Algorithmische Flirtkultur
Wenn ChatGPT flirtet: Studie zeigt, wie KI das Online-Dating verändert

Immer mehr Singles nutzen KI beim Flirten auf Dating-Apps. Eine neue Studie zeigt, warum ChatGPT und sogenannte Wingman-Apps für viele zur digitalen Flirthilfe werden – und weshalb KI-generierte Nachrichten das Vertrauen zwischen potenziellen Partnern belasten können.

KI verändert zunehmend auch das Liebesleben. Immer mehr Nutzer von Dating-Apps lassen Anmachsprüche, Chat-Nachrichten oder sogar ihr gesamtes Dating-Profil von KI-Anwendungen wie ChatGPT oder spezialisierten "Wingman"-Apps formulieren.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Professor Lennart Ante von der Constructor University, die im Fachjournal Telematics and Informatics veröffentlicht wurde. Für die Untersuchung führte der Wissenschaftler 45 ausführliche Interviews – sowohl mit Personen, die KI beim Online-Dating einsetzen, als auch mit Nutzer, die bereits KI-generierte Nachrichten von einem Match erhalten hatten.

Zwischen Hilfe und Vertrauensbruch

Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild. Viele Befragte sehen KI als hilfreiches Werkzeug, um Unsicherheiten beim Schreiben zu überwinden, Gedanken treffender zu formulieren oder Sprachbarrieren auszugleichen. Für sie dient die Technologie als Unterstützung, um sich auf Dating-Apps authentischer auszudrücken.

Ganz anders fällt die Einschätzung vieler Empfänger aus. Erfahren sie, dass persönliche Nachrichten nicht selbst geschrieben, sondern von einer KI formuliert wurden, wird dies häufig als Vertrauensbruch empfunden. Einige Interviewte berichteten, sich im Nachhinein getäuscht oder emotional manipuliert gefühlt zu haben.

Forscher spricht vom "Cyrano-Effekt"

Professor Ante bezeichnet dieses Spannungsfeld als "Cyrano-Effekt" – eine Anspielung auf die literarische Figur Cyrano de Bergerac, die einem anderen Mann die passenden Liebesworte liefert. Im digitalen Zeitalter übernimmt diese Rolle zunehmend Künstliche Intelligenz.

Der Forscher sieht darin nicht nur eine persönliche, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Dating-Plattformen wie Tinder, Bumble oder Hinge müssten sich künftig verstärkt mit der Frage auseinandersetzen, wie KI-Unterstützung transparent gemacht werden kann. Ein vollständiges Verbot sei kaum realistisch, gleichzeitig könne eine fehlende Kennzeichnung das Vertrauen zwischen Nutzer nachhaltig beeinträchtigen.

Jeder vierte Single nutzt bereits KI

Die Studie verweist zudem auf aktuelle Umfragen aus den USA, wonach bereits mehr als jeder vierte Single KI zur Unterstützung beim Online-Dating genutzt hat. Gleichzeitig geht eine Mehrheit der Befragten davon aus, bereits mit KI-generierten Nachrichten in Kontakt gekommen zu sein – oft ohne es zu bemerken.

Für Dating-Plattformen dürfte das Thema in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Denn je leistungsfähiger generative KI wird, desto schwieriger dürfte es werden, zwischen authentischer Kommunikation und algorithmisch optimierten Flirtbotschaften zu unterscheiden.

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