Zehn Prozent auf alles
Grönland: Trump verhängt Zölle gegen Deutschland

| Redaktion 
| 18.01.2026

Der Streit um Grönlands Zukunft sorgt für handelspolitische Konsequenzen: US-Präsident Donald Trump kündigt Strafzölle gegen mehrere europäische Staaten, darunter Deutschland, an. Die Maßnahmen treten in zwei Phasen in Kraft – zumindest, sofern dem Wunsch nach einem "Abkommen über den vollständigen und totalen Kauf Grönlands" nicht entsprochen wird.

Das Interesse der USA unter Donald J. Trump an Grönland ist nicht neu. In den letzten Wochen jedoch ist der politisch selbstverwaltete Bestandteil des Königreichs Dänemark unumwunden wie nie zuvor in den Fokus des amerikanischen Präsidenten gerückt.

Trump macht unmissverständlich klar, dass Grönland Teil der Vereinigten Staaten werden soll, wobei ein Deal bevorzugt wird. Es wäre nicht die erste Gebietserweiterung in kalten Gefilden dieser Art, schließlich wurde Alaska im Jahre 1867 dem Russischen Kaiserreich abgekauft; zum heute spöttisch wirkenden Preis von 7,2 Millionen US-Dollar.

Für Grönland dürfte eine deutlich höhere Summe anfallen – vorausgesetzt, dass die Bereitschaft zu einer Vereinbarung dieser Art wächst. Danach sieht es aktuell nicht aus: Die Regierung betont das Recht auf Selbstbestimmung und lehnt bislang jede Vorstellung eines Verkaufs ab.

Was wollen die USA mit Grönland?

Die USA begründen ihr Interesse an Grönland vor allem sicherheitspolitisch und strategisch. Die Insel liegt an einer Schlüsselposition zwischen Nordamerika, Europa und der Arktis und ist damit zentral für Frühwarnsysteme, Raketenabwehr und die Kontrolle militärischer Bewegungen in einer Region, in der Russland und China zunehmend Präsenz zeigen.

Zugleich gewinnt Grönland durch den Klimawandel wirtschaftlich an Bedeutung: Die absehbare Öffnung der arktischen Seewege durch das Abschmelzen des Meereises könnte die Karten im Welthandel mittelfristig neu mischen.

Besonders die Nordostpassage entlang der russischen Küste und langfristig auch eine transpolare Route könnten den Seeweg zwischen Ostasien und Europa um Tausende Kilometer verkürzen.

Grönland liegt nahe an diesen entstehenden Korridoren und an den Übergängen in den Nordatlantik, wodurch die Insel zukünftig als maritimer Verkehrsknotenpunkt fungieren dürfte; vergleichbar mit der strategischen Bedeutung des Suez- oder Panamakanals.

Für die USA bedeutet Kontrolle in dieser Region, Handelsströme überwachen, militärisch absichern und im Krisenfall auch blockieren zu können. Zudem würde eine wachsende zivile Schifffahrt Infrastruktur, Häfen und Rettungssysteme erfordern – Bereiche, in denen geopolitischer Einfluss unmittelbar in wirtschaftliche und sicherheitspolitische Macht übersetzt wird.

Der Aufreger: "Operation Arctic Endurance"

Die USA haben bislang keine militärische Maßnahmen in Aussicht gestellt, die Möglichkeit jedoch genauso wenig ausgeschlossen. Stattdessen wurde offen suggeriert, dass im Zweifelsfall niemand um Grönland gegen sie in den Krieg ziehen würde.

Aussagen, die in Europa unweigerlich für Verstimmung sorgen. Wenig später haben mehrere europäische NATO-Staaten kleine Kontingente nach Grönland entsandt, die offiziell an der dänisch geführten Übung "Operation Arctic Endurance" zur Stärkung der Arktissicherheit und der Zusammenarbeit mit Verbündeten teilnehmen. Auch Bundeswehr-Personal ist beteiligt.

Obwohl die Aktion nicht als direkte Antwort auf aktuelle US-Bemühen eingestuft wird, schwingen ein solidarischer Gedanke und der Wunsch, die Souveränität Grönlands zu unterstreichen, freilich mit.

Beim US-Präsidenten stößt die Truppenbewegung einem Truth-Social-Posting zufolge auf Unverständnis: "Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Finnland sind aus unbekannten Gründen nach Grönland gereist", schreibt Donald Trump dort am frühen Samstagabend (deutscher Zeit).

"Dies ist eine äußerst gefährliche Situation für die Sicherheit und das Überleben unseres Planeten. Diese Länder, die dieses sehr gefährliche Spiel spielen, haben ein Risikoniveau geschaffen, das weder tragbar noch nachhaltig ist."

Zölle in zwei Stufen, außer…

Trump weiter: "Daher ist es zwingend erforderlich, zum Schutz des globalen Friedens und der Sicherheit starke Maßnahmen zu ergreifen, damit diese potenziell bedrohliche Lage schnell und ohne jeden Zweifel beendet wird."

Bei diesen Maßnahmen handelt es sich einmal mehr um Zölle, die allen vom US-Präsidenten erwähnten Nationen ab Sonntag, 01. Februar auferlegt werden; die Bundesrepublik also inklusive.

Auf sämtliche Waren aus diesen Ländern fällt demnach ein Zehn-Prozent-Zoll an, der sich am Montag, 01. Juni auf 25 Prozent erhöht – zumindest, sofern bis dahin kein "Abkommen über den vollständigen und totalen Kauf Grönlands erzielt ist."

Kritik aus Deutschland ließ nicht lange auf sich warten: "Die Ankündigung neuer US-Zölle für bestimmte europäische Staaten ist grotesk", befindet der BGA (Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.) beispielsweise.

"Die USA bestrafen hier Teilnehmer eines NATO-Einsatzes, das ist eigentlich unvorstellbar. Dies ist ein neuer Tiefpunkt in den amerikanisch-europäischen Handelsbeziehungen. Wir stehen weiterhin an der Seite Dänemarks, Demokratie und Freiheit lassen sich mit Strafzöllen nicht wegwischen", so der Verband. "Wenn wir zulassen, dass Zölle zur politischen Waffe werden, verlieren am Ende alle."

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