Freihandel mit Südamerika
EU Mercosur Abkommen schafft größten Wirtschaftsraum der Welt

Nach über 25 Jahren zäher Verhandlungen ist das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem südamerikanischen Mercosur unterzeichnet worden. Mit rund 700 Millionen Menschen entsteht die größte Freihandelszone der Welt – und ein wirtschaftlich wie geopolitisch bedeutsames Bündnis, das Europas Industrie stärkt, Exporte ankurbelt und neue Märkte erschließt.

Das EU-Mercosur-Abkommen gilt als Meilenstein in der globalen Handelspolitik. Es betrifft rund 700 Millionen Menschen und soll nicht nur wirtschaftliche Vorteile bringen, sondern auch Europas Position im globalen Wettbewerb festigen. Während Industrieverbände die neuen Chancen feiern, warnen Bauern und Umweltschützer vor ungleichen Standards und wachsendem Preisdruck.

Größter Handelsraum der Welt entsteht

Das Abkommen verbindet die EU mit den vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay zu einem Markt mit einer jährlichen Wirtschaftsleistung von mehr als 16 Billionen Euro. Die nun geschaffene Freihandelszone umfasst knapp ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts – und ist damit aktuell die größte ihrer Art weltweit.

 
 
 
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Bereits vor dem Abkommen war die EU der zweitgrößte Handelspartner der Mercosur-Staaten – direkt hinter China. Allein im Jahr 2024 betrug das Handelsvolumen rund 113 Milliarden Euro, bei ausgewogener Bilanz zwischen Importen und Exporten.

Mit dem neuen Abkommen sollen 91 Prozent der EU-Exporte und 92 Prozent der Importe aus dem Mercosur zollfrei werden – schrittweise über mehrere Jahre.

Exportstärke und Industrieimpulse

Besonders profitiert die exportorientierte Wirtschaft Europas – allen voran Deutschland, dessen Industrie schon heute ein Handelsplus mit dem Mercosur erwirtschaftet. Branchen wie Maschinenbau, Automotive, Chemie und Pharma gelten als Hauptgewinner.

Diese sieben Vorteile bringt das Mercosur-Abkommen für die EU-Wirtschaft:

  • Wegfall von Importzöllen auf Fahrzeuge (bisher 35 %), Wein (27 %) und Maschinen (14 %)

  • Zugang zu 270 Millionen Konsument:innen in Südamerika

  • Einsparung von jährlich bis zu 4 Milliarden Euro an Zöllen

  • Gleichberechtigter Zugang zu öffentlichen Aufträgen im Mercosur-Raum

  • Anerkennung und Schutz von über 340 EU-Herkunftsbezeichnungen

  • Öffnung strategischer Lieferketten abseits von China

  • Stärkung der politischen Glaubwürdigkeit Europas im globalen Handel

Die EU-Kommission rechnet mit einem Exportzuwachs von 39 Prozent, was einem Plus von 49 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung entspricht. Auch kleine und mittlere Unternehmen sollen durch vereinfachte Handelsstandards profitieren.

Kritik aus der Landwirtschaft

Die Reaktionen auf das Abkommen sind in der europäischen Landwirtschaft deutlich kritischer. Viele Landwirte befürchten Wettbewerbsnachteile durch günstigere Importe aus Ländern mit niedrigeren Produktionskosten.

Um dieser Kritik zu begegnen, sieht das Abkommen begrenzte zollfreie Einfuhrquoten für sensible Produkte vor:

  • Rindfleisch: 99.000 Tonnen pro Jahr

  • Käse: 30.000 Tonnen

  • sowie Quoten für Geflügel, Zucker, Schweinefleisch und Ethanol

Zudem bleiben strenge EU-Lebensmittelstandards erhalten, und der Schutz geografischer Angaben – etwa "Parmesan", "Champagner" oder "Münchener Bier" – wurde vertraglich verankert. Dennoch kam es zu landesweiten Protesten, insbesondere in Frankreich, Deutschland und Österreich.

Strategisches Signal für globale Märkte

Neben wirtschaftlichen Vorteilen verfolgt die Europäische Union eine klare handelspolitische Strategie. Die Erfahrungen mit instabilen Lieferketten aus China und protektionistischen Maßnahmen der USA haben den Bedarf nach neuen, verlässlichen Partnerschaften deutlich gemacht.

Mit dem neuen Bündnis positioniert sich Europa als global handlungsfähiger Akteur und schafft die Grundlage für künftige Verträge mit Märkten wie Indien, Indonesien oder der Afrikanischen Union. Insbesondere Brasilien rückt als Schlüsselstaat in den Fokus – nicht nur wegen seiner Rohstoffe, sondern auch als potenzieller Partner im Bereich klimaneutraler Technologien.

Nach jahrzehntelangen Verhandlungen wurde eine Einigung erzielt, die wirtschaftliche Interessen, Nachhaltigkeitsziele und Herkunftsschutz miteinander verbindet. Europa setzt damit ein Zeichen für offene Märkte und gegen wirtschaftliche Abschottung – und unterstreicht seinen Anspruch, die globalen Spielregeln aktiv mitzugestalten.

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