BILDplus und RTL+ als Bundle
Was Medienhäuser dazu veranlasst, ihre Abos zu bündeln

| Redaktion 
| 20.07.2026

Serien, Nachrichten, Sportübertragungen, Konzerte oder Podcasts: Nie war das Angebot digitaler Medien breiter aufgestellt. Angesichts immer mehr kostenpflichtiger Abonnements wächst unter Usern allerdings die Frage, welche davon ihr Geld langfristig wert sind – und nun gehören auch Axel Springer und RTL Deutschland zu den Unternehmen, die darauf lieber mit Kooperation als Konkurrenzkampf reagieren.

Was einst als klassische Bezahlschranke für exklusive Artikel auf bild.de begann, hat sich in den vergangenen 13 Jahren zu einem breit aufgestellten Zusatzangebot entwickelt: Abonnenten von BILDplus bekommen neben exklusiven Reportagen und Hintergrundberichten auch Live-Übertragungen von Reality-Formaten wie "Fame Fighting", den wöchentlichen Shows der WWE oder ausgewählten Konzerten und Festivals.

Damit folgt das Springer-Medium dem Trend, dass digitale Abonnements nicht mehr allein Zugang zu Nachrichten bieten, sondern ein möglichst vielfältiges Gesamtpaket schaffen sollen, das den wahrgenommenen Mehrwert für zahlende Nutzer erhöht.

Vor diesem Hintergrund fügt sich auch die Montag angekündigte Zusammenarbeit von RTL Deutschland und Axel Springer ein. Wohlgemerkt kooperieren beide Unternehmen bereits seit mehreren Jahren in unterschiedlichen Bereichen – etwa durch gemeinsam produzierte Nachrichtenformate, Live-Events oder gegenseitig aufgegriffene Inhalte.

"Das neue Bundle bringt das Beste aus beiden Welten zusammen"

Nun wird die florierende Partnerschaft auf den Bezahlbereich ausgeweitet: Für 9,99 Euro pro Monat genießen Interessierte künftig sowohl Zugriff auf BILDplus als auch auf RTL+ Premium, was gegenüber einer getrennten Buchung beider Angebote einer Ersparnis von knapp 45 Prozent entspricht.

"Seit 13 Jahren steht BILDplus für exklusive Geschichten und besondere Erlebnisse. Mit RTL+ verbindet uns bei BILD der Anspruch, Millionen Menschen jeden Tag mit relevanten Inhalten mit Mehrwert zu begeistern", kommentiert StefanieSteiniger, General Manager Paid Content BILD.

"Das neue Bundle bringt das Beste aus beiden Welten zusammen: verlässliche Informationen, große Emotionen und erstklassige Unterhaltung – zu einem außergewöhnlich attraktiven Preis. Ein echtes Doppel-Plus", stellt sie fest.

Mit über 7,3 Millionen zahlenden Usern rühmt sich RTL+ als "der erfolgreichste deutsche Streamingdienst", der seine Kundschaft vor allem durch Vorab-Zugriff auf zahlreiche populäre Reality-Shows, Sportübertragungen (unter anderem 2. Bundesliga) oder ein großes Serienarchiv bindet.

Grafik: Bild / RTL
Grafik: Bild / RTL

Oder in den Worten von Henning Nieslony, Executive Vice President Streaming RTL Deutschland: "RTL+ steht für großes Entertainment aus Live-Sport, Serien, Filmen, Shows, Reality, News und Kids-Programm."

Er ergänzt: "Gemeinsam mit BILDplus erweitern wir unser Angebot um zusätzliche exklusive Inhalte und bieten unseren Kundinnen und Kunden damit ein noch vielseitigeres Gesamtpaket mit echtem Mehrwert. Gleichzeitig bringen wir zwei starke Marken noch enger zusammen und heben unsere Zusammenarbeit auf eine neue Ebene."

Mehr Mehrwert muss her

Die Zusammenarbeit von BILD und RTL folgt einem Modell, das im Medienmarkt längst etabliert ist, bislang jedoch häufiger von Technologie- oder Telekommunikationsunternehmen vorangetrieben wurde: Die Deutsche Telekom kombiniert ihre Tarife seit Jahren mit Streamingdiensten wie Netflix, Disney+ oder Apple TV+, während Sky (gehört inzwischen RTL) unter anderem Netflix und Paramount+ in seine Entertainment-Pakete integriert hat.

Auch innerhalb einzelner Konzerne ist das Prinzip bekannt, schließlich bringt Amazon so zum Beispiel Versandvorteile, Streaming, Musik, Gaming und weitere Angebote unter einen Prime-Hut.

Der strategische Gedanke dahinter ist stets ähnlich: In einem zunehmend fragmentierten Medienmarkt müssen Anbieter vor allem um langfristig zahlende Kunden kämpfen, was sich angesichts jeder Menge konkurrierender Services immer schwieriger und kostspieliger gestaltet. Bundles sollen Abos als unverzichtbar guten Deal positionieren, um Kündigungen zu reduzieren und Nutzer stärker an ein Ökosystem zu binden.

Abozahlen sollen schneller als Marketingsausgaben wachsen

Gerade im Streaminggeschäft gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung, denn nach der Boom-Phase der Branche mit Jahren des starken Wachstums stehen viele Plattformen vor der Herausforderung, ihre Abonnentenzahlen weiter auszubauen, ohne dauerhaft hohe Rabatte oder enorme Marketingausgaben einzusetzen.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein deutscher Haushalte dafür, dass sie womöglich ohnehin zu viele Einzelabos laufen haben. Ein Bundle kann im direkten Ausschlussvergleich leichter vermitteln, sein Geld tatsächlich wert zu sein.

Zudem lässt sich in der gemeinsamen Vermarktung von BILDplus und RTL+ erkennen, wie stark die Grenzen zwischen verschiedenen Mediengattungen heutzutage verschwimmen. Nachrichten, Serien, Reality-Formate, Sport, Podcasts oder Live-Events werden nicht mehr zwingend als getrennte Produkte betrachtet, sondern als unterschiedliche Gerichte eines umfassenden Unterhaltungs- und Informationsbuffets.

Um beim Bild zu bleiben, entscheidet sich der Erfolg solcher Buffets letztlich vermutlich nicht allein daran, wie lang die Karte ist – wichtig ist, dass die Gäste zufrieden wiederkommen. Für andere Medienhäuser dürfte die Entwicklung Signalwirkung haben: Wer Abonnenten binden will, muss nicht nur schmackhaft auftischen, sondern mehr denn je bedenken, wie viele verschiedene Bedürfnisse das eigene Content-Catering künftig abzudecken hat.

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