Extremhitze in den USA
New Yorks Antwort auf die Hitzewelle: Ein Pool mitten im East River

| Redaktion 
| 19.07.2026

Die Hitzewelle hält Teile der USA fest im Griff. In New York suchen Bewohner und Touristen gleichermaßen nach Möglichkeiten, der drückenden Sommerhitze zu entkommen. Während Parks, Brunnen und öffentliche Schwimmbäder an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, rückt ein außergewöhnliches Projekt wieder in den Mittelpunkt: Mitten im East River soll ein schwimmender Pool entstehen, der das Wasser des Flusses filtert und zum Baden nutzbar macht.

Das Projekt +POOL gilt seit Jahren als eines der innovativsten Vorhaben für die urbane Klimaanpassung. Wie ZDFheute berichtet, rückt die Idee angesichts der aktuellen Hitzewelle in New York wieder verstärkt in den Fokus. Nach einer langen Planungsphase beginnt nun die entscheidende Testphase. Gelingt sie, könnte aus einer visionären Idee ein Modell für Großstädte weltweit werden.

Schwimmen im East River statt im Freibad

Der geplante +POOL soll am Pier 35 auf der Lower East Side entstehen. Anders als ein klassisches Schwimmbecken wird der Pool nicht mit Leitungswasser befüllt. Stattdessen strömt Wasser direkt aus dem East River durch ein mehrstufiges Filtersystem, das Verunreinigungen entfernen soll. Chemische Zusätze wie Chlor sind nach dem Konzept nicht erforderlich.

Bevor Badegäste den Pool nutzen können, muss die Technik jedoch ihre Praxistauglichkeit beweisen. Im Sommer 2026 startet deshalb zunächst eine Pilotanlage. Dabei überprüfen die Verantwortlichen unter anderem Wasserqualität, Filterleistung und den Betrieb unter realen Bedingungen im East River.

Erst wenn sämtliche Tests erfolgreich verlaufen und die zuständigen Behörden grünes Licht geben, könnte das Projekt für die Öffentlichkeit geöffnet werden.

Eine Idee, die weltweit Aufmerksamkeit erregt

Die Vision hinter +POOL entstand bereits vor mehr als einem Jahrzehnt. Ziel war es von Anfang an, den New Yorkern ihre Flüsse wieder näherzubringen und gleichzeitig neue öffentliche Räume zu schaffen.

International sorgte das Projekt vor allem wegen seines ungewöhnlichen Konzepts für Aufmerksamkeit. Die spätere Anlage soll die Form eines Pluszeichens besitzen. Dadurch entstehen vier unterschiedliche Beckenbereiche für Sportschwimmer, Familien mit Kindern, Freizeitbadende und Erholungssuchende.

Die spektakuläre Architektur ist jedoch nur ein Teil der Idee. Im Mittelpunkt steht die Kombination aus moderner Wasseraufbereitung, nachhaltiger Stadtentwicklung und zusätzlichem öffentlichen Raum.

Hitzewellen verändern die Stadtplanung

Das Projekt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Metropolen ihre Strategien gegen extreme Sommerhitze überdenken.

Steigende Temperaturen stellen Städte weltweit vor neue Herausforderungen. Asphalt und Beton speichern Wärme, während versiegelte Flächen und dichte Bebauung die nächtliche Abkühlung erschweren. Wasserflächen, Grünanlagen und schattige Aufenthaltsorte gewinnen daher zunehmend an Bedeutung.

Mit +POOL will New York einen Teil des East River als öffentlichen Erholungsraum nutzbar machen. Das Projekt verbindet Badeangebot, Wasseraufbereitung und Stadtentwicklung.

Andere Städte verfolgen ähnliche Ziele mit anderen Mitteln. In der chinesischen Stadt Yuncheng soll etwa künstlich erzeugter Nebel auf Wolkenkratzern dazu beitragen, ganze Quartiere durch Verdunstungskühlung zu entlasten. Das zeigt: Im Umgang mit heißen Sommern entstehen weltweit sehr unterschiedliche Konzepte.

Was deutsche Städte daraus lernen können

Auch in Deutschland und anderen Teilen Europas wächst der Druck, sich besser auf heiße Sommer vorzubereiten. Neben mehr Stadtgrün, entsiegelten Flächen und zusätzlichen Schattenplätzen gewinnt auch die technische Kühlung an Bedeutung. So steigt in Europa die Nachfrage nach Ventilatoren und Klimaanlagen deutlich.

Ein schwimmender Pool wie in New York lässt sich zwar nicht ohne Weiteres übertragen. Wasserqualität, Schifffahrt, Naturschutz und Genehmigungsverfahren unterscheiden sich je nach Standort erheblich. Dennoch zeigt +POOL, wie bestehende Wasserflächen stärker als öffentliche Erholungsräume genutzt werden könnten.

Der europäische Weg dürfte deshalb aus einer Mischung verschiedener Maßnahmen bestehen: bessere Gebäudekühlung, mehr Grün, weniger versiegelte Flächen und neue Angebote zur Abkühlung im öffentlichen Raum.

Noch entscheidet die Technik

Bis Besucher tatsächlich ihre Bahnen im East River ziehen können, bleibt noch einiges zu tun. Die kommenden Monate gelten als entscheidend. Erst wenn die Pilotanlage zuverlässig funktioniert und sämtliche Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen erfüllt, kann das Projekt in die nächste Phase gehen.

Sollte der Test erfolgreich verlaufen, könnte +POOL weit mehr sein als eine neue Sehenswürdigkeit New Yorks. Das Projekt hätte das Potenzial, weltweit als Beispiel dafür zu dienen, wie Städte ihre Wasserflächen angesichts zunehmender Hitzewellen neu nutzen können.

Während vielerorts über die Folgen steigender Temperaturen diskutiert wird, versucht New York bereits eine konkrete Antwort zu geben – mit einem öffentlichen Pool mitten im East River.

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