Time Out-Ranking
Die neuen Hotspots: Diese Trend-Ziele sind aktuell am stärksten von Overtourism bedroht

Einige der faszinierendsten Orte der Welt sind innerhalb kürzester Zeit zu globalen Sehnsuchtszielen geworden – oft schneller, als ihre Infrastruktur und Ökosysteme mithalten können. Die Kehrseite des Booms: Overtourism. Das britische Magazin Time Out listet sechs Orte auf, bei dessen Beliebtheit zunehmend zur Belastung wird.

Extreme Popularität ist nicht nur ein wirtschaftlicher Segen. Für viele Destinationen bedeutet sie massiven Druck auf Umwelt, Infrastruktur und lokale Gemeinschaften. Die Balance zwischen wirtschaftlicher Wertschöpfung und dem Erhalt von Natur, Kultur und Lebensqualität zu finden, gleicht einer Herkulesaufgabe.

Overtourism entsteht, wenn Besucherzahlen die Kapazitäten eines Reiseziels übersteigen. Die Folgen sind vielfältig: überlastete Verkehrssysteme, steigende Wohn- und Lebenshaltungskosten, Wasserknappheit, Umweltzerstörung und die schleichende Verdrängung lokaler Kulturen. Langfristig gefährdet dies nicht nur die Lebensqualität der Einheimischen, sondern auch die Attraktivität der Destinationen selbst.

Verantwortungsvoll reisen statt verzichten

Die Lösung liegt nicht im vollständigen Boykott dieser Orte – schließlich ist Tourismus für viele Regionen eine essenzielle Einnahmequelle. Entscheidend ist vielmehr ein bewussteres Reiseverhalten, wie Time Out ausführt: bessere Planung, Reisen in der Nebensaison, Unterstützung lokaler Anbieter und die Wahl weniger bekannter Alternativen. Neben staatlicher Regulierung können auch Reisende aktiv dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

1. Albanien

Perfekt gelegen zwischen Ionischem und Adriatischem Meer, hat sich Albanien rasant vom Geheimtipp zum Trendziel entwickelt: von drei Millionen Besuchern im Jahr 2015 auf rund zehn Millionen im Jahr 2023. Prognosen zufolge könnten es bis 2030 sogar 30 Millionen sein – damit wäre Albanien das am schnellsten wachsende Reiseziel Europas.

 
 
 
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Besser reisen: Statt sich ausschließlich auf bekannte Hotspots zu konzentrieren, empfiehlt es sich, in ländlichen Regionen wie Zogaj, Delvina oder Kukës zu übernachten. Lokale Gästehäuser und Reisen in der Nebensaison entlasten die Küstenregionen und bringen Einkommen in strukturschwächere Gebiete.

2. Raja Ampat, Indonesien

Die palmengesäumten Inseln von Raja Ampat galten lange als exklusives Paradies für erfahrene Taucher. Intensive Marketingkampagnen haben die Region jedoch zunehmend zum Strandurlaubsziel gemacht – mit spürbaren Folgen für fragile Ökosysteme und die lokale Infrastruktur.

 
 
 
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Nachhaltige Option: Reisen auf kleinen Schiffen mit minimalem ökologischem Impact, etwa Segel- oder Bildungsreisen, belasten die Region weniger als längere Aufenthalte auf den Inseln selbst.

3. Santiago de Compostela, Spanien

Spätestens seit dem Film The Way (2010) ist der Jakobsweg weltweit bekannt. Social Media hat den Trend weiter verstärkt. Die Folgen sind heute deutlich spürbar: Kurzzeitvermietungen verdrängen Einheimische, die Wohnkosten steigen rasant.

 
 
 
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Alternative: Städte wie A Coruña in Galicien bieten historische Architektur, kulturelle Vielfalt und Strände – bei deutlich geringerer touristischer Belastung und nur rund eine Autostunde entfernt.

4. Belém, Brasilien

Belém, am Tor zum Amazonas-Regenwald, steht durch die Klimakonferenz COP30 im internationalen Rampenlicht. Der Ausbau der Infrastruktur treibt jedoch soziale Ungleichheiten voran: Während Luxusimmobilien entstehen, leben Hunderttausende Menschen in Favelas, teils nach Zwangsumsiedlungen.

Nachhaltig unterwegs: Empfehlenswert sind gemeinschaftsgeführte Unterkünfte abseits der klassischen Routen, etwa schwimmende Lodges oder Eco-Lodges, die lokale Wertschöpfung fördern.

5. Kotor, Montenegro

Kotor ist ein Paradebeispiel für die Schattenseiten des Kreuzfahrttourismus: Rund 500 Schiffe legen jährlich an. Verkehrschaos, steigende Mieten und die Verdrängung der lokalen Bevölkerung aus der UNESCO-geschützten Altstadt sind die Folge.

 
 
 
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Entlastende Alternativen: Reisen außerhalb der Sommermonate, Segeltouren mit kleinen Schiffen oder Aufenthalte in weniger bekannten Orten wie Tivat oder Rose bieten authentischere Erlebnisse – und reduzieren den Druck auf die Altstadt.

6. Die Südküste von Sri Lanka

Nach wirtschaftlich und politisch schwierigen Jahren verzeichnet Sri Lanka ein starkes touristisches Comeback mit über zwei Millionen Besuchern im Jahr 2024. Besonders die Strände im Süden und beliebte Nationalparks geraten dabei an ihre Belastungsgrenzen.

Empfehlung: Der weniger besuchte Norden (Jaffna) oder Osten (Trincomalee) bietet kulturelle Tiefe und Erholung fernab der Massen. Kleine, abgelegene Unterkünfte stärken lokale Strukturen und verhindern Abwanderung in überlaufene Zentren.

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