Flugchaos: Lufthansa-Chef Spohr baut den Konzern um

| Alexander Schöpf 
| 01.09.2022

Gestrichene Flüge, verlorengegangene Koffer, streikendes Personal und verärgerte Reisende zwingen den Airline-CEO zum Handeln.

Es ist ein ereignisreicher Sommer, den Lufthansa-Chef Carsten Spohr hinter sich hat. Anfang Mai noch verkündete er auf der Hauptversammlung des Luftfahrtkonzerns: "Wir haben die Pandemie genutzt, um noch besser zu werden. Jetzt gehen wir wieder in die Offensive!" Die Bilder und Berichte, die uns von Deutschlands Flughäfen in den folgenden Wochen und Monaten erreichten, zeichneten jedoch ein anderes Bild: gestrichene Flüge, verlorengegangene Koffer, streikendes Personal – diesen Freitag streiken die Pilot:innen, was 800 ausgefallen Flüge zur Folge hat – sowie verzweifelte und verärgerte Reisende.

Das schlägt sich auch in den Finanzen der Airline wider: Musste die Lufthansa im gesamten Jahr 2021 rund 51 Millionen Euro für Entschädigungen aufwenden, könnte es heuer das 10-fache davon werden. Alleine im zweiten Quartal 2022 waren es 158 Millionen Euro.

Personelle Neuordnung

Wie das Manager Magazin schreibt, will Spohr jetzt Konsequenzen aus diesem Katastrophensommer ziehen und den Konzern entsprechend umbauen. So ist Christina Foerster ist nicht mehr Chief Customer Officer (CCO), sondern kümmert sich um "Brand & Sustainability". Detlef Kayser hingegen ist seinen bisherigen Titel Chief Operations Officer (COO) los und verantwortet den Bereich "Flotte & Technologie". Im Gegenzug soll die Geschäftsführung der Airline Lufthansa – namentlich Jens Ritter – verlorene Macht zurückerhalten.

Perspektivisch soll Cargo-Chefin Dorothea von Boxberg (48) in den Vorstand aufrücken. Wichtige Aufsichtsräte wollen sie auf Sicht in den höchsten Führungskreis befördern, schreibt das Manager Magazin. Auch beim Thema Digitalisierung gibt es Fortschritte. Im "Digital Hangar", der derzeit in der Nähe des Frankfurter Flughafens entsteht, soll Oliver Schmitt IT-Kräfte aus dem ganzen Unternehmen sammeln und auch virtuell vernetzen.

Mehr Personal, zufriedenere Passagiere

Bei der Personalpolitik deutet sich eine deutliche Wende an. Nach dem Sparkurs der vergangenen Jahre plant Personalchef Michael Niggemann heuer und 2023 rund 10.000 Neueinstellungen. Um neues Personal zu gewinnen, wird das Unternehmen auch bei den Löhnen etwas drauflegen müssen.

Um die Passagiere wieder versöhnlich zu stimmen, plane Spohr eine "Kundenoffensive mit Drall zu den Vielfliegern", verrät das Manager Magazin. Verbesserungspotential gibt es auch in der Businessclass: Kunden beklagen etwa Ausstattung und Service. Neue Sitze wurden bereits bestellt und sollen in der zweiten Jahreshälfte 2023 eingebaut werden. Doch viele Geschäftsreisenden indes fordern mehr als nur neue Sitze. Bei der Verpflegung gibt es genauso Luft nach oben wie bei der "mangelhaften Digitalisierung". Für Herbst sei dem Vernehmen nach zudem ein Event geplant, bei dem Fortschritte beim Premiumangebot "präsentiert und gefeiert" werden.

www.lufthansagroup.com

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