Es geht wieder los
Mount Everest erlebt historischen Ansturm – und wird immer mehr zum Luxusmarkt

| Natalie Oberhollenzer 
| 12.05.2026

Der höchste Berg der Welt steht vor einer Rekordsaison: Nepal hat für das Frühjahr 2026 bislang 492 Genehmigungen zur Besteigung des Mount Everest ausgestellt – so viele wie noch nie. Trotz geopolitischer Spannungen, Sicherheitsbedenken und wachsender Kritik am Massentourismus boomt das Geschäft rund um das Dach der Welt stärker denn je.

"Trotz des Nahostkonflikts, der Reisen, Tourismus und Trekking beeinträchtigt hat, zieht der Everest weiterhin eine steigende Zahl an Bergsteigerinnen und Bergsteigern an", wird Himal Gautam vom nepalesischen Tourismusministerium bei Reuters zitiert. Die Aussage zeigt, wie widerstandsfähig der Markt für extreme Abenteuerreisen inzwischen geworden ist.

Vom Abenteuer zum globalen Premiumprodukt

Der Everest ist längst nicht mehr nur ein Sehnsuchtsort für Elite-Alpinisten. In den vergangenen Jahren hat sich die Besteigung zunehmend zu einem globalen Premiumprodukt entwickelt. Internationale Expeditionsanbieter verkaufen Komplettpakete, die je nach Komfort und Betreuung schnell zwischen 40.000 und 150.000 Dollar kosten – inklusive Sherpas, Sauerstoffversorgung, Satelliteninternet und luxuriöser Basecamps.

Besonders heuer verschärft sich die Lage zusätzlich: China hat die tibetische Route auf den Everest geschlossen, wodurch sich der Andrang noch stärker auf die nepalesische Südseite konzentriert. Gleichzeitig verläuft der Start der Saison schwierig. Im berüchtigten Khumbu-Eisbruch blockierte zunächst ein riesiger Sérac die Route, ehe Sherpa-Teams den Aufstieg sichern konnten.

Millionen-Einnahmen durch Permit-Gebühren

Für Nepal bleibt der Everest dennoch ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Allein die Genehmigungen spülten dem Staat bereits mehr als sieben Millionen Dollar in die Kassen. Erst im Vorjahr wurden die Permitgebühren deutlich erhöht – von 11.000 auf 15.000 Dollar pro Person.

Die Schattenseiten der Erlebnisökonomie

Mit dem Boom wächst allerdings auch die Kritik. Bilder von Menschenstaus in der sogenannten Todeszone sorgten bereits in den vergangenen Jahren weltweit für Diskussionen. Kritiker werfen Behörden und Veranstaltern vor, den Everest zunehmend zu kommerzialisieren und selbst unerfahrene Kund:innen auf den Berg zu bringen.

Damit wird der höchste Gipfel der Erde immer mehr zum Symbol einer globalen Entwicklung: Selbst extreme Naturerlebnisse werden heute Teil einer milliardenschweren Erlebnisökonomie – angetrieben von Luxusreisen, Social Media und dem Wunsch nach maximaler Selbstinszenierung.

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