Unter dem Titel "Agents of Reinvention: Marketing an der Schnittstelle von KI und menschlicher Kreativität" hat Dentsu am Montagmorgen Erkenntnisse aus dem neuen Creative CMO Report geteilt.
Um diese zu gewinnen, wurden Einschätzungen von fast 2000 Marketing-Führungskräften aus Deutschland, Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Mexiko, Südafrika, Spanien, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigte Königreich eingeholt.
Einschätzungen in Zahlen
Gemäß des Titels wurden die Führungskräfte zu verschiedenen Aspekten rund um das Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und klassischen Mitarbeitenden befragt. Dabei hat sich unter anderem ergeben:
- Rund ein Drittel der befragten CMOs setzt Künstliche Intelligenz inzwischen täglich ein; nahezu alle integrieren sie zumindest regelmäßig in ihre persönlichen Arbeitsprozesse.
- Eine überwältigende Mehrheit von 87 Prozent sieht menschliche Kreativität und kulturelle Relevanz als zentrale Differenzierungsfaktoren moderner Markenführung.
- 78 Prozent sind überzeugt, dass generative KI menschliche Kreativität auch langfristig nicht vollständig ersetzen kann – ein deutlich gestiegenes Vertrauen in den Wert originärer Ideen.
- 90 Prozent der Marketingverantwortlichen streben eine agile, datengetriebene Content-Produktion an, die Relevanz und Timing miteinander verzahnt.
- Gleichzeitig empfinden 76 Prozent die zunehmende Produktionsgeschwindigkeit als Hemmnis für wirklich tiefgehende Personalisierung.
- 71 Prozent gehen davon aus, dass im Wettbewerb um Aufmerksamkeit zunehmend der Algorithmus über Sichtbarkeit und Erfolg entscheidet.
- Dabei warnen gleich 79 Prozent vor der Gefahr uniformer, austauschbarer Inhalte, wenn Content primär auf algorithmische Logiken optimiert wird.
- 84 Prozent der Befragten wünschen sich Kommunikation, die über Reichweite hinausgeht und einen echten kulturellen und wertebasierten Bezug zur Lebenswelt der Konsumenten herstellt.
- 91 Prozent gehen davon aus, dass Markenaufbau künftig als kollaborativer Prozess zwischen Unternehmen, Agenturen, Plattformen und Creators funktioniert.
- In diesem Zusammenhang zeigen sich gleichzeitig 82 Prozent besorgt, dass die enge Zusammenarbeit mit externen Akteuren zu einem Verlust an strategischer Kontrolle führen könnte.
"Markenverantwortliche gehen heute deutlich selbstbewusster mit KI um als noch vor wenigen Jahren", konstatiert Nils Seger, CEO von Dentsu Creative Germany.
"Die anfängliche Sorge, ersetzt zu werden, ist einem klaren Verständnis für Chancen und Potenziale gewichen. Wir sehen bereits umfassende und erfolgreiche Use Cases in der Asset-Produktion, der Strategieentwicklung und der Skalierung von Kampagnen."

Titelseite des Dentsu Creative CMO Report 2025 (Bild: Dentsu)
"Gleichzeitig bleibt menschliche Kreativität entscheidend, um kulturelle Relevanz zu schaffen", unterstreicht Seger weiter.
"Eine Kennzahl, die CMOs zunehmend als zentrale KPI ihrer Kommunikation betrachten. Der diesjährige CMO-Report zeigt den Reifeprozess, den unsere Branche im Umgang mit KI durchlaufen hat, und liefert einen Ausblick darauf, welche Rolle KI und menschliche Kreativität im Marketing 2026 spielen werden."
Zehn zentrale Trends aus dem Dentsu Creative CMO Report 2025
Anhand der gewonnenen Erkenntnisse hat Dentsu zehn zentrale Trends identifiziert, die die Welt des Marketing heute und morgen prägen.
