Wolfram Weimer entscheidet
Buchhandlungspreis abgesagt: "Angemessene Würdigung kaum möglich"

| Redaktion 
| 10.03.2026

Eigentlich sollte der Deutsche Buchhandlungspreis zur Monatsmitte im Rahmen der Leipziger Buchmesse vergeben werden. Nachdem drei der Nominierten - beziehungsweise ihre Streichung von der betreffenden Liste – zum anhaltenden Streitthema geworden sind, hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die feierliche Verleihung nun komplett abgesagt.

Nachdem Tricia Tuttle entgegen erster Tendenzen zunächst als Berlinale-Intendantin im Amt bleibt, mögen Optimisten damit gerechnet haben, dass die Grundsatzdebatte über staatliche Förderung, Extremismusvorwürfe und die Grenzen der Einflussnahme durch Politiker im Kulturbereich langsam abebbt.

Doch weit gefehlt: Anfang März ließ Kulturstaatsminister Wolfram Weimer drei von einer Jury ausgewählte Buchhandlungen – Zur schwankenden Weltkugel (Berlin), Rote Straße (Göttingen) und Golden Shop (Bremen) – nachträglich von der Preisliste des Deutschen Buchhandlungspreises streichen. Begründet wurde dies seinerzeit recht knapp mit "verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen".

Weil die betreffenden Buchhandlungen dem linken Spektrum zuzuordnen sind, folgte der Protest der Kulturwelt postwendend: Dass ein Kulturstaatsminister erstmals eine Juryentscheidung nachträglich korrigierte, sorgte für Kritik mehrerer Branchenverbände und ließ die beanstandeten Buchhandlungen mit Klagen gegen die Entscheidung liebäugeln.

"Würdevoller Festakt" nicht mehr vorstellbar

Am Dienstagmittag könnte auch diese Geschichte ein vorläufiges Ende gefunden haben – bedingt durch eine vergleichsweise radikale Entscheidung: Die feierliche Auszeichnung ist kurzerhand abgesagt worden.

"Die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises sollte am 19. März 2026 erstmals im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfinden, in einem konzentrierten, würdevollen Festakt", erinnert ein Sprecher von Kulturstaatsminister Wolfgang Weimer in einem offiziellen Statement.

"Nun droht aber die Debatte um die Nicht-Berücksichtigung von drei Juryvorschlägen den eigentlichen Sinn der Veranstaltung – nämlich die Auszeichnung und Ehrung unabhängiger Buchhandlungen – zunehmend zu überlagern. Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheint in einem solchen Kontext kaum noch möglich", heißt es weiter.

Gewinner gibt es trotzdem

Verliehen wird die Auszeichnung samt dem dazugehörigen Preisgeld offenbar trotzdem, lediglich auf einen Festakt im Rahmen der Buchmesse soll insofern verzichtet werden. Die genauere Bekanntgabe werde "in gesonderter Form erfolgen", stellt das Kulturstaatsministerium noch recht vage in Aussicht.

Mittelfristig wolle das Ministerium unter dem parteilosen Wolfgang Weimer außerdem eine "Diskussion im Rahmen einer öffentlichen Dialogveranstaltung über Kunst- und Meinungsfreiheit und die Bedeutung staatlich finanzierter Kunstpreise" initiieren.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV