Börsenunternehmen unter Druck
Mehr als 100 Gewinnwarnungen – Industrie kämpft mit Kosten und Nachfrage

| Redaktion 
| 23.03.2026

Die wirtschaftliche Schwächephase hinterlässt deutliche Spuren in den Bilanzen börsennotierter Unternehmen. Laut einer Analyse der Strategieberatung EY-Parthenon mussten Konzerne im Jahr 2025 ihre Gewinnziele mehr als 100 Mal nach unten korrigieren. Besonders betroffen sind Schlüsselindustrien wie Automobil und Chemie, aber auch Medien- und Finanzunternehmen stehen unter Druck. Gleichzeitig zeigt sich ein Trend zu vorsichtigeren Prognosen.

Gewinnwarnungen gelten als wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Wie DIE ZEIT unter Berufung auf eine dpa-Meldung berichtet, veröffentlichten börsennotierte Unternehmen im Jahr 2025 insgesamt 118 Gewinnwarnungen. Damit liegt der Wert zwar unter den 153 Fällen im Jahr 2024 und 160 im Jahr 2023, bleibt aber auf einem hohen Niveau. Die Entwicklung zeigt: Unternehmen passen ihre Erwartungen zunehmend vorsichtiger an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an.

Mehrere Faktoren belasten die Geschäftsentwicklung

Die Anpassung von Unternehmensprognosen steht im Zusammenhang mit einer Kombination wirtschaftlicher Einflussfaktoren. Laut der Analyse von EY-Parthenon spielen insbesondere Nachfrageentwicklung, Kostenstruktur und Finanzierung eine zentrale Rolle.

  • schwache Nachfrage und rückläufige Umsätze
  • steigende Finanzierungskosten infolge höherer Zinsen
  • hohe Energie- und Produktionskosten
  • geopolitische Unsicherheiten und Handelskonflikte

In mehr als der Hälfte der Fälle wurden schwache Nachfrage und Umsatzrückgänge als Auslöser genannt. Weitere Gründe sind höhere Finanzierungskosten sowie Kostensteigerungen und Lieferkettenprobleme.

Industriebranchen reagieren besonders sensibel

Ein Schwerpunkt der Gewinnwarnungen liegt in klassischen Industriezweigen. Innerhalb der Börsenindizes Dax, MDax und SDax mussten laut Analyse ein großer Teil der Automobil- und Chemieunternehmen ihre Prognosen anpassen.

Während sich die Situation in der Automobilbranche im Vergleich zum Vorjahr teilweise stabilisierte, nahm die Zahl der Gewinnwarnungen in der Chemiebranche zu. Als Einflussfaktoren gelten insbesondere Energiepreise sowie die Nachfrageentwicklung in wichtigen Abnehmerindustrien.

Kapitalintensive Geschäftsmodelle unter Druck

Auch außerhalb der Industrie zeigen sich Anpassungen. Unternehmen aus den Bereichen Finanzen, Immobilien und Beteiligungen sahen sich veranlasst, ihre Erwartungen zu korrigieren.

Als Gründe gelten vor allem gestiegene Zinsen und strengere Kreditvergaben. Diese Faktoren beeinflussen Investitionsentscheidungen und wirken sich auf die Planungssicherheit aus. Ähnliche Effekte zeigen sich auch in Teilen der Schwerindustrie, etwa im Maschinenbau.

Strukturelle Veränderungen erhöhen den Anpassungsbedarf

Neben konjunkturellen Faktoren spielen auch strukturelle Entwicklungen eine Rolle. In mehreren Branchen führen Investitionen in Digitalisierung und neue Technologien zu veränderten Kostenstrukturen.

Im Medien- und Technologiesektor kommen rückläufige Erlöse aus klassischen Geschäftsmodellen hinzu. Gleichzeitig erfordern technologische Entwicklungen zusätzliche Investitionen, was die Planung von Ergebnissen erschwert.

Ausblick bleibt von Unsicherheiten geprägt

Für das laufende Jahr geht EY-Parthenon davon aus, dass sich die Zahl der Gewinnwarnungen mit einer möglichen wirtschaftlichen Erholung verringern könnte. Gleichzeitig verweist die Analyse auf bestehende Risiken.

Dazu zählen unter anderem geopolitische Konflikte, Energiepreise sowie die Transformation hin zu klimaneutralen Wirtschaftsstrukturen. Auch die Entwicklung der Konsumnachfrage bleibt ein relevanter Faktor für die weitere Geschäftsentwicklung.

Gewinnwarnungen 2025 im Überblick

Gesamtentwicklung

  • 118 Gewinnwarnungen im Jahr 2025
  • 153 im Jahr 2024
  • 160 im Jahr 2023

Branchenanteile

  • Automobilindustrie: rund 60 % betroffen
  • Chemieindustrie: rund 50 % betroffen

Weitere Sektoren

  • Medien & Technologie: 24 Gewinnwarnungen
  • Finanz-, Immobilien- & Beteiligungsbranche: 20
  • Schwerindustrie (z. B. Maschinenbau): 18

Hauptursachen

  • 54 % schwache Nachfrage und Umsatzrückgänge
  • 17 % hohe Finanzierungskosten
  • jeweils 14 % steigende Kosten und Lieferkettenprobleme

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Gewinnwarnungen 2025 im Überblick

Gesamtentwicklung

  • 118 Gewinnwarnungen im Jahr 2025
  • 153 im Jahr 2024
  • 160 im Jahr 2023

Branchenanteile

  • Automobilindustrie: rund 60 % betroffen
  • Chemieindustrie: rund 50 % betroffen

Weitere Sektoren

  • Medien & Technologie: 24 Gewinnwarnungen
  • Finanz-, Immobilien- & Beteiligungsbranche: 20
  • Schwerindustrie (z. B. Maschinenbau): 18

Hauptursachen

  • 54 % schwache Nachfrage und Umsatzrückgänge
  • 17 % hohe Finanzierungskosten
  • jeweils 14 % steigende Kosten und Lieferkettenprobleme

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