Führungswechsel
Burda: Warum Jan Wachtel gehen musste

| Redaktion 
| 24.06.2026

Nach nicht einmal sechs Monaten ist das Kapitel Jan Wachtel bei Hubert Burda Media Geschichte. Der frühere Bauer-Manager verliert den Rückhalt der Eigentümerfamilie und verlässt den Medienkonzern. Für Burda ist es die nächste Trennung in einer Phase, in der das Unternehmen dringend eine klare Strategie benötigen würde. Für Beobachter stellt sich die Frage: Wieviel Veränderung wollen die Eigentümer zulassen?

Wachtel war erst zu Jahresbeginn mit großen Erwartungen angetreten. Als CEO von Burda Media sollte er die wichtigste Sparte des Konzerns neu aufstellen und fit für ein Mediengeschäft machen, das zunehmend von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und sinkenden Printauflagen geprägt wird. Doch aus dem Hoffnungsträger wurde binnen weniger Monate ein Abgang.

Streit über den Umbau des Verlagsgeschäfts

Nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens scheiterte Wachtel vor allem an unterschiedlichen Vorstellungen über die Zukunft der Verlagssparte. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung OC&C hatte er einen umfassenden Umbauplan erarbeitet, der im zweiten Quartal präsentiert werden sollte, heißt es im manager magazin.

Dieser soll unter anderem Zusammenlegungen von Redaktionen sowie Stellenabbau vorgesehen haben. Ziel war es offenbar, die Kostenstrukturen an die wirtschaftliche Realität des schrumpfenden Zeitschriftengeschäfts anzupassen.

Bei den Eigentümern stieß der Plan jedoch auf Vorbehalte. Insbesondere strukturelle und wirtschaftliche Bedenken sollen dazu geführt haben, dass das Konzept keine Zustimmung erhielt.

Hinzu kam offenbar Unmut über Personalentscheidungen, die Wachtel im Verlagsbereich getroffen haben soll, ohne diese ausreichend mit Verwaltungsrat und Gesellschaftern abzustimmen. Das wurde intern als Vertrauensbruch gewertet. Am Ende verlor der Manager sowohl den Rückhalt der Eigentümerfamilie als auch jenen des Vorstands.

Schwierige Zeiten für Burda

Der Konflikt trifft Burda in einer sensiblen Phase. Das traditionsreiche Medienhaus kämpft seit Jahren mit den Herausforderungen eines sich radikal wandelnden Marktes.

Die Zeitschriftensparte leidet unter rückläufigen Auflagen und bislang überschaubaren Erfolgen bei digitalen Abomodellen. Gleichzeitig stehen einzelne Digitalbeteiligungen unter Druck. Besonders die Entwicklung der Xing-Mutter New Work sorgt seit längerem für Sorgenfalten.

Der Konzern befindet sich zudem im Generationenwechsel. Verleger Hubert Burda hat die operative Verantwortung zunehmend an seine Kinder Jacob Burda und Elisabeth Burda-Furtwängler übergeben. Die jüngsten Personalentscheidungen zeigen allerdings, wie schwierig dieser Übergang verläuft.

Bereits 2025 hatte Verwaltungsratschef Olaf Koch überraschend seinen Posten aufgegeben – ebenfalls nach kurzer Amtszeit und mitten in einem laufenden Strategieprozess.

Wie es jetzt weitergeht

Kurzfristig übernimmt Elisabeth Varn die Verantwortung für das deutsche Mediengeschäft. Der internationale Medienbereich wird von Finanzvorständin Lydia Rullkötter geführt. Eine dauerhafte Nachfolgelösung gibt es bislang nicht.

Die entscheidende Frage lautet nun, welchen Kurs die Eigentümerfamilie künftig einschlagen will. Die wirtschaftlichen Probleme der Verlagssparte verschwinden mit dem Abgang Wachtels nicht. Im Gegenteil: Viele der Herausforderungen, die der Manager offenbar mit einem harten Sanierungsprogramm angehen wollte, bleiben bestehen.

Für Burda geht es deshalb nicht nur um die Suche nach einem neuen Verlagschef. Der Konzern muss beantworten, wie tiefgreifend der Umbau tatsächlich ausfallen darf – und wie viel Veränderung die Eigentümer bereit sind mitzutragen.

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