DAK-Gesundheitsreport 2026
Psychische Erkrankungen sind erstmals häufigster Grund für Fehltage im Job

| Redaktion 
| 20.07.2026

Der Krankenstand in Deutschland ist zwar leicht gesunken. Dennoch dürfte eine Entwicklung aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport viele Unternehmen aufhorchen lassen: Erstmals sind psychische Erkrankungen der häufigste Grund für krankheitsbedingte Fehlzeiten. Warum das weit mehr ist als eine Momentaufnahme – und weshalb Prävention in Betrieben an Bedeutung gewinnt.

Der Krankenstand in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 leicht zurückgegangen. Nach Angaben der DAK-Gesundheit lag er bei 5,3 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Krankenstandsanalyse des IGES Instituts im Auftrag der Krankenkasse eine Entwicklung, die für Unternehmen zunehmend relevant wird: Psychische Erkrankungen sind erstmals die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten.

Für die Analyse wertete das Berliner IGES Institut die Daten von rund 2,2 Millionen erwerbstätigen DAK-versicherten Beschäftigten aus. Während Krankschreibungen wegen Atemwegserkrankungen deutlich zurückgingen, nahm die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen weiter zu.

Atemwegserkrankungen gehen deutlich zurück – psychische Erkrankungen nehmen zu

Besonders auffällig ist der Rückgang bei Atemwegserkrankungen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 sank die Zahl der entsprechenden Krankschreibungen um 21 Prozent. Gleichzeitig stiegen Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen um neun Prozent. Damit lösten sie Atemwegserkrankungen als häufigsten Krankschreibungsgrund ab. Auf Platz drei folgen weiterhin Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems.

Insgesamt waren von Januar bis Juni durchschnittlich 53 von 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an jedem Tag krankgeschrieben. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer stieg leicht von 9,5 auf 9,7 Tage.

"Der leichte Rückgang beim Krankenstand ist erfreulich", sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. "Unsere Analyse zeigt, wie schnell sich Fehlzeiten durch das reale Krankheitsgeschehen nach oben oder unten entwickeln können. Handlungsbedarf besteht vor allem bei der großen Zahl von Langzeiterkrankungen mit vielen Fehltagen. Ich begrüße daher den Start der Präventionsoffensive für eine gesunde Arbeitswelt von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Zielführend ist auch die geplante Einführung einer Teilkrankschreibung. Das sind geeignete Instrumente, um den Krankenstand nachhaltig senken zu können."

Warum die Entwicklung für Unternehmen wichtig ist

Der leichte Rückgang des Krankenstands verdeckt, dass sich die Ursachen für krankheitsbedingte Fehlzeiten verändern. Während Atemwegserkrankungen deutlich zurückgingen, nahmen Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen um neun Prozent zu.

Für Unternehmen gewinnt damit die betriebliche Gesundheitsprävention an Bedeutung. Bereits der AOK-Fehlzeiten-Report 2025 zeigte, dass psychische Erkrankungen Unternehmen zunehmend belasten und neue Herausforderungen für das betriebliche Gesundheitsmanagement entstehen. Die aktuelle DAK-Auswertung untermauert nun den Bedeutungszuwachs psychisch bedingter Fehlzeiten.

Jüngere Beschäftigte seltener krankgeschrieben

Die Entwicklung fällt je nach Altersgruppe unterschiedlich aus. In allen Altersgruppen unter 55 Jahren ging der Krankenstand zurück. Besonders deutlich war der Rückgang bei den 15- bis 19-Jährigen sowie den 20- bis 24-Jährigen. In beiden Gruppen sank der Krankenstand um jeweils 0,3 Prozentpunkte.

Anders entwickelte sich die Situation bei den über 60-Jährigen. Hier stieg der Krankenstand um 0,3 Prozentpunkte. Zwar wurden auch in dieser Altersgruppe weniger Krankschreibungen registriert, gleichzeitig nahm jedoch die Dauer der Erkrankungen zu.

Der aktuelle DAK-Gesundheitsreport zeigt damit zwei gegenläufige Entwicklungen: Insgesamt sinkt der Krankenstand leicht, zugleich steigt die durchschnittliche Erkrankungsdauer. Dass psychische Erkrankungen erstmals der häufigste Krankschreibungsgrund sind, markiert eine deutliche Verschiebung bei den Ursachen für Fehlzeiten im Job.

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