For Women in Science
L’Oreal und UNESCO zeichnen forschende Mütter aus

Wer in der Wissenschaft Karriere machen will, braucht Ideen, Zeit, Ressourcen und Sichtbarkeit. Häufig kommt für Frauen hinzu, dass die entscheidenden Jahre einer entsprechenden Laufbahn mit dem Fenster zur Familiengründung zusammenfallen. "For Women in Science" will die Kombination selbstverständlicher machen – und so wurden am Mittwoch vier Mütter ausgezeichnet, die auch als Forscherinnen brillieren.

Im Mai hat das Statistische Bundesamt festgestellt, dass Frauen im Bereich Forschung und Entwicklung hierzulande weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind – gerade im direkten Vergleich mit anderen europäischen Nationen. Während sie in der hiesigen Wissenschaft lediglich 29,6 Prozent ausmachen, liegt dieser Wert beispielsweise in Kroatien fast 20 Prozentpunkte höher.

Um jenen Anteil weltweit zu erhöhen, hat L’Oréal bereits 1998 "For Women in Science" etabliert und den dazugehörigen Förderpreis inzwischen an über 4700 Forscherinnen vergeben.

Dieser soll "Nachwuchsforscherinnen in der Wissenschaft an einer Schlüsselstelle der Karriere" unterstützen und ihre Sichtbarkeit insgesamt steigern. Beachtlich: Sieben spätere Nobelpreisträgerinnen sind dem Programm bislang entsprungen.

Preisträgerinnen "sind wichtige Vorbilder für die nächste Generation"

In Deutschland wird die in enger Kooperation mit UNESCO realisierte Auszeichnung seit mittlerweile 19 Jahren vergeben – und die jüngste Verleihung ging am Mittwochabend in Schauspielhaus D‘Haus in Düsseldorf über die Bühne.

"Wissenschaft ist seit der Gründung von L'Oréal im Jahr 1909 fest in unserer DNA verankert", versichert Jean-Christophe Letellier, CEO L'Oréal DACH. "Wir sind stolz darauf, auch in diesem Jahr wieder herausragende Nachwuchsforscherinnen mit dem 'For Women in Science'-Förderpreis auszuzeichnen und diese Tradition an unserem deutschen Heimatstandort in Düsseldorf fortzuführen."

Jean-Christophe Letellier im Gespräch mit Arabella Kiesbauer (Bild: L'Oreal DACH)
Jean-Christophe Letellier im Gespräch mit Arabella Kiesbauer (Bild: L'Oreal DACH)

Eigenen Angaben nach investiert das französische Kosmetikunternehmen jährlich etwa 1,3 Milliarden Euro in Forschung und beschäftigt in diesem Sektor zu etwa 60 Prozent Frauen.

Letellier weiter: "Die diesjährigen Preisträgerinnen bereichern die naturwissenschaftliche Forschung maßgeblich und sind wichtige Vorbilder für die nächste Generation. Wir sind überzeugt: Starke weibliche Vorbilder sind unverzichtbar für eine zukunftsfähige Wissenschaft."

Bei den am Mittwoch prämierten Forscherinnen handelt es sich um:

  • Dr. Buse Aktaş (Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Stuttgart) arbeitet an Materialien, die je nach Bedarf flexibel oder stabil sein können. Dafür verbindet sie Erkenntnisse aus Mechanik, Robotik und Materialwissenschaften. Ihre Werkstoffe könnten etwa sowohl in weichen Roboterfingern als auch in tragenden Konstruktionen zum Einsatz kommen und dabei Material einsparen.

  • Dr. Dorit Brixius (Technische Universität Dresden) widmet sich der Geschichte von Parfums und Kosmetik. Sie rekonstruiert Rezepturen aus dem 17. Jahrhundert und untersucht damit überliefertes Wissen aus einer Zeit, in der Frauen als Wissenschaftlerinnen kaum sichtbar waren. Ihre Arbeit macht diese historischen Wissensbestände wieder zugänglich.

Die vier Preisträgerinnen auf der Bühne (Bild: L'Oreal DACH)
Die vier Preisträgerinnen auf der Bühne (Bild: L'Oreal DACH)

  • Dr. Mansi Singh (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) entwickelt mathematische Verfahren für die Analyse von Ozean- und Klimaprozessen. Damit sollen Wetter- und Klimamodelle schneller rechnen können, ohne an Genauigkeit einzubüßen. Das reduziert den Bedarf an Rechenleistung und könnte zugleich präzisere Vorhersagen von Extremwetter ermöglichen.

  • Dr. Anna Zieleniewska (Technische Universität München, TUM Campus Straubing) untersucht neue Möglichkeiten, elektronische Geräte mit Energie aus ihrer Umgebung zu versorgen – etwa durch Licht, Wärme oder Feuchtigkeit. Im Mittelpunkt stehen flexible Materialien, deren Eigenschaften sie auf molekularer Ebene erforscht, um sie robuster und leistungsfähiger zu machen.

Rund 150 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft oder Medien haben die Vergabe bezeugt, darunter beispielsweise Modedesigner Guido Maria Kretschmer, Autorin Christina Sontheim-Leven, Zukunftsforscherin Prof. Anabel Ternès von Hattburg oder Arabella Kiesbauer, die als Moderatorin durch den Abend führte.

Alle vier Preisträgerinnen sind Mütter

Dotiert ist der Förderpreis mit jeweils 25.000 Euro. "Aufgrund der wirtschaftlichen Situation ist das Wissenschaftssystem mit seinen Förderlandschaften von erheblichen Einsparungen betroffen, so dass eine Unterstützung von Wissenschaftlerinnen umso wichtiger ist", betont Prof. Dr. Elke Bogner, Vorsitzende des Deutschen Humboldt-Netzwerks, das akademischer Partner des Programms ist und dementsprechend die Preisträgerinnen selektiert.

Die vier Preisträgerinnen auf der Bühne (Bild: L'Oreal DACH)
Die vier Preisträgerinnen auf der Bühne (Bild: L'Oreal DACH)

Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, ergänzt: "Die UNESCO arbeitet intensiv an ihrer Gleichstellung, an Chancengerechtigkeit und am Abbau von Hürden. Gerade in Deutschland führt die Familiengründung zu oft zum Abbruch vielversprechender Karrieren in der Forschung."

"Die vier diesjährigen Preisträgerinnen von 'For Women in Science' haben viel gemeinsam: Sie sind zum Beispiel alle nach Deutschland für die Forschung gekommen und sie sind Mütter. Wir unterstützen sie dabei, dass sie ihr exzellentes wissenschaftliches Potenzial erfüllen", so Böhmer.

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