Schwarz Digits & Quantencomputing
Bald industriell nutzbar? Warum EleQtron im Fokus großer Investoren steht

Die Technologiesparte der Schwarz Gruppe steigt beim deutschen Quantencomputing-Start-up EleQtron ein. Gemeinsam mit weiteren Investoren fließen 57 Millionen Euro in das Unternehmen aus Siegen. Doch was entwickelt EleQtron eigentlich — und warum gilt Quantencomputing als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien der kommenden Jahrzehnte?

Computer, die Probleme lösen sollen, an denen heutige Systeme scheitern

Quantencomputer gelten seit Jahren als möglicher nächster großer Technologiesprung. Anders als klassische Computer rechnen sie nicht nur mit Nullen und Einsen, sondern nutzen quantenphysikalische Zustände. Dadurch könnten sie bestimmte Aufgaben eines Tages um ein Vielfaches schneller lösen als heutige Hochleistungsrechner.

Besonders interessant wäre das etwa:

  • in der Medikamentenentwicklung,
  • bei chemischen Simulationen,
  • in der Materialforschung,
  • in der Logistik,
  • oder bei hochkomplexen Optimierungsprozessen.

Genau dort setzt EleQtron an.

Das Start-up wurde 2020 als Spin-off der Universität Siegen gegründet und entwickelt Quantencomputer auf Basis sogenannter Ionenfallen-Technologie. Dabei werden elektrisch geladene Atome mithilfe von Mikrowellen präzise gesteuert und als Recheneinheiten genutzt.

Das klingt hochkomplex — und ist es auch. In der Branche gilt dieser Ansatz allerdings als besonders stabil und präzise. Andere Anbieter, darunter internationale Techkonzerne wie IBM oder Google, setzen hingegen auf supraleitende Qubits, die sich zwar leichter skalieren lassen, jedoch deutlich störanfälliger sind.

Welche Technologie sich am Ende durchsetzen wird, ist derzeit noch völlig offen.

Vier Quantencomputer bereits verkauft

EleQtron hat bereits vier Quantencomputer verkauft — unter anderem an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie das Forschungszentrum Jülich.

"Quantencomputing entwickelt sich derzeit von einer Forschungstechnologie zu einer industriell nutzbaren Infrastruktur. Mit dieser Finanzierung beschleunigen wir diesen Übergang und bauen Systeme, die konkrete Probleme für Industriekunden lösen werden", sagt Jan Henrik Leisse, CEO und Mitgründer von eleQtron in einer Aussendung.

Langfristig möchte das Unternehmen jedoch nicht primär Maschinen verkaufen, sondern Rechenleistung anbieten. Das Ziel: Quantencomputing über die Cloud zugänglich machen — ähnlich wie heutige KI- oder Serverdienste.

Genau deshalb soll das frische Kapital nun vor allem in den Aufbau eines eigenen Rechenzentrums fließen. 

Wettlauf um Schlüsseltechnologien

Dass sich nun auch die Schwarz Gruppe über ihre Digitalsparte Schwarz Digits beteiligt, zeigt vor allem eines: Der globale Wettlauf um Schlüsseltechnologien hat längst begonnen.

Der Handelskonzern investiert seit Jahren massiv in digitale Infrastruktur, Cloudsysteme und künstliche Intelligenz. Mit eigenen Rechenzentren und Technologieplattformen versucht das Unternehmen zunehmend unabhängiger von amerikanischen Tech-Riesen zu werden.

Quantencomputing gilt dabei als möglicher nächster Technologiesprung.

Der große kommerzielle Durchbruch lässt zwar noch auf sich warten. Seit Jahren versprechen Forscher und Unternehmen revolutionäre Anwendungen, doch bislang kaufen vor allem Forschungseinrichtungen und staatliche Institutionen solche Systeme.

Trotzdem investieren Staaten, Fonds und Großkonzerne bereits Milliardenbeträge. Der Grund: Wer bei Quantencomputing früh vorne liegt, könnte sich langfristig enorme technologische Vorteile sichern.

Noch Zukunftsmusik — aber mit enormem Potenzial

Für die meisten Unternehmen erscheint Quantencomputing heute noch abstrakt. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Technologie künftig ganze Branchen verändern könnte — von der Pharmaindustrie über die Chemie bis hin zu Logistik und Finanzwirtschaft.

Vor allem bei Problemen, die mit klassischen Computern extrem viel Rechenleistung benötigen, sehen Forscher enormes Potenzial.

Noch ist offen, wann der große Durchbruch gelingt. Sicher ist aber schon jetzt: Der Wettlauf um die nächste Computerrevolution hat längst begonnen, und deutsche Start-ups wie EleQtron wollen dabei ganz vorne mitspielen.

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