She’s Mercedes im Interview
Kerstin Stenkat: "Netzwerke sind ein entscheidender Faktor für mehr Diversität"

Mit She‘s Mercedes hat Mercedes-Benz eine Plattform geschaffen, die Frauen aus unterschiedlichen Bereichen miteinander vernetzt. Kerstin Stenkat, Leiterin Marketing, Kommunikation & Digitales Mercedes-Benz Cars Deutschland (Mitglied der Geschäftsleitung), spricht im LEADERSNET-Interview über Inspiration, Netzwerke und darüber, warum echte Begegnungen für viele Frauen heute wichtiger sind als klassische Marketingkampagnen.

LEADERSNET: She’s Mercedes gibt es inzwischen seit einigen Jahren. Was war der ursprüngliche Impuls, diese Initiative ins Leben zu rufen?

Kerstin Stenkat: She’s Mercedes ist aus dem Wunsch entstanden, einen echten Dialograum zu schaffen. Uns ging es darum, Frauen nicht nur als Kundinnen anzusprechen, sondern als Impulsgeberinnen, Unternehmerinnen, Führungspersönlichkeiten – als Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen und Perspektiven. Wir erleben, dass Erfolg heute sehr individuell definiert wird.

LEADERSNET: Wie meinen Sie das genau?

Kerstin Stenkat: Erfolg ist nicht eindimensional, sondern ein Zusammenspiel aus beruflicher Entwicklung, persönlicher Erfüllung und gesellschaftlicher Verantwortung. Genau diese Vielfalt wollten wir sichtbar machen. Mit She’s Mercedes haben wir deshalb eine Plattform geschaffen, die Inspiration und Vernetzung ermöglicht – branchen- und kulturübergreifend: ein Ort, an dem Erfahrungen geteilt werden, neue Perspektiven entstehen und Frauen sich gegenseitig stärken können. Für uns ist She’s Mercedes daher keine Marketingkampagne, sondern vielmehr eine Haltung – geprägt von Zuhören, Vernetzen und dem gemeinsamen Weiterdenken.

LEADERSNET: Heute sprechen viele Unternehmen über Female Empowerment. Woran erkennt man aus Ihrer Sicht, ob eine Initiative tatsächlich Wirkung entfaltet – und nicht nur gut gemeint ist?

Kerstin Stenkat: Für mich zeigt sich Wirkung vor allem daran, ob sich Strukturen verändern – und ob sich das messbar nachvollziehen lässt. Wirksam wird eine Initiative dann, wenn ein Unternehmen konkrete Ziele definiert, Verantwortung übernimmt und diese konsequent verfolgt.

LEADERSNET: Wie zeigt sich das konkret bei Mercedes-Benz?

Kerstin Stenkat: Bereits 2006 hat sich Mercedes-Benz als eines der ersten Unternehmen in Deutschland das freiwillige Ziel gesetzt, den Anteil von Frauen in leitenden Führungspositionen bis Ende 2020 weltweit auf 20 Prozent zu steigern. Dieses Ziel wurde erreicht – unser Anspruch bleibt jedoch unverändert: Wir wollen mehr leitende Führungspositionen mit qualifizierten Frauen besetzen und streben als nächsten Meilenstein einen konzernweiten Anteil von 30 Prozent bis 2030 an.

LEADERSNET: Ein ambitioniertes Ziel…

Kerstin Stenkat: Gleichzeitig geht es um mehr als Zahlen. Entscheidend sind Rahmenbedingungen, die Entwicklung dauerhaft ermöglichen – transparent, nachvollziehbar und im Alltag spürbar. So zählen beispielsweise auch flexible Arbeitszeitmodelle in bestimmten Lebensabschnitten dazu, aber auch das Verständnis, dass Erwerbsarbeit und Care-Arbeit von beiden Elternteilen beziehungsweise im Pflegefall von allen Beteiligten getragen werden kann. Wirkung entsteht dort, wo diese Arbeitsmodelle sichtbar werden und offen darüber gesprochen wird. Nachhaltige Veränderung entsteht, wenn wir Arbeit und Rollenverständnisse fair und ohne Rollenklischees verteilen können. Wenn Frauen als Führungskräfte, Unternehmerinnen oder Expertinnen selbstverständlich präsent sind, wenn sie Vorbilder erleben und selbst welche werden – dann entsteht nachhaltige Veränderung.

