Greenpeace Report zählt 709 Privatjets
Weltwirtschaftsforum Davos sorgt erneut für Emissionsrekord

Das Weltwirtschaftsforum in Davos zieht jedes Jahr politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger:innen an – doch mit ihnen kommt auch ein massiver CO₂-Ausstoß. Ein Greenpeace Report zeigt nun: 709 zusätzliche Privatjet-Flüge wurden rund um das Treffen 2025 registriert. Die Debatte um klimapolitische Doppelmoral flammt erneut auf.

Das Weltwirtschaftsforum Davos will globale Lösungen für eine nachhaltige Zukunft entwickeln – doch ausgerechnet die Anreise der Teilnehmenden steht zunehmend in der Kritik. Ein neuer Greenpeace Report dokumentiert einen historischen Höchststand an klimaschädlichen Privatflügen: 709 zusätzliche Starts und Landungen in nur einer Woche.

709 Privatflüge in einer Woche

Die Berliner Denkfabrik T3 hat im Auftrag von Greenpeace die Flugbewegungen an sieben Flughäfen in der Nähe von Davos – darunter Zürich, Genf, Dübendorf und Samedan – während der WEF-Woche vom 20. bis 24. Januar 2025 ausgewertet.

Das Ergebnis: 709 zusätzliche Privatjet-Flüge, ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Teilnehmenden blieb mit rund 3.000 konstant, womit statistisch gesehen ein Flug auf vier Delegierte entfällt. Greenpeace kritisiert den damit verbundenen CO₂-Ausstoß – insbesondere, da alternative Anreisemöglichkeiten zur Verfügung stünden.

Deutschland unter den Hauptabflugländern

Die Herkunft der Flüge verteilt sich laut Report wie folgt:

  • Frankreich: 20 %

  • Großbritannien: 13 %

  • Deutschland: 12 % – trotz direkter Bahnverbindungen in die Schweiz

Insgesamt hätten etwa 70 Prozent der Flüge laut Greenpeace auch mit der Bahn absolviert werden können. Die NGO betont, dass Privatjets pro Person rund zehnmal so viele Emissionen wie Linienflüge und etwa 50-mal so viele wie Zugfahrten verursachen.

Lena Donat, Verkehrsexpertin bei Greenpeace, findet klare Worte: "Die Reichen und Mächtigen befeuern mit ihren Luxusemissionen die Klimakrise und damit die größte Bedrohung unserer Zukunft. Wir können uns Privatflüge nicht mehr leisten – sie gehören verboten."

Forderung nach strukturellen Maßnahmen

Als Reaktion auf die Ergebnisse fordert Greenpeace neben einem Verbot besonders kurzer Privatflüge auch eine Vermögenssteuer von zwei Prozent ab 100 Millionen Euro. Die Einnahmen sollen laut Organisation in klimagerechte Investitionen fließen. In Deutschland wären davon weniger als 5.000 Haushalte betroffen.

Zudem plädiert Greenpeace für einen europaweiten Ausbau der Bahnverbindungen, insbesondere auf Strecken, die bislang noch häufig mit dem Flugzeug zurückgelegt werden.

Der vollständige Greenpeace Report ist unter folgendem Link verfügbar: act.gp/3YIizN0

Glaubwürdigkeit des Forums steht auf dem Prüfstand

Das Weltwirtschaftsforum versteht sich als Plattform zur Lösung globaler Herausforderungen. Der Greenpeace Report lenkt jedoch den Blick auf die Frage, inwieweit Verhalten und Botschaft der Teilnehmenden im Einklang stehen. Zugleich rücken wirtschaftliche Analysen verstärkt die Rolle des Klimaschutzes als strategischen Wachstumstreiber in den Fokus, wie etwa eine aktuelle Studie von KfW und Deloitte zeigt. Die Diskussion über klimapolitische Glaubwürdigkeit gewinnt damit erneut an Relevanz – auch mit Blick auf die Erwartungen an unternehmerische Verantwortung.

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