Neue Trends beim Trinken
Gen Z legt beim Alkoholkonsum zu, Babyboomer trinken deutlich weniger

| Redaktion 
| 16.07.2026

Die Generation Z gilt vielerorts als besonders gesundheitsbewusst und zurückhaltend beim Alkoholkonsum. Neue Daten des Marktforschungsunternehmens IWSR zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Während junge Erwachsene heute nahezu genauso häufig Alkohol trinken wie der Durchschnitt der Bevölkerung, entwickelt sich ausgerechnet bei den Babyboomern ein gegenteiliger Trend. Für Hersteller, Händler und Marken der Getränkeindustrie verändert das die Perspektive auf den Markt.

Die Generation Z verabschiedet sich offenbar vom Ruf der "Generation der Abstinenz". Gleichzeitig etabliert sich moderater Alkoholkonsum generationenübergreifend als neuer gesellschaftlicher Standard. Die aktuelle Bevtrac-Studie des Marktforschungsunternehmens IWSR untersuchte das Konsumverhalten von mehr als 32.000 Verbraucher:innen in 19 Ländern. Für den Generationenvergleich wertete IWSR die Daten aus 15 seit Jahren kontinuierlich beobachteten Kernmärkten aus.

Gen Z nähert sich dem Durchschnitt an

Laut der Erhebung liegt die Trinkbeteiligung der volljährigen Angehörigen der Generation Z inzwischen bei 74 Prozent. Vor drei Jahren waren es noch 66 Prozent. Damit erreicht die Altersgruppe nahezu das Niveau der gesamten erwachsenen Bevölkerung, deren Trinkbeteiligung aktuell 76 Prozent beträgt.

Die Studie widerlegt damit die verbreitete Annahme, junge Erwachsene würden sich grundsätzlich vom Alkoholkonsum abwenden. Vielmehr entwickelt die Generation Z neue Konsummuster. So greifen junge Erwachsene häufiger zu Cocktails als ältere Generationen, achten gleichzeitig jedoch stärker auf staatliche Gesundheitsempfehlungen zum Alkoholkonsum. Außerdem trinken sie häufiger in größeren Gruppen.

Babyboomer trinken seltener und weniger

Während die Beteiligung der Generation Z steigt, entwickelt sich der Konsum bei den Babyboomern in die entgegengesetzte Richtung. Ihre Trinkbeteiligung sank innerhalb von drei Jahren auf 71 Prozent und liegt damit unter allen untersuchten Generationen.

Auch bei der Trinkhäufigkeit und der konsumierten Menge schneiden Babyboomer inzwischen am niedrigsten ab. Im Durchschnitt trinken sie 2,6 Getränke pro Anlass und weisen zugleich die geringste Zahl an Trinkgelegenheiten auf.

Die höchste Trinkbeteiligung verzeichnen weiterhin die Millennials mit 81 Prozent, gefolgt von der Generation X mit 77 Prozent.

Moderation verändert den globalen Getränkemarkt

Die Ergebnisse zeigen zugleich einen strukturellen Wandel im Konsumverhalten. Zwar bleibt der Anteil der Menschen, die überhaupt Alkohol trinken, über alle untersuchten Märkte hinweg nahezu unverändert. Gleichzeitig sinken jedoch sowohl die Zahl der Trinkgelegenheiten als auch die konsumierte Menge pro Anlass.

Im Durchschnitt konsumierten die Befragten 3,9 Getränke pro Trinkereignis. In den Jahren 2024 und 2025 lag dieser Wert noch bei 4,4 Getränken.

Marten Lodewijks, Präsident und Managing Director von IWSR, wertet die Ergebnisse als Hinweis auf einen langfristigen Wandel. Die Vorstellung von der Generation Z als besonders abstinenter Altersgruppe lasse sich anhand der aktuellen Daten nicht aufrechterhalten.

Zugleich zeigt die Erhebung, dass moderater Alkoholkonsum inzwischen alle Generationen erfasst. Ausschlaggebend sind laut IWSR neben der wirtschaftlichen Unsicherheit zunehmend gesundheitliche Gründe und veränderte Lebensgewohnheiten.

Regionale Unterschiede bleiben deutlich

Je nach Markt entwickeln sich die Trends unterschiedlich. In den USA blieb die allgemeine Trinkbeteiligung stabil bei 70 Prozent, während die Generation Z leicht auf 71 Prozent zulegte.

Im Vereinigten Königreich stieg die Trinkbeteiligung der Generation Z innerhalb von drei Jahren von 66 auf 76 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich Indien, wo die Trinkbeteiligung der Generation Z innerhalb der untersuchten einkommensstarken urbanen Bevölkerung von 60 auf 80 Prozent anstieg.

In China blieb die Beteiligung der Generation Z dagegen mit 85 Prozent auf einem konstant hohen Niveau.

Für Unternehmen der Getränkeindustrie liefern die Ergebnisse wichtige Hinweise. Das Wachstumspotenzial liegt offenbar weniger in einer steigenden Zahl von Konsument:innen als vielmehr in veränderten Konsumanlässen und neuen Getränkekategorien. Parallel entstehen innovative Konzepte wie Spirituosen mit bis zu 90 Prozent weniger Alkohol, die den Trend zu bewussterem Konsum aufgreifen. Insgesamt dürfte ein verändertes Trinkverhalten die Branche in den kommenden Jahren stärker prägen als eine sinkende Zahl von Konsument:innen.

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