Ehemalige Bundestagspräsidentin
Rita Süssmuth ist tot: Berlin trauert um "demokratischen Leitstern"

| Redaktion 
| 01.02.2026

Wie am Sonntagnachmittags aus Berlin vermeldet wurde, ist die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth im Alter von 88 Jahren verstorben. Aktuelle Amtsträger würdigen ihr Schaffen und sprechen von einem "Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen"; einer "politischen Ausnahmeerscheinung" und "leidenschaftlichen Vordenkerin".

Rita Süssmuth, am 17. Februar 1937 als Rita Kickuth in Wuppertal zur Welt gekommen, ist am Sonntag verstorben, wie zuerst aus Bundestagskreisen berichtet wurde.

Bevor sie vergleichsweise spät den Weg in die Politik fand, machte sich Süssmuth einen Namen in der Wissenschaft Nach dem Studium der Romanistik, Geschichte und Pädagogik in Münster, Tübingen und Paris promovierte sie 1964 in Erziehungswissenschaft und arbeitete anschließend als Hochschullehrerin.

Als Professorin und Institutsleiterin befasste sie sich früh mit Bildungsfragen, Frauenrollen und gesellschaftlichem Wandel – Themen, die später ihr politisches Profil prägen sollten.

Politische Spätzünderin

Erst 1981 trat Süssmuth der CDU bei und stieg dennoch rasch auf. Schon 1985 berief sie Bundeskanzler Helmut Kohl zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, wenig später übernahm sie zusätzlich die Zuständigkeit für Frauenpolitik.

Bleibende Bekanntheit erlangte sie vor allem als Präsidentin des Deutschen Bundestages – das Amt, das sie von 1988 bis 1998 bekleidete und in dem sie die parlamentarische Arbeit während der Wiedervereinigung und der Neuordnung Deutschlands prägte. Bis 2002 blieb sie Bundestagsabgeordnete.

Die heutige Bundestagspräsidentin Julia Klöckner überbrachte der Öffentlichkeit die Neuigkeiten auf X: "Die Nachricht vom Tod von Prof. Dr. Rita Süssmuth bewegt mich tief. Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung."

"Als Parlamentarierin und Bundesministerin war Rita Süssmuth eine leidenschaftliche Vordenkerin in der Frauen- und Familienpolitik und trieb die Gleichberechtigung voran. Bis zuletzt setzte sie sich mit Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein", so Klöckner weiter.

Sie würdigte auch Süssmuths "bahnbrechende" Politik gegen die Immunschwächekrankheit AIDS und beschrieb, dass sie das Gespräch nach ihrer eigenen Wahl zur Bundestagspräsidentin "immer in Erinnerung" behalten werde.

Merz: "Deutschland verdankt ihr viel“

"Sie war eine große Politikerin und ein Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen", trauerte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Sonntag ebenso auf X. "Als Bundesministerin und Bundestagspräsidentin kämpfte sie für Gleichberechtigung, Toleranz und eine offene Gesellschaft. Deutschland verdankt ihr viel."

"Rita Süssmuth war eine mutige wunderbare Person, Frau, Politikerin", fasst Katrin Göring-Eckardt (Grüne) auf dem Kurznachrichtendienst zusammen. "Ich hab viel von ihr gelernt, konnte mit ihr lachen und manchmal auch kämpfen. Ich bin sehr dankbar, sie gekannt zu haben."

Bildungsministerin Karien Prien (CDU) befindet: "Rita Süssmuth ist als Politikerin für Frauen UND Männer ein großes Vorbild. Sie hat sich über Jahrzehnte mit starker Stimme für Familien und Frauen eingesetzt, nicht nur als Frauenministerin, auch in ihrer CDU!"

Die Verstorbene habe "frauen- & gleichstellungspolitische Themen ganz oben auf die Agenda gesetzt, wo sie heute noch hingehören. Bis zuletzt kommentierte sie politisches Zeitgeschehen und ergriff Position in aktuellen Debatten, sie war in bester Weise streitbar und gleichzeitig Brückenbauerin", so Prien.

Armin Laschet (CDU), ehemaliger Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, erinnert sich: "Als junger Redenschreiber lernte ich sie vor fast 40 Jahren kenne. Sie ist eine der beeindruckendsten Frauen, die ich je erlebt habe. Sie hat gekämpft für eine menschliche Gesellschaft und Versöhnung."

"Sie war fröhlich, voller Gottvertrauen und streitbar", führt Laschet auf X aus. "Und sie hat gegen Widerstände unendlich viel bewegt. Sie ist ein Vorbild und war eine gute Freundin. Sie wird schmerzhaft fehlen."

Mit Neuss, gelegen im einst von Laschet regierten NRW, war Rita Süssmuth eng verbunden: Sie lebte seit mehr als einem halben Jahrhundert in der Quirinusstadt und wurde vor drei Jahren zu ihrer ersten Ehrenbürgerin ernannt. In der Gnadentaler Allee ist die Rita-Süssmuth-Schule nach der ehemaligen Bundestagspräsidentin benannt.

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