LEADERSNET: Gerade wenn es um Sichtbarkeit und Vorbilder geht, spielen Netzwerke eine wichtige Rolle. Braucht es solche Netzwerke heute überhaupt noch?

Kerstin Stenkat: Ja – sie sind heute vielleicht wichtiger denn je. Analysen wie die der AllBright-Studie zeigen, dass Frauen in den obersten Führungsebenen noch immer deutlich unterrepräsentiert sind. Netzwerke sind ein entscheidender Faktor für mehr Diversität: Sie schaffen Sichtbarkeit, ermöglichen Austausch auf Augenhöhe und geben Orientierung. Sie eröffnen Zugänge – zu Wissen, zu Erfahrungen und zu Entscheidungsebenen. Gerade weil Frauen in Spitzenpositionen noch nicht selbstverständlich präsent sind, braucht es Räume, in denen erfolgreiche Frauen sichtbar werden – als Vorbilder und als konkrete Beispiele dafür, welche Wege möglich sind. Marian Edelman hat das einmal treffend formuliert: "You can’t be what you can’t see.“ Genau darum geht es: Frauen sollten Frauen in Führungspositionen sehen, ihre individuellen Geschichten auf dem Weg dorthin hören - und verstehen, dass sie diesen Weg ebenfalls gehen können.

LEADERSNET: Die She’s Mercedes-Events – wie die Driving Retreats – sind ein zentraler Anker der Initiative. Wer bucht diese Formate heute konkret?

Kerstin Stenkat: Unsere Events sprechen vor allem Frauen an, die gestalten und Verantwortung übernehmen – zum Beispiel Unternehmerinnen, Führungskräfte, Kreative oder Expertinnen in ihren jeweiligen Bereichen. Was sie verbindet, ist weniger eine Branche als ein Mindset: der Wunsch, sich weiterzuentwickeln, sich offen auszutauschen und andere Frauen zu unterstützen – und bei unseren Driving Events natürlich auch der Spaß und der Thrill, unsere vielseitigen Mercedes-Benz Modelle selbst zu erleben.

LEADERSNET: Was suchen die Frauen, die an diesen Events teilnehmen, jenseits des Fahrerlebnisses?

Kerstin Stenkat: Es ist die Mischung aus Inspiration, persönlicher Weiterentwicklung und Vernetzung. Unsere Events geben den Teilnehmerinnen die Möglichkeit, von starken, inspirierenden Persönlichkeiten zu lernen, ihr Netzwerk zu erweitern und neue Perspektiven zu gewinnen – zuletzt zum Beispiel bei einer Veranstaltung zum Thema Longevity mit der Expertin Nina Ruge. Gleichzeitig schätzen viele den offenen Austausch. Es entstehen Gespräche, für die im Alltag oft zu wenig Raum ist. Genau daraus nehmen die Teilnehmerinnen Impulse für ihren eigenen Weg mit. Das Fahrerlebnis gehört selbstverständlich dazu, ist aber Teil des Gesamterlebnisses – nicht sein alleiniger Mittelpunkt.

LEADERSNET: Frauen gelten als reflektierte und anspruchsvolle Zielgruppe. Was braucht es aus Ihrer Sicht, um Frauen authentisch anzusprechen?

Kerstin Stenkat: Authentizität beginnt für mich mit echtem Interesse und aufmerksamen Zuhören. Frauen möchten nicht adressiert, sondern verstanden werden. Das setzt Dialog auf Augenhöhe voraus – also die Bereitschaft, zuzuhören, Perspektiven ernst zu nehmen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Gleichzeitig geht es darum, Frauen nicht als homogene Zielgruppe zu betrachten. Ihre Lebensentwürfe, Erwartungen und Prioritäten sind so vielfältig wie sie selbst. Wer uns Frauen authentisch ansprechen möchte, muss dieser Vielfalt gerecht werden – in der Kommunikation ebenso wie in Produkten und Angeboten. Entscheidend ist zudem Kontinuität. Vertrauen entsteht nicht durch einzelne Kampagnen, sondern durch Verlässlichkeit und langfristige Präsenz. Authentische Ansprache bedeutet für uns daher die konsequente Einbindung weiblicher Perspektiven in unser Denken und Handeln.

LEADERSNET: Viele Frauen entscheiden heute bewusster, wofür sie ihr Geld ausgeben. Welche Veränderungen beobachten Sie im Kauf- und Entscheidungsverhalten von Frauen?

