Ärztin und Unternehmerin im Interview
Dr. Britta Kühlmann: "Ohne Stanford hätte ich Cineolux vermutlich nie gegründet"

| Evi Papadopoulou 
| 09.04.2026

Vom OP-Saal ins Silicon Valley und zurück: Dr. Britta Kühlmann verbindet medizinische Forschung, Unternehmertum und digitale Sichtbarkeit. Im LEADERSNET-Interview spricht die Fachärztin für Plastische Chirurgie über ihre Zeit in Stanford, den Aufbau von Cineolux oder den Wettbewerb in der ästhetischen Medizin und erklärt, warum ihr Ärzteherz immer an erster Stelle steht.

An der renommierten Stanford University befasste sich Dr. Britta Kühlmann mit Kapselfibrose und Präventionsmedizin, entwickelte dort die Grundlage für ihren patentierten Wirkstoff Cineole und gründete später die Skincare-Marke Cineolux.

Heute führt die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie ihre Praxis und ihr Unternehmen parallel, spricht auf internationalen Kongressen und nutzt Social Media sowie Video-Podcasts, um medizinisches Wissen verständlich zu vermitteln.

Im Leadersnet-Interview teilt sie Lehren aus dem Silicon Valley, beleuchtet den Wettbewerb in der ästhetischen Medizin oder Longevity als Zukunftsmarkt und erläutert, warum für sie trotz Unternehmertum immer noch eines gilt: "Wenn es darauf ankommt, schlägt mein Ärzteherz."

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Leadersnet: Frau Dr. Kühlmann, Sie waren an der Stanford University tätig, haben zur Kapselfibrose geforscht, im Silicon Valley gearbeitet und sich international vernetzt. Wie stark prägt diese Zeit Ihr heutiges Geschäftsmodell – fachlich wie unternehmerisch?

Dr. Britta Kühlmann: Absolut. Ohne die Zeit in Stanford, im Silicon Valley, wäre ich heute vermutlich noch angestellt und hätte nicht gegründet. Stanford liegt mitten in Palo Alto – man ist dort automatisch in diesem Unternehmergeist. Und die Denkweise in den USA ist eine andere: Scheitern ist dort nicht "das Ende", sondern Teil des Lernprozesses. Das hat mir den Mut gegeben, wirklich umzusetzen, worauf ich Lust habe.

In Stanford habe ich einen Wirkstoff entdeckt – Cineole – und ich hätte ihn vermutlich nie mit Eigenkapital, Förderungen und all dem Risiko in eine eigene Marke überführt, wenn ich diesen Spirit nicht erlebt hätte. Wir sind mit Cineolux jetzt im dritten Jahr, wir haben Fehler gemacht, auch Geld verbrannt – aber genau daraus lernst Du und gehst stärker hervor.

Das gilt auch für meine Praxis. Ich habe heute zwei GmbHs – und ohne Stanford hätte ich mich das wahrscheinlich nicht getraut.

Leadersnet: Wie sind Sie überhaupt nach Stanford gekommen?

Dr. Britta Kühlmann: Ich habe schon während des Studiums geforscht und parallel an meiner Doktorarbeit gearbeitet. Direkt nach dem Studium habe ich promoviert. Danach war ich an der Uniklinik Düsseldorf in der Unfallchirurgie tätig und habe neben der Tätigkeit als Ärztin dort ebenfalls nach der Arbeit weiter wissenschaftlich gearbeitet.

Später bin ich nach Regensburg gegangen, um meinen Facharzt für Plastische Chirurgie zu machen und um dort zu habilitieren. Auch dort habe ich kontinuierlich nach der Arbeit geforscht und hatte großartige Mentoren und Förderer, die mich unterstützt haben.

In Regensburg haben wir viel rekonstruktiv-ästhetisch gearbeitet, vor allem mit Brustkrebspatientinnen. Bei Implantat-Rekonstruktionen kann sich eine Kapselfibrose entwickeln. Das hat mich immer beschäftigt, weil diese Frauen schon so viel durchgemacht haben. Ich wollte verstehen, warum das passiert. Daraus entstand mein Forschungsschwerpunkt. Unsere Ergebnisse waren so gut, dass Stanford auf mich aufmerksam wurde und mich eingeladen hat.