- Anticipate the Algorithm
Erfolgreiche Marken verstehen Algorithmen als strategische Rahmenbedingung ihrer Kommunikation. Statt kurzfristig Reichweitenmechaniken zu bedienen, entwickeln sie Inhalte, die sowohl algorithmisch auffindbar als auch kulturell relevant sind und vermeiden so eine rein maschinengetriebene, austauschbar wirkende Optimierung.
- Invest in Intimacy
Marken differenzieren sich zunehmend durch echte Nähe zu ihren Zielgruppen. Human-Centered Insights, kulturelles Feingefühl und ein tiefes Verständnis für Lebensrealitäten schaffen Relevanz und Vertrauen. Intimität entsteht dort, wo Marken nicht nur senden, sondern zuhören, verstehen und emotional anschlussfähig kommunizieren.
- Connecting Ideas
Markenbildung ist heute ein kollaborativer Prozess. Creators, Communities und Plattformen wirken aktiv an der Bedeutungsbildung mit. Co-Creation wird zur Pflicht, um kulturelle Dynamiken aufzugreifen, Glaubwürdigkeit zu stärken und Inhalte zu entwickeln, die nicht aus dem Elfenbeinturm, sondern aus dem sozialen Raum heraus entstehen.
- Influence the Outcome
Influencer gewinnen in KI-gestützten Such-, Empfehlungs- und Commerce-Umgebungen weiter an Bedeutung. Sie fungieren als Orientierungspunkte in fragmentierten Informationsräumen und beeinflussen Kaufentscheidungen, Sichtbarkeit und Markenwahrnehmung. Vertrauen und Authentizität werden dabei wichtiger als reine Reichweite.
- The Culture Conundrum
Kulturelle Relevanz wird zum zentralen Erfolgsfaktor. Klassische Paid-Media-Logiken verlieren an Durchschlagskraft, wenn Inhalte nicht in gesellschaftliche Kontexte eingebettet sind. Marken müssen kulturelle Codes verstehen, Haltung zeigen und Themen glaubwürdig besetzen, um soziale Resonanz statt bloßer Sichtbarkeit zu erzielen.
- The Innovation Imperative
Innovation ist kein Selbstzweck, sondern muss konkrete Geschäftsprobleme lösen. Gefragt sind Lösungen, die Effizienz, Wirkung und Differenzierung verbinden – von datengetriebenen Strategien bis zu neuen Content-Formaten. Innovationskraft entscheidet darüber, ob Marken in dynamischen Märkten relevant bleiben oder austauschbar wirken.
- Artificial Assistance
Künstliche Intelligenz ist fest in Workflows integriert und treibt Skalierung und Personalisierung voran. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz, Verantwortung und kreative Steuerung. Menschliche Kreativität bleibt unverzichtbar, um Tonalität, kulturelle Bedeutung und Originalität gegenüber rein automatisierten Prozessen zu sichern.
- Human Experience
Trotz zunehmender Automatisierung erwarten Konsumenten Erlebnisse, die emotional, empathisch und menschlich wirken. Personalisierung darf nicht kalt oder mechanisch sein, sondern muss Nähe, Relevanz und Vertrauen schaffen. Deshalb sollten Marken Technologie so einsetzen, dass sie Beziehung vertieft statt Distanz erzeugt.
- Intelligent Content
Content-Strategien verschieben sich von Quantität zu Wirkung. Entscheidend ist die intelligente Aussteuerung entlang der Customer Journey – datenbasiert, kontextsensibel und zum richtigen Zeitpunkt. Relevanz entsteht nicht durch Volumen, sonderndurch inhaltliche Präzision und die Verbindung von Insight, Kreation und Distribution.
- In Taste We Trust
In einer Welt von Agentic AI, generischen Outputs und automatisierter Produktion werden Geschmack, Kuration und Markenpräferenz zum Differenzierungsfaktor. Vertrauen entsteht dort, wo Marken Haltung, Stil und Qualitätsurteil beweisen und damit Orientierung in einer zunehmend uniform auftretenden Content-Landschaft bieten.
Kommentar veröffentlichen