Ceconomy / JD.com
Neuer Besitzer für MediaMarktSaturn: Schwierigkeiten aus Österreich

| Redaktion 
| 27.03.2026

Die geplante Übernahme von Ceconomy durch JD.com hat Sand im Getriebe: Während der Deal in mehreren europäischen Märkten bereits grünes Licht erhalten oder aber konkret in Aussicht hat, äußert die österreichische Investitionskontrolle offenbar Bedenken. Seitens Ceconomy wächst die Unsicherheit, ob sich der angepeilte Zeitplan für den Deal erfüllen lässt.

Nach ersten Gerüchten Ende Juli letzten Jahres wurde wenig später bestätigt, dass der chinesische E-Commerce-Riese JD.com eine Übernahme von Ceconomy, der Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn, anstrebt.

Das bis vergangenen April vom jetzigen Digitalminister Dr. Karsten Wildberger angeführte Unternehmen betreibt mit den beiden genannten Ketten ein dichtes stationäres Vertriebsnetz, weist aber Optimierungsbedarf bei Logistik, Datenintegration und Online-Skalierung auf.

Hier kommt JD.com ins Spiel: Die Chinesen verlassen sich auf hochentwickelte Lieferketten, eigene Lager- oder Zustellinfrastruktur und ausgeprägte Kompetenz im datenbasierten Handel.

Europäisch-asiatischer Brückenschlag

Durch den Brückenschlag zwischen europäischem Filialhandel und asiatischer Plattformökonomie würde JD.com direkten Zugang zum hiesigen Endkundenmarkt erhalten, während sich Ceconomy durch den neuen Mehrheitseigentümer technologische Aufrüstung und gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit gegenüber globalen Plattformen versprechen darf.

Der Deal folgt einem vertrauten Muster: Plattformunternehmen expandieren über etablierte Handelsstrukturen, um Markteintrittsbarrieren zu umgehen und schneller operative Präsenz aufzubauen.

Bald ist ein Dreivierteljahr ins Land gezogen, seit die Öffentlichkeit vom Vorhaben erfahren hat. Freitagabend gab es seitens Ceconomy ein Update zum Stand der Dinge – und offenbar lassen sich die Pläne nicht so reibungslos in die Tat umsetzen, wie es sich die Beteiligten erhofft haben dürften.

Österreichische Investitionskontrolle hat Bedenken

Seit einiger Zeit werden Übernahmen durch außereuropäische Investoren – insbesondere aus China – strenger geprüft; insbesondere, wenn es um datengetriebene Geschäftsmodelle oder kritische Infrastruktur geht. Auch Handelsunternehmen geraten dabei zunehmend in den Fokus, weil sie große Mengen an Kundendaten verarbeiten und zentrale Distributionsrollen einnehmen.

Zu Problemen führt das nicht überall: Ceconomy berichtet, dass "JD.com bereits alle notwendigen kartellrechtlichen Freigaben sowie die Genehmigungen für die Investitionskontrolle in Frankreich und Italien erhalten" habe, während man in Deutschland und Spanien mit einer zeitnahen Freigabe rechnet.

Anders sieht es demnach bei unseren südlichen Nachbarn aus, wo sich die zum österreichischen Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) gehörende Behörde für Investitionskontrolle einer gemeinsamen Lösungsfindung "versperrt".

Ob und wann dem Deal in Österreich eine Freigabe erteilt wird, sei demnach ungewiss. Die Verantwortlichen von JD.com hätten der zuständigen Behörde zwar "klare Zusagen zu Standorten, Arbeitsplätzen, Datenschutz und der Unabhängigkeit des Managements" gemacht und außerdem "umfangreiche weitere Zusicherungen angeboten", doch bisher ließen sich die Investitionskontrolleure offenbar nicht überzeugen.

Übernahme-Zeitplan wackelt

"Mit den von JD.com und Ceconomy angebotenen Zusagen würde MediaMarkt künftig über eine Datenschutzrichtlinie verfügen, die einem Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie ähnelt", bekräftigt Jan Niclas Brandt, CEO von MediaMarkt Österreich. "Damit gehen wir weit über das hinaus, was üblicherweise für ein Handelsunternehmen gilt."

Kai-Ulrich Deissner, CEO von Ceconomy, ergänzt: "Es scheint ein Missverständnis darüber zu geben, was das Geschäftsmodell eines Handelsunternehmens ausmacht: Wir bringen Produkte in den Handel, schon heute, stellen sie aber nicht her. Die Partnerschaft mit JD.com bringt uns einen weltweit agierenden Partner mit einzigartiger Handels-, Technologie- und Logistikexpertise. Darum setzen wir auch weiterhin alles daran, diese Partnerschaft zu verwirklichen – für unsere Kunden, für Europa und natürlich auch für die Volkswirtschaft in Österreich."

Das Unternehmen sei bemüht, "sicherzustellen, dass das österreichische Geschäft Teil der Transaktion bleibt", woraus man lesen könnte, dass eine Abspaltung zumindest nicht kategorisch ausgeschlossen wird.

"Derzeit unklar" ist für Ceconomy ebenfalls, ob der angepeilte Zeitplan für die Transaktion (Abschluss im ersten Halbjahr) angesichts der aktuellen Hürden erfüllbar ist.

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