Leadersnet: Stimmt es, dass Sie zunächst gar nicht gehen wollten?

Dr. Britta Kühlmann: Ja, tatsächlich. Stanford wollte mich ursprünglich für zwei Jahre – und ich war damals als Chirurgin sehr fokussiert auf den OP. Ich wollte operieren, meinen Facharzt fertig machen und nicht aus der klinischen Arbeit heraus. Ich habe also erst einmal abgesagt.

Zwei Wochen später rief der Professor aus Stanford noch einmal an. Er hatte mein Profil erneut angeschaut und meinte: Wenn Sie glauben, Sie können das in einem Jahr schaffen, dann kommen Sie für ein Jahr. Mein Mann hat mich damals begleitet und in San Francisco gearbeitet – und aus diesem einen Jahr wurden am Ende fast vier Jahre.

Für mein Forscher- und Medizinerherz war Stanford einfach unglaublich: Die Ressourcen, die Möglichkeiten, die Qualität der Forschung. Das war eine völlig andere Welt.

Leadersnet: Wenn man Sie heute sieht – mit Praxis, Marke und Öffentlichkeit – sieht man vor allem die "öffentliche" Britta. Der wissenschaftliche Unterbau ist vielen gar nicht bewusst. Wann wurde aus der Wissenschaftlerin die Markenarchitektin?

Dr. Britta Kühlmann: Ich habe nie Dinge gemacht mit dem Plan: "Ich werde Professorin" oder "Ich gründe eine Marke". Ich mache, was mir Spaß macht. Ich habe keinen Ego-Komplex. Cineolux heißt nicht "Dr. Britta Kühlmann", weil es mir um meinen Namen geht, sondern weil dieser Wirkstoff, den ich entdeckt habe, so einzigartig in Hautpflege ist und ich ihn einer breiten Masse zur Verfügung stellen möchte. 

Dr. Britta Kühlmann (Bild: Daniela Patricia Fotografie)
Dr. Britta Kühlmann (Bild: Daniela Patricia Fotografie)

Der Wirkstoff Cineole in Hautpflege ist international zum Patent angemeldet. Es gibt nur wenige Kosmetikprodukte, die wirklich in die Tiefe wirken können. Cineolux tut dies und kann somit Veränderungen in der Haut bewirken. Ich bin da ein Stück weit hineingerutscht – weil mein Kopf immer weiterdenkt. Und weil ich dank Stanford den Mut hatte, das umzusetzen.

Und ehrlich gesagt auch dank meines Mannes. Er hat mir sehr geholfen, das rational zu betrachten. Er hat gesagt: Du hast nichts zu verlieren. Du lernst immer.

Leadersnet: Ihre neue Praxis wird als erste holistische Praxis für Plastisch-Ästhetische Chirurgie in Düsseldorf beschrieben. Was bedeutet "holistisch" in diesem Kontext konkret?

Dr. Britta Kühlmann: Holistisch bedeutet in meiner Praxis, dass ich den Menschen nicht isoliert nach einem ästhetischen Problem behandle, sondern als biologisches Gesamtsystem betrachte. Klassische plastisch-ästhetische Chirurgie fokussiert sich oft auf den sichtbaren Befund, auf einen Eingriff oder eine Unterspritzung – also zum Beispiel Falten oder Gewebeüberschuss. Ich gehe einen Schritt weiter und frage: Warum altert die Haut so? Welche inneren Faktoren beeinflussen das Erscheinungsbild?

Dazu gehören Themen wie Hormonstatus, Mikronährstoffversorgung, Entzündungsprozesse, Stoffwechsel, Prävention und auch Lebensstilfaktoren. Diese Aspekte fließen in meine Diagnostik und Therapieplanung mit ein. Das kann bedeuten, dass ein chirurgischer oder minimalinvasiver Eingriff sinnvoll ergänzt wird durch Longevity-Medizin, gezielte Supplementierung oder hormonelle Balance.

Schönheit entsteht nicht nur durch eine Operation, sondern durch ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Mein Ziel ist nicht nur ein kurzfristig schönes Ergebnis, sondern eine nachhaltige Verbesserung von Hautqualität, Regeneration und biologischem Alterungsprozess. Ästhetik und Gesundheit sind für mich untrennbar miteinander verbunden. Genau diesen ganzheitlichen Ansatz möchte ich in meiner Praxis umsetzen.

