garnelen zählen zu den meistverzehrten Meerestieren in Deutschland. Jährlich werden schätzungsweise rund 2,5 Milliarden Tiere konsumiert, wie der Spiegel berichtet. Ein großer Teil stammt aus Aquakulturen im Ausland, insbesondere aus Asien und Lateinamerika.

Die Bedingungen in diesen Zuchten stehen seit Jahren in der Kritik. Vor allem Tierschutzorganisationen bemängeln, dass das Wohl der Tiere bislang kaum berücksichtigt wird.

Umstrittene Schlachtmethoden: Kritik an Eiswasser-Betäubung

Ein zentraler Kritikpunkt ist die gängige Praxis, Garnelen vor der Schlachtung in Eiswasser zu legen. Diese Methode führt nach Ansicht von Experten nicht zuverlässig zur Betäubung der Tiere. Stattdessen könnten die Garnelen bei Bewusstsein sterben. Als deutlich tiergerechter gilt laut aktuellem Forschungsstand die elektrische Betäubung.

Aldi hat nun angekündigt, seine Standards zu verbessern. Gemeinsam mit Partnern beteiligt sich das Unternehmen an einer Studie zur elektrischen Betäubung von Garnelen, deren Abschluss für 2028 vorgesehen ist.

Im Anschluss soll die Umstellung auf diese oder vergleichbare Methoden schrittweise erfolgen. Ziel ist es, die Maßnahmen bis spätestens 2035 vollständig umzusetzen. Zudem will Aldi regelmäßig über Fortschritte berichten.

Augenstielablation soll abgeschafft werden

Ein weiterer Fokus liegt auf der sogenannten Augenstielablation. Dabei wird Zuchttieren ein Auge entfernt, um die Fortpflanzung zu steigern – eine Praxis, die stark kritisiert wird.

Aldi plant, diese Methode in der Lieferkette abzuschaffen: bei Weißfußgarnelen bis 2029 und bei Riesengarnelen bis spätestens 2030. Für Bio-Garnelen gilt dieses Verbot bereits.

Investoren und Marktbeobachter sehen in dem Schritt mehr als bloß Philanthropie. Es ist ein proaktives Risikomanagement im Rahmen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG). Indem Aldi ethische Defizite in der Lieferkette eliminiert, sichert der Konzern seine Reputation und bereitet sich auf strengere EU-Regulierungen vor.

Branchenkenner erwarten Skaleneffekte

Die angekündigten Maßnahmen betreffen jährlich mehr als zwei Milliarden Tiere. Durch dieses massive Volumen entsteht eine Hebelwirkung, die weit über das eigene Sortiment hinausgeht. Branchenbeobachter sprechen von einer Signalwirkung für den gesamten Einzelhandel: Wenn ein Marktgigant wie Aldi seine Beschaffungskriterien ändert, folgen die Standards der globalen Exporteure zwangsläufig, um den Zugang zum europäischen Markt nicht zu verlieren.

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