Potenzial "Silver Workforce“
Neue Destatis-Zahlen: Warum Rentner für Unternehmen wichtiger werden

| Redaktion 
| 05.08.2026

Deutschlands Arbeitsmarkt entdeckt eine bislang unterschätzte Reserve: Die neuesten veröffentlichten Destatis-Zahlen zeigen, dass 14 Prozent der 65- bis 74-jährigen Rentner:innen weiterarbeiten. Besonders häufig bleiben gut ausgebildete Menschen beruflich aktiv. Für Unternehmen rückt damit eine erfahrene und flexibel einsetzbare Beschäftigtengruppe stärker in den Fokus.

Die neuesten veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen einen klaren Trend: Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten weiter, obwohl sie bereits eine gesetzliche Altersrente beziehen. Nach den am 5. August 2026 veröffentlichten Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 waren 14 Prozent der Rentner:innen im Alter von 65 bis 74 Jahren erwerbstätig. Ein Jahr zuvor hatte der Anteil noch bei 13 Prozent gelegen.

Damit liegt ein aktuelles amtliches Bild zur Erwerbstätigkeit von Rentenbeziehenden in Deutschland vor. Für Unternehmen ist die Entwicklung vor allem mit Blick auf den Fachkräftemangel relevant. Ein wachsender Anteil älterer Menschen bleibt dem Arbeitsmarkt erhalten – überwiegend mit reduziertem Stundenumfang, aber teilweise auch mit einer Arbeitszeit auf Vollzeitniveau.

Zwischen Männern und Frauen besteht dabei ein deutlicher Unterschied. Während 16 Prozent der Rentner einer Erwerbstätigkeit nachgingen, lag der Anteil bei den Rentnerinnen bei elf Prozent.

Silver Workforce wird zum Personalpotenzial

Mit zunehmendem Alter nimmt die Erwerbstätigkeit kontinuierlich ab. Von den 65- und 66-jährigen Rentenbeziehenden arbeitete knapp ein Fünftel. Unter den 73- und 74-Jährigen waren dagegen noch acht Prozent beruflich aktiv.

Besonders auffällig ist der Zusammenhang mit dem Bildungsniveau. Von den Rentenbeziehenden mit höherem Bildungsabschluss arbeiteten 18 Prozent weiter. Bei Menschen mit mittlerem Bildungsniveau waren es zwölf Prozent, bei niedrigerem Bildungsniveau zehn Prozent.

Für Unternehmen rückt damit die sogenannte Silver Workforce stärker in den Fokus. Gemeint sind ältere Beschäftigte, die ihr Fachwissen, ihre Erfahrung und ihre beruflichen Kontakte auch nach Beginn der Altersrente weiter einbringen. Destatis nennt als möglichen Grund, dass Menschen mit höherem Bildungsniveau häufiger aus Freude an ihrer Tätigkeit weiterarbeiten.

Die Entwicklung ergänzt zugleich ein anderes Bild des Arbeitsmarkts. Eine Analyse aus dem vergangenen Jahr zeigte, wie die Frührente der Babyboomer den Fachkräftemangel verschärft. Die aktuellen Destatis-Zahlen verdeutlichen nun, dass gleichzeitig eine wachsende Zahl von Rentner:innen trotz Rentenbezugs beruflich aktiv bleibt.

Teilzeit und Minijobs prägen das Bild

Von den erwerbstätigen Rentner:innen arbeiteten 73 Prozent als abhängig Beschäftigte. 27 Prozent waren selbstständig tätig. Unter den abhängig Beschäftigten übten knapp zwei Drittel eine geringfügige Beschäftigung aus.

Als geringfügig beschäftigt galten im Jahr 2025 Personen, die monatlich höchstens 556 Euro verdienten oder ihre Tätigkeit auf maximal drei Monate beziehungsweise 70 Arbeitstage im Jahr beschränkten.

Auch die Wochenarbeitszeit fällt bei der Mehrheit niedrig aus. 65 Prozent der erwerbstätigen Rentner:innen arbeiteten weniger als 20 Stunden pro Woche.

Die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Destatis-Auswertung:

  • 40 Prozent arbeiteten weniger als zehn Stunden pro Woche.
  • 25 Prozent kamen auf zehn bis unter 20 Wochenstunden.
  • Zwölf Prozent arbeiteten zwischen 20 und unter 30 Stunden.
  • Neun Prozent waren 30 bis unter 40 Stunden tätig.
  • 13 Prozent arbeiteten mehr als 40 Stunden pro Woche.
  • 65 Prozent blieben insgesamt unter 20 Wochenstunden.

Für Unternehmen spricht diese Verteilung dafür, ältere Arbeitskräfte nicht nur als Ersatz für unbesetzte Vollzeitstellen zu betrachten. Teilzeitverträge, klar abgegrenzte Aufgaben und projektbezogene Einsätze passen eher zur tatsächlichen Beschäftigungsstruktur.

Dass längere Teilzeitmodelle für Menschen im Ruhestand an Bedeutung gewinnen könnten, hatte bereits eine Auswertung zur Aktivrente und zu Teilzeitjobs für Rentner aus dem Jahr 2025 gezeigt. Die nun veröffentlichten Destatis-Daten bilden dagegen die tatsächliche Erwerbstätigkeit von Rentenbeziehenden im Mikrozensus 2025 ab.

Selbstständige arbeiten häufiger lange

Nicht alle erwerbstätigen Rentner:innen reduzieren ihre Arbeitszeit. 13 Prozent arbeiteten nach Angaben von Destatis mehr als 40 Stunden pro Woche.

Besonders hoch war dieser Anteil unter Selbstständigen. Von ihnen kamen 28 Prozent auf mehr als 40 Wochenstunden. Unter den abhängig beschäftigten Rentenbeziehenden lag der Anteil lediglich bei acht Prozent.

Damit zeigt sich eine sehr unterschiedliche Beschäftigtengruppe. Ein großer Teil arbeitet wenige Stunden oder im Minijob. Andere bleiben selbstständig und mit hohem zeitlichem Einsatz beruflich aktiv.

Für die Personalplanung ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Die Silver Workforce ist kein einheitlicher Bewerbermarkt. Arbeitszeit, Beschäftigungsform, Alter und Bildungsniveau unterscheiden sich erheblich. Unternehmen, die Rentner:innen gewinnen oder erfahrene Mitarbeiter:innen über den Renteneintritt hinaus halten möchten, benötigen deshalb differenzierte Arbeitsmodelle.

Die Angaben beruhen auf den Erstergebnissen des Mikrozensus 2025. Für die Stichprobenerhebung befragt Destatis jährlich rund ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Als Rentenbeziehende gelten in dieser Auswertung Menschen zwischen 65 und 74 Jahren, die eine gesetzliche Altersrente beziehen. Pensionen und andere Rentenarten wurden nicht berücksichtigt.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV