Reuters-Recherche
Banksy: Identität des Künstlers offenbar enthüllt

| Redaktion 
| 15.03.2026

Seit Dekaden gehört die wahre Identität von Banksy zu den Mysterien der modernen Kunstwelt. Eine umfangreiche Recherche der Nachrichtenagentur Reuters will das Rätsel nun jedoch endgültig und "unstreitbar" gelöst haben: Hinter den berühmten Street-Art-Werken steckt demnach ein Mann, der schon in den Nullerjahren als heißer Kandidat gehandelt wurde.

Neben Bitcoin-Urgestein Satoshi Nakamoto ist Banksy (bislang) die wohl bekannteste unbekannte Person der Welt: Seit den späten 1990er-Jahren tauchen seine Schablonen-Graffiti zunächst in Bristol und später rund um den Globus verteilt auf. Berühmt wurde der Brite dabei durch pointierte Street-Art, die mit ironischem Biss und klarer Bildsprache vor allem Krieg, soziale Ungleichheit oder Konsumkultur kommentiert.

Ikonisches Beispiel: Im Oktober 2018 wurde sein Motiv "Girl with Balloon" bei einer Auktion des Hauses Sotheby's für über eine Million Pfund versteigert – nur um sich unmittelbar danach, eigenständig zu schreddern. Die Aktion machte die Versteigerung selbst zur Performance und verwandelte das Werk unter dem neuen Titel "Love is in the Bin" in ein noch wertvolleres Sammlerstück.

Das sind die Anhaltspunkte

Die anhaltende Anonymität von Banksy ist zentral für seinen Mythos: Anders als bei vielen klassischen Künstlern tritt weniger die Person und vielmehr das Werk selbst in den Vordergrund. Zugleich erzeugt das Rätsel um seine Identität – ähnlich wie bei Satoshi Nakamoto – dauerhaftes Medieninteresse.

Dementsprechend wird jede neue Banksy-Arbeit automatisch zum Ereignis, das Spekulationen über seine Person abermals anheizen. Nun hat die Nachrichtenagentur Reuters die Ergebnisse einer transatlantischen Recherche präsentiert, die "unstreitbar" verraten sollen, wer Banksy wirklich ist.

Einige der wichtigsten Anhaltspunkte:

  • Der New-York-Vorfall

    Banksys Ex-Manager Steve Lazarides hat zu Protokoll gegeben, dass der Künstler vor einem Vierteljahrhundert verhaftet wurde, als er eine Werbetafel von Modedesigner Marc Jacobs "modifizieren" wollte. Reuters lokalisierte den Ort und datierte das Billboard auf die Fashion Week 2000 zurück. Polizeiakten und Gerichtsdokumente zum Fall enthalten ein handschriftliches Geständnis des Tatverdächtigen: Robin Gunningham.

  • Das erste "Unmasking"

    Bereits 2008 veröffentlichte die britische Boulevardzeitung The Mail on Sunday nach einer einjährigen Investigativ-Recherche einen großen Artikel, der Banksy als einen 1973 geborene Mann aus dem englischen Bristol enthüllte. Dieser habe die teure Bristol Cathedral School besucht, sei früh künstlerisch begabt gewesen, war in der lokalen Graffiti-Szene aktiv und hat sich in den 90ern in Richtung Street Art orientiert.

    Ein Foto von 2004 aus Jamaica, aufgenommen von Peter Dean Rickards, das einen Mann mit Spraydosen zeigt, hielten viele "Ermittler" seinerzeit für das einzige öffentlich zugängliche Bild von Banksy (siehe unten). Die Mail on Sunday ließ das Foto von Bekannten, Mitbewohnern, Freunden und Familienmitgliedern in Bristol identifizieren: Robin Gunningham.

  • Die Umbenennung

    Nach dem "Unmasking" durch die Mail on Sunday half Ex-Manager Steve Lazarides Banksy bei einer legalen Namensänderung. Lazarides sagte Reuters wörtlich: "There is no Robin Gunningham. The name you’ve got I killed years ago."

    Die neue Identität sei bewusst unspektakulär gewählt worden und ein extrem häufiger britischer Name, um öffentliche Spuren leichter verwischen zu können. Reuters stieß in Unternehmens- und Grundbuchdokumenten (teilweise über Verwandte und Banksys Accountant) vielfach auf einen zutreffenden, plötzlich auftauchenden Namen: David Jones.

  • Die Ukraine-Reise

    Im Herbst 2022 tauchten mehrere neue Banksy-Werke in der Ukraine auf, darunter der berühmte "Badewannen-Mann" an einer zerstörten Hauswand in Horenka nahe Bucha. Lokale Zeugen berichteten von zwei maskierten Sprayern, die vom britischen Kriegsfotografen Giles Duley begleitet wurden – einem einarmigen Mann mit zwei Prothesenbeinen, der einen Ambulanzwagen zur Verfügung stellte. Banksy bedankte sich später öffentlich bei Duley für logistische Unterstützung.

    Einreisedaten bestätigen: Robert Del Naja (Mitglied der Band Massive Attack) und Giles Duley kamen Ende Oktober über Polen ins Land. Es gibt keinerlei Hinweis auf eine Einreise von Robin Gunningham in diesem Zeitraum. Allerdings passierte am selben Tag eine weitere Person die Grenze: David Jones.

Tatsächlich wurde Robert Del Naja, Künstlername 3D, in der Vergangenheit vielfach für Banksy gehalten: Immer wieder fiel auf, dass neue Werke in Städten auftauchten, in denen Massive Attack gerade Konzerte gegeben hatten. Del Naja selbst ist prägender Anhänger der Stencil-Technik in der britischen Graffiti-Szene. Er stammt genau wie Banksy aus Bristol und wird sowohl als dessen Inspiration als auch als sein Wegbegleiter und Kollaborateur gehandelt.

Gemeinsam mit Robert Del Naja ist der besagte David Jones im frühen November 2022 jedenfalls wieder aus der Ukraine ausgereist – in seinem Pass dasselbe Geburtsdatum, das sich auch in den Papieren von Robin Gunningham wiederfindet. Das wertet Reuters als entscheidenden Beleg für das berühmte Alter Ego des Briten: Banksy.

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