Leadersnet: Wann haben Sie gemerkt, dass es sinnvoll ist, auch die Marke "Dr. Britta Kühlmann" aufzubauen – also selbst sichtbar zu werden?

Dr. Britta Kühlmann: Am Anfang habe ich mich als Ärztin eher zurückgehalten. Nicht, weil ich weniger gearbeitet hätte – sondern weil ich in der Öffentlichkeit gar nicht so präsent sein wollte. Dann haben wir gemerkt: Der Markt ist extrem gesättigt. Menschen sind skeptisch. Es gibt viele Marken und viele Versprechen. Aber wenn ich auf Kongressen stehe und erkläre, was wissenschaftlich dahintersteckt, dann verstehen die Menschen plötzlich: Da ist Substanz. Da ist Wissen.

Und dann vertrauen sie mir und der Wissenschaft hinter den Cineolux-Produkten. Diese Transparenz schafft Vertrauen.

Dr. Britta Kühlmann (Bild: Daniela Patricia Fotografie)
Dr. Britta Kühlmann (Bild: Daniela Patricia Fotografie)

Leadersnet: Sie sind Fachärztin, Plastische Chirurgin, Gründerin von Cineolux, Video-Podcast-Host und öffentliche Expertin. Wie orchestrieren Sie diese Rollen und welche davon ist für Ihren Unternehmenserfolg entscheidend?

Dr. Britta Kühlmann: Es ist die Kombination. Die Menschen bekommen unterschiedliche "bits and pieces" von mir – aus der Praxis, aus der Wissenschaft, aus der Marke oder aus Gesprächen in Video-Podcasts. Und aus diesen verschiedenen Perspektiven ergibt sich am Ende ein Gesamtbild. Genau das macht es glaubwürdig.

Leadersnet: Wie definieren Sie persönlich Erfolg? Reichweite, Reputation, Umsatz oder Einfluss?

Dr. Britta Kühlmann: Erfolg ist für mich als Ärztin ganz einfach: Wenn ich einem einzelnen Menschen wirklich helfen kann. Wenn ich Gesundheit erhalten kann, Beschwerden verbessern oder Lebensqualität steigern kann, dann ist das für mich Erfolg. Und wenn Patient:innen so zufrieden sind, dass neue Patient:innen über Mundpropaganda kommen, dann ist das der größte Lohn.

Genauso bei der Marke: Wenn Menschen schreiben, dass ihnen die Produkte wirklich helfen. Ich definiere Erfolg nicht über Titel oder Status. Wissen, Wirkung und Resonanz – darum geht es.

Leadersnet: Ist Sichtbarkeit heute ein medizinischer Qualitätsfaktor und Personal Branding ein Wettbewerbsvorteil im Gesundheitsmarkt?

Dr. Britta Kühlmann: Social Media können wir heute nicht mehr umgehen – besonders nicht in der ästhetischen Medizin. Gleichzeitig sehe ich darin auch eine Gefahr: Oft wird der gehört, der am lautesten schreit oder das größte Marketingbudget hat, was dann mit Expertise verwechselt wird.

Ich würde mir wünschen, dass mehr echte Expert:innen sichtbar werden.

Ich sehe aber auch, dass immer mehr Chefärzte und Professoren beginnen, aufzuklären. Das hilft sehr, die Spreu vom Weizen zu trennen. Es ist also ein zweischneidiges Schwert. Aber Ärzt:innen sollten teilweise auch akzeptieren, dass Kommunikation heute dazugehört – verantwortungsvoll und innerhalb klarer Regeln.

Leadersnet: Hat sich der Wettbewerb in der ästhetischen Medizin durch Social Media verschärft?

Dr. Britta Kühlmann: Ja, massiv. Ein Problem ist: "Ästhetische Medizin" ist kein geschützter Begriff. Fachärzt:innen für Plastische Chirurgie oder Dermatologie haben jahrelange Ausbildung.

Ich habe sechs Jahre Facharztausbildung gemacht und Anatomie wirklich von oben bis unten gelernt – inklusive Komplikationsmanagement. Und gleichzeitig gibt es Anbieter, die Wochenendkurse machen und danach große Praxen für Unterspritzungen und co. eröffnen. Das finde ich extrem fragwürdig und auch fahrlässig.

