dentsu Consumer Navigator
Reisen: Deutsche zwischen Sparzwang und Fernweh

| Redaktion 
| 20.04.2026

Fast zwei Drittel bewerten die wirtschaftliche Lage negativ und mehr als die Hälfte kann all ihre monatlichen Ausgaben nicht problemlos stemmen. Trotzdem genießt Urlaub unter deutschen Konsumenten auch in Zeiten des Sparzwangs einen besonderen Status: Reisen werden nicht gestrichen, sondern neu gedacht – seltener, gezielter und mit einem stärkeren Fokus auf empfundenen Mehrwert.

Wirtschaft und Optimismus gehen zuletzt nicht unbedingt Hand in Hand: In einer aktuellen Umfrage von infratest dimap oder auch im dentsu EMEA Consumer Navigator Report für 2025 gaben jeweils über 70 Prozent der Befragten zu verstehen, dass sie nicht besonders hoffnungsvoll in die ökonomische Zukunft blicken.

Der neue Consumer Navigator für das erste Quartal 2026 aus dem Hause dentsu kann diesbezüglich keinen großen Umbruch vermelden. Um den aktuellen Meinungsstand zu erkunden, wurden im Februar insgesamt 3500 Konsumenten in fünf europäischen Kernmärkten (jeweils 700 in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien und Spanien) befragt.

In Deutschland…

  • schätzen 46 Prozent den Stand der Wirtschaft als "nicht sehr gut" ein; 18 Prozent als "furchtbar"

  • erwarten 40 Prozent einen wirtschaftlichen Abstieg, während 34 Prozent mit Stagnation rechnen

  • können 46 Prozent der Haushalte alle notwendigen Ausgaben im Monat stemmen; 38 Prozent mussten Abstriche machen und 16 Prozent hatten ernste Schwierigkeiten, ihre laufenden Kosten zu decken

  • gehen 59 Prozent davon aus, dass ihre persönliche finanzielle Situation im nächsten Monat weitgehend unverändert bleiben wird. 21 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung

  • haben 50 Prozent ihre Ausgaben im letzten Jahr bewusst heruntergefahren; 25 Prozent haben genauso viel ausgegeben und 22 Prozent sogar mehr als im Vorjahr

Im internationalen Vergleich pendelt sich die wirtschaftliche Stimmung deutscher Konsumenten im Mittelfeld ein. Die Ergebnisse des dentsu Consumer Navigator verraten weiterhin, dass hierzulande vor allem in den Bereichen Kleidung, Gastronomie und Freizeitaktivitäten vermehrt Abstriche gemacht werden und größere Anschaffungen häufiger als vorher vertagt werden.

Separat befasst sich dentsu im Travel Consumer Navigator außerdem mit dem Einfluss aktueller wirtschaftlicher Entwicklungen auf die Reisefreudigkeit in den fünf untersuchten Regionen – und in Deutschland tut sich dabei ein gewisser Kontrast zu zunehmend zurückhaltenden Alltagsausgaben auf.

Kontrollierte Ausnahmen für emotionale Auszeiten

"Urlaub wird bewusst als emotionale Auszeit vom Alltag verstanden – als Investition in Erholung, Lebensqualität und persönliche Erlebnisse", schildern die dentsu-Fachleute. Das führe dazu, dass viele Menschen auch bei insgesamt zurückhaltendem Konsumverhalten gewillt sind, Geld für (mehrwerttechnisch überzeugende) Reiseangebote in die Hand zu nehmen.

Die "kontrollierte Ausnahme vom Sparkurs" folge dabei dem Trend, dass Reisen insgesamt "seltener, bewusster und stärker auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet" werden, was sich dem aktuellen Travel Consumer Navigator zufolge besonders in Deutschland bemerkbar macht.

So neigen Konsumenten aus der Bundesrepublik überwiegend (50 Prozent) zu ein bis zwei Reisen pro Jahr. Die Tendenz, auf einen einzigen, aber dafür ausführlicheren Urlaub zu sparen, ist hierzulande mit 36 Prozent stärker ausgeprägt als in allen anderen untersuchten Ländern.

Auf diese Weise sollen Ausgaben gebündelt und der empfundene Mehrwert maximiert werden. Gleichzeitig bevorzugt eine Mehrheit (54 Prozent) immer noch einen Mittelweg aus Quantität und Qualität.

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