Verkehr wird zäher
ADAC Staubilanz 2025 zeigt deutlich mehr Zeitverlust auf Autobahnen

| Redaktion 
| 05.02.2026

Weniger Staus, aber mehr Stillstand: Die aktuelle Staubilanz des ADAC zeigt ein widersprüchliches Bild auf Deutschlands Autobahnen. Obwohl die Zahl der registrierten Staus im Jahr 2025 zurückging, verbrachten Autofahrer:innen insgesamt deutlich mehr Zeit im Stau. Besonders wirtschaftsstarke Regionen und klassische Reisemonate entwickelten sich zu Belastungsproben für den Verkehr – und zeigen, welche Folgen die längeren Stauzeiten für Pendler und Unternehmen haben.

Die ADAC Staubilanz 2025 macht deutlich, dass sich die Verkehrslage auf deutschen Autobahnen weiter verschärft. Längere Stauzeiten, regionale Engpässe und ausgeprägte saisonale Spitzen machen Wegezeiten zunehmend schwer kalkulierbar. Davon betroffen sind nicht nur Pendler:innen, sondern auch Unternehmen, deren Arbeitsabläufe, Lieferketten und Terminplanung auf verlässliche Verkehrsverbindungen angewiesen sind.

Weniger Staus, aber deutlich mehr Wartezeit

Im Jahr 2025 registrierte der ADAC rund 496.000 Staus auf deutschen Autobahnen. Das waren rund 20.000 weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Staustunden jedoch um etwa sieben Prozent auf insgesamt 478.000 Stunden. Auch die Gesamtlänge der Staus nahm leicht zu und lag bei 866.000 Kilometern.

Entscheidend ist damit nicht die Zahl der Staus, sondern ihre Dauer. Längere Baustellen, dichter Verkehr und stark belastete Hauptachsen führen dazu, dass Autofahrer:innen trotz sinkender Stauzahlen mehr Zeit im Stillstand verbringen.

Diese Regionen und Monate waren besonders betroffen

Regional konzentrierte sich das Staugeschehen erneut auf die großen Ballungsräume. Nordrhein-Westfalen vereinte rund 35 Prozent aller Staustunden auf sich. Es folgten Bayern mit 13 Prozent und Baden-Württemberg mit zehn Prozent. Deutliche Zuwächse verzeichneten Hamburg und Schleswig-Holstein mit jeweils rund 30 Prozent mehr Staustunden als im Vorjahr. Auch Rheinland-Pfalz lag mit einem Plus von 19 Prozent deutlich über dem Durchschnitt.

Im Jahresverlauf zeigte sich ein klares saisonales Muster. Während der Januar mit rund 25.500 Staustunden vergleichsweise ruhig verlief, verdoppelte sich das Stauaufkommen im Juli auf knapp 50.000 Stunden. Der Oktober folgte mit rund 49.000 Staustunden nur knapp dahinter.

Die staureichsten Zeiträume 2025 im Überblick:

  • Juli: knapp 50.000 Staustunden und rund 87.000 Staukilometer

  • Oktober: rund 49.000 Staustunden und etwa 85.000 Staukilometer

  • Mittwoch und Donnerstag: höchste durchschnittliche Stauwerte im Wochenverlauf

  • 9. Januar: Wintereinbruch mit rund 6.300 Kilometern Gesamtlänge aller Staus

Welche Folgen längere Stauzeiten konkret haben

Die zunehmenden Stauzeiten treffen vor allem Berufspendler, die in Deutschland seit Jahren immer mehr Zeit auf dem Arbeitsweg verbringen. Die ADAC-Zahlen zeigen, dass die Auswirkungen des Staugeschehens inzwischen über den reinen Straßenverkehr hinausreichen. Für Pendler:innen und Unternehmen ergeben sich spürbare Konsequenzen:

  • längere und schlechter planbare Arbeitswege für Pendler:innen

  • unzuverlässigere Liefer- und Ankunftszeiten in Logistik und Dienstleistung

  • steigende Kosten durch Zeitverluste, Umwege und Wartezeiten

  • höhere Planungsunsicherheit für Unternehmen bei Terminen und Abläufen

Gerade in Ballungsräumen wirken sich diese Effekte zunehmend auf den Arbeitsalltag und die betriebliche Organisation aus.

Ausblick auf 2026 und wirtschaftliche Folgen

Der ADAC rechnet für 2026 mit einer moderaten Zunahme des Verkehrsaufkommens. Zusätzlich werden umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an hunderten Autobahnbrücken für weitere Einschränkungen sorgen. Kurzfristig führen diese Maßnahmen zu zusätzlichen Verkehrsbehinderungen. Mittel- und langfristig sind sie notwendig, um das Autobahnnetz funktionsfähig zu halten.

Für Unternehmen bedeuten die Zahlen vor allem eines: Verkehrsbedingte Zeitverluste entwickeln sich zu einem messbaren wirtschaftlichen Faktor. Verzögerungen auf dem Arbeitsweg, unzuverlässige Lieferzeiten und steigende Planungsunsicherheiten wirken sich direkt auf Produktivität und Kosten aus. Die Staubilanz zeigt damit, dass die Verkehrslage zunehmend Einfluss auf betriebliche Abläufe und Standortentscheidungen nimmt.

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