Oft wird dann "one size fits all" unterspritzt – und wir sehen heute diese Gleichmacherei, diese "Alienization", weil alle gleich aussehen. Dabei braucht jedes Gesicht eine individuelle Herangehensweise.

Leadersnet: Sagen Sie auch einmal "nein", selbst bei zahlungsbereiten Patient:innen?

Dr. Britta Kühlmann: Ja. Ich sage oft "nein" – vielleicht sogar zu oft. Aber Patient:innen sind auch mein Aushängeschild.

Gerade bei sehr jungen Menschen muss man vorsichtig sein. Wenn sehr junge Patient:innen kommen, frage ich oft in einem langen Beratungsgespräch, woher der Wunsch für eine Veränderung kommt. Ist dieser intrinsisch getrieben oder von äußeren Mustern beziehungsweise den Sozialen Medien geprägt? Wenn ich merke, dass sich der Patient oder die Patientin unsicher ist, sich noch in der Entwicklung befindet oder einem Trend nachjagt, sage ich meist "nein" zu einem Eingriff.

Leadersnet: Was würden Sie im deutschen Gesundheitssystem verändern, wenn Sie könnten?

Dr. Britta Kühlmann: Wir fahren gegen die Wand, weil wir zu wenig Personal für zu viele Patient:innen haben. Das führt zu Überlastung und Frustration. Wir müssen Pflege und ärztliche Berufe wieder attraktiver machen – strukturell und finanziell – und vor allem wieder mehr Zeit für Patient:innen ermöglichen.

Ärztliches und pflegerisches Personal sollen sich wieder auf die Kernkompetenzen des Berufs fokussieren können und nicht auch noch Aufgaben übernehmen müssen, die nicht in ihren Aufgabenbereich gehören.

Dr. Britta Kühlmann (Bild: Daniela Patricia Fotografie)
Dr. Britta Kühlmann (Bild: Daniela Patricia Fotografie)

Leadersnet: Welche Rolle wird KI künftig in der Medizin spielen?

Dr. Britta Kühlmann: Eine große – und ich freue mich darüber. KI kann vieles übernehmen, was nicht unsere Kernaufgabe ist: Laborwerte vorsortieren, Befunde strukturieren, Akten organisieren oder Daten schneller auswerten. Wenn das sinnvoll reguliert wird, kann KI Ärzt:innen und Pflege enorm entlasten. Und dann können wir uns wieder auf das konzentrieren, was wirklich zählt: Den Menschen.

Leadersnet: Longevity entwickelt sich zum Milliardenmarkt. Nachhaltige Bewegung oder kurzfristiger Trend?

Dr. Britta Kühlmann: Longevity ist für mich kein neuer Hype. Ich beschäftige mich damit seit Jahren – schon in Stanford. Präventionsmedizin oder ganzheitliche Gesundheit sind im Grunde nichts anderes als Longevity. Der Begriff ist nur neuer und ein bisschen "knackiger". 

Ich finde es gut, dass mehr Menschen Prävention ernster nehmen. Aber wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Viele Trends haben keine Langzeitdaten. Die Basics sind bekannt: Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressreduktion, soziale Kontakte. Ein gutes Leben ist mehr als der nächste Supplement-Trend.

Leadersnet: Haben Sie Angst vor dem Altern?

Dr. Britta Kühlmann: Nein. Ich mag das Wort Anti-Aging nicht. Ich bin nicht gegen Altern – ich bin für gutes, gesundes Altern. Eine 50-Jährige muss nicht aussehen wie 25. Aber sie kann gesund, fit und strahlend sein. Darum geht es.

Leadersnet: Was ist Ihre nächste große Vision?

Dr. Britta Kühlmann: Ich möchte mit meiner Praxis und mit Cineolux weiter wachsen, weil ich mehr Wissen vermitteln und mehr Menschen helfen möchte. Ich wünsche mir, dass Menschen besser unterscheiden können: Wer ist wirklich Expert:in und wer tut nur so?

Leadersnet: Und zum Schluss: Werden Sie künftig mehr Unternehmerin oder mehr Ärztin sein?

Dr. Britta Kühlmann: Ich bin immer Ärztin. Immer. Wenn es darauf ankommt, schlägt mein Ärzteherz.

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