Wenn an der Côte d’Azur der Rote Teppich ausgerollt wird, richtet sich der Blick der Kinobranche für knapp zwei Wochen zuverlässig auf Cannes: Am Dienstag beginnt die 79. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele, die neben dem renommierten Wettbewerb um die Goldene Palme die Vergabe von zwei Ehrenpreisen und natürlich diverse Premieren beinhalten – darunter das Regie-Debüt von John Travolta.
Die 1946 erstmals ausgerichteten Internationalen Filmfestspiele von Cannes gelten längst als das wohl prestigeträchtigste Schaufenster der Kinowelt. Vor der Kulisse der französischen Côte d’Azur ist das Festival eine Mischung aus kulturellem Prestigeprojekt und globalem Gipfeltreffen der Filmbranche, die Vertreter des Autorenkinos, aus Hollywood und inzwischen auch von Streamingdiensten vereint.
Am Dienstag startet die 79. Ausgabe der Filmfestspiele, wobei der Internationale Wettbewerb um die Goldene Palme einmal mehr im Mittelpunkt der bis Samstag, 23. Mai angesetzten Veranstaltung steht.
Im letzten Jahr konnte "It was just an Accident" von Jafar Panahi den Hauptpreis einstreichen, während der Preis der Jury an den deutschen Beinahe-Oscarkandidaten "In die Sonne schauen" ging.
Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Heidi Klum - hier bei der Eröffnungsfeier 2025 - auch in diesem Jahr zu den Gästen der Zeremonie gehört (Bild: Brauer Photos / J. Harrell)
Wer zum Abschluss des diesjährigen Festivals preisprämiert wieder abreist, entscheidet diesmal ein vom südkoreanischen Regisseur Park Chan-wook ("Oldboy") angeführtes Expertengremium, dem unter anderem auch Demi Moore, Stellan Skarsgård, Isaach de Bankolé oder Paul Laverty angehören.
Im Internationalen Wettbewerb 2026 treten an:
Amarga Navidad (Regie: Pedro Almodóvar, Produktionsland: Spanien)
The Black Ball (Regie: Javier Ambrossi und Javier Calvo, Produktionsländer: Spanien, Frankreich)
A Woman’s Life (Regie: Charline Bourgeois-Tacquet, Produktionsland: Frankreich)
Daneben feiern diverse Streifen bekannter Filmschaffender im Laufe der fast zwei Wochen ihre Premiere an der Côte d’Azur: Der 87-jährige Regisseur und Oscargewinner Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") stellt seinen neuen Streifen "Heimsuchung" vor, in dem Lars Eidinger die Hauptrolle übernimmt.
Mit Spannung erwartet wird "Propeller One-Way Night Coach", bei dem es sich um das autobiographisch geprägte Regie-Debüt von John Travolta handelt. Der sonst ebenfalls eher als Darsteller bekannte Andy Garcia präsentiert derweil "Diamond", für dessen Besetzung er unter anderem Dustin Hoffman und Bill Murray gewinnen konnte.
Öffentliches Interesse dürfte außerdem der Rückkehr von Nicolas Winding Refn sicher sein: Der dänische "Drive"-Regisseur zeigt mit "Her Private Hell" seinen ersten abendfüllenden Spielfilm, seit er vor zehn Jahren "The Neon Demon" im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt hat.
"La Vénus électrique" ist Eröffnungsfilm
Zur offiziellen Eröffnung der 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes ist am Dienstag bereits tagsüber mit regem Betrieb rund um den Palais des Festivals des Marché du Film zu rechnen. Entlang der Croisette dürften wie gewohnt tausende Branchenvertreter, Journalisten und Fotografen für eine lebhafte Szenerie sorgen.
Gen Abend steht schließlich die von Schauspielerin Eye Haïdara moderierte Zeremonie zum Beginn des Festivals an, die neben der feierlichen Vorstellung auch eine Aufführung des Eröffnungsfilms "La Vénus électrique" von Pierre Salvadori umfasst.
Weiterer Höhepunkt ist die Vergabe der ersten von zwei Ehrenpalmen für verdiente Größen des Showgeschäfts: Am Dienstag wird Peter Jackson auf entsprechende Weise gewürdigt.
Festival-Director Thierry Frémaux beschreibt, dass es "eindeutig ein Vor und ein Nach Peter Jackson gibt. Das überlebensgroße Kino ist sein Markenzeichen und seine allumfassende Kunst der Unterhaltung ist besonders ambitioniert."
Ehrenpalmen für Peter Jackson und Barbra Streisand
Frémaux führt aus: "Er hat das Hollywood-Kino und dessen Verständnis von Spektakel nachhaltig verändert. Doch Peter Jackson ist nicht nur ein großartiger Techniker, er ist vor allem ein hervorragender Geschichtenerzähler. Und ein unberechenbarer Künstler: Wie wird sein nächstes Universum aussehen?"
Der 64-jährige Jackson hat sich in den frühen 1990ern durch vergleichsweise derbes Material wie "Braindead" einen Namen gemacht, ehe er "Der Herr der Ringe" in die womöglich beste Filmtrilogie aller Zeiten übersetzt hat. Später zeichnete er auch für die "Der Hobbit"-Adaption, "King Kong" oder beeindruckende Dokumentationen wie "They shall not grow old" und "The Beatles: Get Back" verantwortlich.
Neben dem Neuseeländer wird auch Sängerin und Schauspielerin Barbra Streisand mit einer Ehrenpalme ausgezeichnet – allerdings erst zum Finale der Festspiele am Samstag, 23. Mai.
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