Gala im Kino Babylon
Erstmals posthum vergeben: Ernst-Lubitsch-Preis würdigt Wolfgang Becker

| Redaktion 
| 24.06.2026

Mit dem Ernst-Lubitsch-Preis werden seit Jahrzehnten Filmschaffende geehrt, die Humor, Zeitgeist und erzählerische Finesse auf besondere Weise verbinden. Die jüngste Verleihung markiert dabei eine Premiere mit bittersüßer Note, denn Dienstag wurde die Auszeichnung erstmals posthum vergeben: Regisseur Wolfgang Becker ist verstorben, bevor er "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" vollenden konnte.

Deutsche Filmemacher in Hollywood sind selbst heutzutage vergleichsweise rar gesät. Umso beeindruckender, dass Ernst Lubitsch diesen Schritt vor rund einem Jahrhundert gegangen ist – und das durchaus anerkannt, schließlich wurde der 1892 in Berlin geborene Regisseur und Schauspieler 1947 mit einem Ehrenoscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Billy Wilder wiederum war es, der vor vielen Jahrzehnten einen Preis für komödiantische Leistung im deutschen Film initiiert hat, der nach seinem zwischenzeitlich verstorbenen Freund Ernst Lubitsch benannt wurde.

Seit 1958 haben sich diverser unvergessene Legenden und heutige Stars in der Liste der Preisträger verewigt; darunter Heinz Rühmann, Harald Juhnke, Mario Adorf, Gert Fröbe, Marius Müller-Westernhagen, Vicco von Bülow, Helmut Dietl, Katja Riemann, Moritz Bleibtreu, Dieter Hallervorden, Anke Engelke, Til Schweiger, Jürgen Vogel, Simon Verhoeven oder Karoline Herfurth.

Becker hinterlässt "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße"

Am Dienstag hat der zuständige Club der Filmjournalisten Berlin e.V. den diesjährigen Ernst-Lubitsch-Preis im Berliner Kino Babylon vergeben. Mit einer bitteren Besonderheit: Erstmals in der Geschichte des Awards wurde dieser posthum zugesprochen, da der gewürdigte Wolfgang Becker – einem breiten Publikum vor allem dank "Good Bye, Lenin!" bekannt – im Dezember 2024 im Alter von 70 Jahren verstorben ist.

Beckers finale Monate wurden von der Arbeit an seinem letzten Film "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" geprägt, der im vergangenen Dezember schließlich im Delphi Filmpalast uraufgeführt wurde. Der nach seinem Tod fertiggestellte Streifen ist das Werk, mit dem die Jury die Preisvergabe begründet.

Konkreter heißt es seitens der abstimmenden Clubmitglieder: "Wolfgang Becker versteht es meisterhaft, Witz und Melancholie in eine feine Balance zu bringen, und Historie und Gegenwart auf unverwechselbare Weise zusammenzuführen."

"Mehr als zwanzig Jahre nach seinem internationalen Erfolg Goodbye Lenin! ist Beckers Held vom Bahnhof Friedrichstraße erneut ein geistreiches Kinoereignis, das deutsch-deutsche Geschichte mit federleichter Eleganz erzählt und nachdenkliche Töne mit pointiertem Humor über innerdeutsche Befindlichkeiten vereint", so die Jury weiter.

Dani Levy und Tom Tykwer (Bild: Brauer Photos / J. Harrell)
Dani Levy und Tom Tykwer (Bild: Brauer Photos / J. Harrell)

"Mit der posthumen Auszeichnung für den Ernst-Lubitsch-Preis würdigen wir Wolfgang Beckers bleibende Bedeutung als präzisen Beobachter gesellschaftlicher Feinheiten und großen Komödienregisseur."

Die Laudatio auf Wolfgang Becker hielten Dani Levy und Tom Tykwer, die beide bereits Ernst-Lubitsch-Preisträger sind. Durch die Gründung der Produktionsfirma X Filme Creative Pool gemeinsam mit dem Verstorbenen (und Stefan Arndt) waren die Regisseure jahrzehntelang Gefährten; "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" geht ebenso auf diese Zusammenarbeit zurück.

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