Premiere in Bad Segeberg
Karl May Spiele: Alexander Klaws reitet wieder am Kalkberg

| Redaktion 
| 28.06.2026

Jeden Sommer erwacht der Wilde Westen im hohen Norden zum Leben: Seit Jahrzehnten sorgen die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg für eines der größten Showspektakel, die man sich hierzulande auf einer Freilichtbühne ansehen kann. Am Kalkberg wurde am Samstag die 73. Spielzeit eingeläutet, für die Alexander Klaws einmal mehr in die Haut von Winnetou schlüpft – und auch sein wohl berühmtester Vorgänger saß zur Premiere im Publikum.

Kaum ein deutschsprachiger Autor verstand es so meisterhaft, Fiktion als vermeintliche Wirklichkeit zu inszenieren wie Karl May: Lange Zeit, bevor Menschen etwas mit Begriffen wie "Kayfabe" oder "immersives Storytelling" anfangen konnten, präsentierte der 1842 in Ernstthal bei Zwickau geborene Schriftsteller seine Wild-West-Abenteuer um Winnetou und Old Shatterhand zunächst, als habe er sie selbst erlebt – und viele Leser nahmen ihm diese Inszenierung seinerzeit ab.

Während ein solches Spiel mit Fakt und Fiktion im späten 19. Jahrhundert weitgehend als bewusste Täuschung kritisiert wurde, begründete May damit zugleich eine bis heute geschätzte Form populärer Unterhaltung, die Generationen von Leserinnen und Lesern in ferne Welten entführte und auch den erfolgreichsten Kinofilm des vergangenen Jahres maßgeblich inspiriert hat.

Wilder Westen im hohen Norden

Allerdings wird das Erbe von Karl May wahrscheinlich nirgendwo so stolz gelebt wie in Bad Segeberg: Das norddeutsche Städtchen hat uns nicht nur "Die Höhle der Löwen"-Investor Ralf Dümmel (hier im Leadersnet-Interview), sondern auch die jährlichen Karl-May-Spiele beschert.

Diese finden seit 1952 im Freilichttheater am Kalkberg statt, an dem aufwändige Kulissen alter Saloons oder Shops das ganze Jahr lang an die Welt des Wilden Westens und den Erzähler ihrer fantasievollen Geschichten erinnern.

Premiereneindruck aus dem Freilichttheater (Bild: Brauer Photos / H. Ross)
Eindruck aus dem Freilichttheater (Bild: Brauer Photos / H. Ross)

Besondere Aufmerksamkeit gebührt jedoch den abendfüllenden Show-Inszenierungen um Figuren wie Winnetou und Old Shatterhand, die mit Stunts, Reitszenen, Pyrotechnik und anderen Spezialeffekten als actionreiches Wildwest-Spektakel präsentiert werden.

An einem der Spieltage, die meist zwischen Ende Juni und Anfang September stattfinden, kann sich die Anfahrt nach Bad Segeberg schonmal spürbar verzögern: Mit über 7500 Sitzplätzen zählt das Kalkbergstadion zu den größten Freilichttheatern des Landes; die Spiele sind dabei sowohl bedeutender Wirtschaftsfaktor als auch liebgewonnenes Aushängeschild der Stadt.

Winnetou und Old Shatterhand ermitteln "Im Tal des Todes"

So wundert es kaum, dass im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche prominente Schauspieler in der Arena standen, darunter Pierre Brice, Lex Barker, Erol Sander oder Wayne Carpendale.

Zu den prägenden Gesichtern der jüngeren Karl-May-Geschichte gehört wiederum Alexander Klaws, der einst als Sieger der ersten "Deutschland sucht den Superstar"-Staffel bekannt wurde, sich als "Tarzan" auf der Livebühne erprobte und seit 2019 den Apachenhäuptling Winnetou verkörpert.

Bastian Semm und Alexander Klaws als Old Shatterhand und Winnetou (Bild: Brauer Photos / H. Ross)
Bastian Semm und Alexander Klaws als Old Shatterhand und Winnetou (Bild: Brauer Photos / H. Ross)

In ihrer 73. Spielzeit präsentieren die Karl-May-Spiele nun das Abenteuer "Im Tal des Todes" unter der Regie von Nicolas König, einem Buch von Michael Stamp sowie der Produktions- und Spielleitung von Stefan Tietgen.

Die Handlung versetzt Winnetou und seinen Blutsbruder Old Shatterhand (gespielt von Bastian Semm) nach Mexiko, wo sie in einen Konflikt um die abgelegene Ortschaft San Miguel gezogen werden.

Hier zwingt der skrupellose Minenbesitzer Roulin (Florian Fitz) die Bevölkerung zur Arbeit in einer Quecksilbermine und versucht zugleich, einen Krieg zwischen den Maricopa und den Chiricahua-Apachen anzuzetteln.

Polit-Prominenz zur Premiere am Kalkberg

Am vergangenen Samstagabend feierte "Im Tal des Todes" seine Premiere; trotz drückender Sommerhitze standesgemäß vor vollen Rängen. Umrandet wurde die rund 100 Minuten lange Live-Show von musikalischen Einlagen:

Während The Forgotten Sons of Ben Cartwright zur Einstimmung auf dem rustikalen Holzbalkon am Eingang spielten, gab sich kein Geringerer als Popstar Sasha am Ende die Ehre – hitzebedingt wurde der von ihm besungene Premierenabschluss jedoch nicht mit einem Feuerwerk, sondern stimmigen Illuminationen begleitet.

"Fünf Wochen Proben, das bedeutet: Konzentration, harte Arbeit, Zeitdruck und Herausforderung – aber auch Liebe zu unserem Theater, Spielfreude und ganz viel Leidenschaft", gewährte Geschäftsführerin Ute Thienel zur Eröffnung Einblick und bekräftigte: "Wir haben ein tolles Team. Das werden Sie spüren."

Winnetous unter sich: Alexander Klaws nach erfolgreicher Premiere mit Gojko Mitic (Bild: Brauer Photos / H. Ross)
Winnetous unter sich: Alexander Klaws nach erfolgreicher Premiere mit Gojko Mitic (Bild: Brauer Photos / H. Ross)

Zum von Thienel angesprochenen Publikum gehörten nicht nur jahrzehntelange Karl-May-Fans und interessierte Neueinsteiger, sondern auch zahlreiche Politikvertreter aus Schleswig-Holstein: Neben Ministerpräsident Daniel Günther waren so auch Landtagspräsidentin Kristina Herbst, Finanzministerin Dr. Silke Schneider, Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, Innenministerin Magdalena Finke, Digitalisierungsminister Dirk Schroedter und natürlich Bad Segebergs Bürgermeister Toni Köppen anwesend.

Besonders herzlich begrüßten die Gäste jedoch zwei absolute Urgesteine der traditionsreichen Show: Harald P. Wieczorek, der nach 46 Jahren in den Karl-May-Ruhestand gegangen ist, ließ sich die Premiere genauso wenig entgehen wie Gojko Mitic, der Winnetou zwischen 1992 und 2006 in sagenhaften 1024 Vorstellungen verkörpert hat.

  • Noch bis Sonntag, 06. September ist "Im Tal des Todes" live in Bad Segeberg zu sehen. Gespielt wird zwischen Donnerstag und Samstag jeweils um 15 und um 20 Uhr; sonntags gibt es obendrauf eine 15-Uhr-Vorstellung.

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