Statussymbole
Haben Sie eine Berkel in der Küche?

Wenn Luxus heute ein Ritual ist, dann ist diese Wurstschneidemaschine sein rotes Altarstück: Die Berkel ist in italienischen Haushalten längst vom Werkzeug zum Prestigeobjekt geworden. Wer eine von den Geräten in seiner Küche stehen hat, der will sagen: Wir haben Klasse – und verstehen was vom guten Leben.

Dass die Berkel vielmehr ist als ein schnödes Küchengerät, das lässt sich an der Sprache ablesen, mit der italienische Medien und Händler über das Gerät sprechen. Da ist nicht von „praktisch“ die Rede, sondern von "un tocco di classe" – einem Hauch Klasse in der Küche, wie es etwa der italienische Lifestyle-Händler Le Gioie formuliert.

Und: Die Maschine wird ausdrücklich als "oggetto di arredo" beschrieben – also als Einrichtungsgegenstand, nicht als Gerät, das man nach Gebrauch wegräumt. So etwa beim traditionsreichen italienischen Einrichtungshaus Gasparetto 1945. Der italienische Anbieter Locatelli House Store etwa kuratiert "affettatrici a volano di lusso" und bewirbt die Geräte nicht nur wegen ihrer Leistung, sondern explizit wegen Eleganz und Raffinesse für die Küche.

Freilich ist das alles herrlich übertrieben – kaum ein normaler Haushalt braucht zu Hause ein Gerät, das so viel Platz beansprucht und so demonstrativ nach Bedeutung aussieht, nur um ein paar Blättchen Wurst aufzuschneiden.

Design-Ikone mit Absicht

Berkel selbst pflegt dieses Selbstbild sehr offensiv. In der eigenen Markenwelt ist von Eleganz der Formen, Harmonie der Bewegung und dem Glanz der Klinge die Rede – inklusive des ikonischen Berkel-Rots. Das klingt weniger nach Haushalt und mehr nach Designmuseum.

 
 
 
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Auch das italienische Wohn- und Interior-Magazin CasaFacile nennt die Berkel-Aufschnittmaschine explizit eine "icona del design" und beschreibt sie als roten Blickfang, der im Raum zum Protagonisten wird.

Das ist die eigentliche Pointe: Während Küchentrends sonst auf Minimalismus und Unsichtbarkeit setzen – alles bündig, alles smart, alles verschwindet –, ist Berkel das Gegenteil. Groß und protzig steht sie in der Mitte der italienischen Küchen. Die Mechanik soll sichtbar sein. Das Schneiden wird zur Handlung. Und im besten Fall zur kleinen Performance, wenn Gäste da sind.

Wenn das Küchengerät zur Sammlerware wird

Ein weiterer Baustein des Statusfaktors ist der Kult um restaurierte Vintage-Modelle. In italienischen Restaurations- und Handwerkskontexten wird die Berkel als Verbindung aus historischem Wert, Mechanik und Luxus-Interior inszeniert – als Objekt, das man besitzt wie eine Uhr oder ein Möbelklassiker, etwa bei spezialisierten Werkstätten wie Artigiani del Restauro.

 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Myslicer.de Oliver Kuebe (@berkelmyslicer)

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