Nachholbedarf bei digitaler Bildung
KI an Schulen: Studie zeigt große Kompetenzlücken

Künstliche Intelligenz verändert den Schulalltag schneller, als Bildungseinrichtungen darauf reagieren können. Eine europaweite Studie von GoStudent zeigt deutliche Defizite bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen. Für Schulen und Bildungsanbieter entstehen damit neue Anforderungen an Unterricht, Leistungsbewertung und Lernangebote.

KI an Schulen stellt bestehende Regeln für Hausaufgaben und Prüfungen zunehmend infrage. Laut dem GoStudent-Bericht zur Zukunft der Bildung 2026 haben 75 Prozent der befragten Kinder in Deutschland, die KI für schulische Zwecke nutzen, bereits KI-generierte Inhalte als eigene Arbeit abgegeben. Gleichzeitig berichten 41 Prozent der befragten Kinder, im Unterricht noch nie im Umgang mit KI-Tools geschult worden zu sein.

Für den Bildungssektor entsteht daraus eine doppelte Herausforderung: Schulen müssen den verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie vermitteln und gleichzeitig sicherstellen, dass eigenständige Lernleistungen nachvollziehbar bleiben.

GoStudent-Studie: KI verändert die Leistungsbewertung

Für die Untersuchung befragte das Marktforschungsinstitut Censuswide insgesamt 3.001 Eltern und ebenso viele Kinder zwischen acht und 16 Jahren sowie 300 Lehrkräfte in sechs europäischen Ländern. Aus Deutschland nahmen 501 Eltern und 501 Kinder teil.

Mit 75 Prozent liegt Deutschland bei der selbst angegebenen Abgabe KI-generierter Arbeiten vor dem Vereinigten Königreich mit 73 Prozent. Der Durchschnitt aller sechs Länder beträgt 68 Prozent. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Kinder, die KI für schulische Zwecke nutzen.

Die Ergebnisse werfen Fragen zur Leistungsbewertung auf. Wenn digitale Werkzeuge schriftliche Aufgaben übernehmen, wird die Unterscheidung zwischen technischer Unterstützung und eigener Leistung schwieriger. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich an Hochschulen, wo .

Schulen fehlt es an Unterricht und klaren Regeln

Nur 21 Prozent der befragten Kinder in Deutschland berichten von einer strukturierten Unterrichtsstunde zum Umgang mit KI. Über alle sechs Länder hinweg halten lediglich 31 Prozent der befragten Lehrkräfte die geltenden Regeln zur KI-Nutzung an Schulen für klar.

Zudem bezweifeln 53 Prozent der Lehrkräfte, dass die Mehrheit ihrer Schüler:innen ohne KI einen Aufsatz eigenständig verfassen könnte. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung und nicht um einen nachgewiesenen Kompetenzverlust.

Die Entwicklung betrifft langfristig auch die Arbeitswelt. Bereits beim . Eigenständige Problemlösung und der kritische Umgang mit digitalen Ergebnissen gewinnen dadurch an Bedeutung.

Eltern sehen sich bei der digitalen Bildung in der Pflicht

47 Prozent der befragten Eltern in Deutschland sehen die Verantwortung für einen bewussten KI-Umgang vorrangig bei sich selbst. Das ist der höchste Wert unter den sechs untersuchten Ländern. Nur 24 Prozent betrachten dagegen die Schulen als hauptverantwortlich.

Allerdings fühlt sich lediglich die Hälfte der Eltern in Deutschland sicher dabei, die KI-Nutzung ihrer Kinder zu begleiten. Für Bildungsanbieter deutet sich damit ein möglicher Bedarf an ergänzenden Informations- und Lernangeboten für Familien an.

Bildungspolitik definiert neue Anforderungen

Die Bildungsministerkonferenz hat ihren Kompetenzrahmen “Bildung in der digitalen Welt” um KI-bezogene Fähigkeiten erweitert. Auch die Bundesregierung plant mit dem sogenannten “KI-Seepferdchen” ein Angebot, das bereits Grundschulkindern Chancen und Risiken der Technologie vermitteln soll.

Felix Ohswald, Mitgründer und CEO von GoStudent, fordert verbindliche Regeln für Hausaufgaben und Prüfungen. “Kinder in Deutschland machen ihre Hausaufgaben längst mit KI. Das ist kein Grund für Alarm, aber für klare Regeln”, erklärt er.

Für Schulen und Bildungsunternehmen liegt die Herausforderung damit nicht allein in der Bereitstellung neuer Technologien. Entscheidend wird, wie sie deren Einsatz pädagogisch gestalten und eigenständige Lernleistungen sicherstellen.

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