EU-Vergleich
Digitalisierung in Deutschland fällt auf Platz 17 zurück

| Redaktion 
| 04.08.2026

Deutschland verbessert sich bei der Digitalisierung, verliert im europäischen Vergleich aber weiter an Boden. Im neuen Ranking des Digitalverbands Bitkom fällt die Bundesrepublik auf Platz 17 unter den 27 EU-Mitgliedstaaten zurück. Zwar steigt die Punktzahl gegenüber dem Vorjahr leicht an, zahlreiche europäische Länder digitalisieren sich jedoch deutlich schneller. Das neue Ranking zeigt, in welchen Bereichen Deutschland mithalten kann – und wo der Rückstand weiter wächst.

Deutschland kommt bei der Digitalisierung voran – allerdings langsamer als viele andere EU-Staaten. Im aktuellen Bitkom-DESI-Index belegt die Bundesrepublik nur noch Platz 17 unter den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Gegenüber dem Vorjahr verbessert sich Deutschland zwar leicht auf 51,1 Punkte, fällt im Ranking aber dennoch drei Plätze zurück. Der Grund: Andere Länder treiben ihre Digitalisierung schneller voran.

Besonders groß bleibt der Abstand zur europäischen Spitze. Dänemark führt das Ranking vor Finnland und den Niederlanden an. Unter den fünf bevölkerungsreichsten EU-Ländern schneidet Deutschland dagegen besser ab und erreicht hinter Spanien den zweiten Platz. Der Bitkom berechnet den Index auf Basis von 44 Digitalisierungsindikatoren der Europäischen Kommission und setzt damit den früheren EU-Digital Economy and Society Index (DESI) fort, der seit 2023 nicht mehr als Gesamtranking veröffentlicht wird.

Deutschland punktet bei Unternehmen – Verwaltung bleibt Schlusslicht

Ein differenzierter Blick auf die einzelnen Bereiche zeigt ein gemischtes Bild. Während die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung vergleichsweise gut abschneidet, bleibt insbesondere die öffentliche Verwaltung ein Bremsklotz.

Deutschland schneidet in den einzelnen Bereichen sehr unterschiedlich ab:

  • Digitale Transformation von Unternehmen: Platz 11
  • Qualität der digitalen Infrastruktur: Platz 11
  • Digitale Kompetenzen: Platz 11
  • Nutzung digitaler Infrastruktur: Platz 21
  • Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung: Platz 22

Vor allem die Digitalisierung der Unternehmen entwickelt sich nach Angaben des Bitkom solide. Unter den fünf größten EU-Staaten liegt Deutschland in dieser Kategorie sogar auf Platz eins. Positiv entwickelt sich laut Bitkom unter anderem die Zahl der Unicorns – Start-ups mit einer Unternehmensbewertung von jeweils mehr als einer Milliarde Euro. Dazu zählt auch das Mannheimer Softwareunternehmen osapiens, das 2026 nach einer 100-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde den Unicorn-Status erreichte

Auch beim Ausbau der digitalen Infrastruktur schneidet Deutschland vergleichsweise gut ab. Die 5G-Abdeckung erreicht inzwischen 99,5 Prozent der Haushalte und liegt damit über dem EU-Durchschnitt von 96,8 Prozent. Der Ausbau bildet die Grundlage für eine deutlich steigende mobile Datennutzung, die zuletzt ein Rekordniveau erreicht hat.

Ausbau allein reicht nicht aus

Deutlich schlechter fällt jedoch die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur aus. Obwohl leistungsfähige Glasfaser- und Gigabitanschlüsse vielerorts verfügbar sind, werden sie bislang nur selten genutzt. Lediglich sieben Prozent der Bevölkerung verfügen über einen Breitbandanschluss mit mindestens 1.000 Mbit/s. Im europäischen Vergleich reicht das nur für Platz 21. Ein weiterer Faktor im deutschen Breitbandmarkt sind die hohen Kosten: Laut einem EU-Vergleich ist schnelles, stationäres Internet hierzulande besonders teuer, während Glasfasertarife gemessen an der Leistung günstiger abschneiden als DSL.

Verbessert hat sich Deutschland dagegen bei den digitalen Kompetenzen. Der Anteil der IT-Fachkräfte liegt mit 5,5 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 5,0 Prozent. Auch bei den Absolvent:innen in IT-Studiengängen schneidet Deutschland besser ab als der europäische Durchschnitt.

Der größte Nachholbedarf besteht weiterhin bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Deutschland landet hier lediglich auf Rang 22. Digitale Behördendienste werden seltener genutzt als im EU-Durchschnitt, zudem bleiben zentrale Verwaltungsprozesse hinter vielen anderen Mitgliedstaaten zurück. So erreichen vorausgefüllte Formulare lediglich 52 Punkte, während der EU-Durchschnitt bei 75,9 Punkten liegt.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: "Deutschland macht Fortschritte bei der Digitalisierung, aber andere Länder sind schneller. Wer im digitalen Wettbewerb nach vorne will, muss nicht nur besser, sondern auch schneller werden."

Bitkom fordert schnellere Umsetzung

Nach Ansicht des Digitalverbands muss Deutschland die Digitalisierung deutlich konsequenter vorantreiben. Genannt werden unter anderem schnellere Genehmigungen für Rechenzentren, Mobilfunkmasten und Fabriken, eine stärkere Nutzung Künstlicher Intelligenz in Unternehmen sowie der Abbau bürokratischer Hürden. Außerdem fordert Bitkom digitale Identitäten und die konsequente Umsetzung des Once-Only-Prinzips, damit Bürger:innen und Unternehmen ihre Daten Behörden künftig nur noch einmal übermitteln müssen.

Für Unternehmen zeigt das Ranking, dass der Wettbewerb um attraktive Digitalstandorte in Europa spürbar zunimmt. Deutschland verfügt zwar in mehreren Bereichen über eine solide Basis, verliert aber vor allem durch die langsame Digitalisierung der Verwaltung und die geringe Nutzung leistungsfähiger Netze an Boden.

EU-Digitalranking 2026: Die Top 10

    1. Dänemark – 76,4 Punkte
    2. Finnland – 72,9 Punkte
    3. Niederlande – 72,7 Punkte
    4. Malta – 70,3 Punkte
    5. Luxemburg – 69,3 Punkte
    6. Schweden – 67,3 Punkte
    7. Belgien – 65,0 Punkte
    8. Estland – 62,5 Punkte
    9. Irland – 62,1 Punkte
    10. Spanien – 61,1 Punkte

    Deutschland: Platz 17 – 51,1 Punkte

    Quelle: Bitkom-DESI-Index 2026 auf Basis der Daten der Europäischen Kommission.

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EU-Digitalranking 2026: Die Top 10

    1. Dänemark – 76,4 Punkte
    2. Finnland – 72,9 Punkte
    3. Niederlande – 72,7 Punkte
    4. Malta – 70,3 Punkte
    5. Luxemburg – 69,3 Punkte
    6. Schweden – 67,3 Punkte
    7. Belgien – 65,0 Punkte
    8. Estland – 62,5 Punkte
    9. Irland – 62,1 Punkte
    10. Spanien – 61,1 Punkte

    Deutschland: Platz 17 – 51,1 Punkte

    Quelle: Bitkom-DESI-Index 2026 auf Basis der Daten der Europäischen Kommission.

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