Kerstin Stenkat: Wir erleben, dass Frauen Entscheidungen sehr reflektiert und ganzheitlich treffen und dass dabei Nutzen und Relevanz im Alltag stärker in den Vordergrund rücken. Das betrifft nicht nur das Produkt, sondern das gesamte Erlebnis: Welche Lösungen sparen Zeit, welche Services passen zu meinem Leben, wo fühle ich mich gut aufgehoben und wirklich zu Hause – und wie ernst nimmt eine Marke meine Bedürfnisse.

LEADERSNET: Können Ihre Events dazu beitragen, dass sich Frauen langfristig für Mercedes entscheiden – im Alltag wie im Berufsleben?

Kerstin Stenkat: Unsere Events sind Erfahrungsräume, die über unsere Mercedes-Benz Fahrzeuge hinausgehen. Frauen lernen die Marke und unser Unternehmen in einem persönlichen Kontext kennen – über Begegnungen, Gespräche und gemeinsame Erlebnisse. Genau so entsteht Nähe – und auch ein realistisches Bild davon, wofür Mercedes-Benz steht. Ob daraus dann langfristig eine Entscheidung für unsere Marke entsteht, entscheidet am Ende jede Kundin selbst. Aber wir sind überzeugt: Vertrauen entsteht dort, wo man sich ernst genommen fühlt – und genau daran arbeiten wir, indem wir Dialog ermöglichen, zuhören und das Markenerlebnis kontinuierlich weiterentwickeln.

LEADERSNET: Die Events sind die eine Seite von She’s Mercedes, der Newsletter die andere. Welche Rolle spielt er für die Initiative?

Kerstin Stenkat: Der Newsletter ist so etwas wie das Herzstück unserer Kommunikation mit der "She‘s Mercedes“-Community. Er erscheint monatlich und erzählt in ausführlichen Interviews die Geschichten inspirierender Frauen – damit geben wir konkrete Impulse. Darüber hinaus porträtieren wir Frauen, die gemeinsam mit uns Themen gestalten oder deren Errungenschaften wir sichtbar machen möchten. Gleichzeitig ist der Newsletter unser zentraler Informationskanal: Wir informieren über Inhalte und Formate von She‘s Mercedes, etwa über anstehende Events. So bleiben wir in stetigem Austausch mit der Community – auch zwischen persönlichen Begegnungen.

LEADERSNET: Der Newsletter erzählt ja auch viele Geschichten von Frauen. Wenn wir den Blick etwas weiten: 2026 steht bei Mercedes-Benz unter anderem im Zeichen von 140 Jahren Innovation Automobil. Welche Rolle spielen Frauen – historisch wie aktuell – in dieser Innovationsgeschichte?

Kerstin Stenkat: Wenn wir über 140 Jahre Innovation sprechen, müssen wir am Anfang bei Bertha Benz beginnen. Sie war nicht nur die Ehefrau von Carl Benz, sondern eine Pionierin, die im Jahr 1888 mit der ersten Langstreckenfahrt von Mannheim nach Pforzheim gezeigt hat, dass das Automobil alltagstauglich ist. Genau diese Entschlossenheit – etwas möglich und sichtbar zu machen – hat die Entwicklung des Automobils von Beginn an mitgeprägt. Frauen wie Bertha Benz sind tief in der DNA unserer Marke verankert und zeigen, dass weiblicher Innovationsgeist und Einfluss von Beginn an entscheidend waren. Dieser Anspruch setzt sich bis heute fort: Seit vor 140 Jahren das Patent für das erste Automobil angemeldet wurde, hat sich Mercedes Benz der stetigen Innovation verschrieben, um die begehrenswertesten Autos der Welt für seine Kundinnen und Kunden zu bauen. Dieser Anspruch hat jede Innovation vorangetrieben und prägt unsere Marke bis heute – vom ersten Automobil 1886 bis zu unseren aktuellen Fahrzeugen.

LEADERSNET: Mit Blick in die Zukunft: Welche Themen möchten Sie mit She‘s Mercedes künftig noch stärker in den Fokus rücken?

Kerstin Stenkat: Wir möchten She‘s Mercedes als kontinuierlichen Dialograum weiter stärken – mit Themen, die Frauen wirklich bewegen, und mit Formaten, die relevant und alltagsnah sind. Unser Anspruch bleibt dabei unverändert: Frauen zu inspirieren, zu vernetzen und den Austausch zu fördern – über Inhalte und Begegnungen – und immer so, dass sie greifbar und unmittelbar erfahrbar bleiben.

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