Trinken ohne Reue
Hamburger Start-up entwickelt Spirituosen mit bis zu 90 Prozent weniger Alkohol

Immer mehr Deutsche trinken bewusster oder verzichten ganz. Gesundheit, Leistungsfähigkeit und ein veränderter Lifestyle prägen das Konsumverhalten. Genau hier setzt ein Hamburger Start-up mit einer Weltneuheit im Spirituosenmarkt an: sogenannten Micro Spirits – hochkonzentrierten Destillaten, die mit wenigen Tropfen gemixt werden und bis zu 90 Prozent weniger Alkohol enthalten. Das Konzept könnte eine neue Nische im wachsenden Markt für Getränke mit reduziertem Alkoholgehalt schaffen.

Der Alkoholkonsum in Deutschland geht spürbar zurück. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage trinken nur noch 68 Prozent der Erwachsenen grundsätzlich Alkohol. 2015 waren es noch 78 Prozent. 38 Prozent derjenigen, die ihren Konsum reduziert oder eingestellt haben, nennen gesundheitliche Gründe als Hauptmotiv. Auch jüngere Generationen distanzieren sich zunehmend vom regelmäßigen Konsum.

Geselligkeit und alkoholische Getränke gehören für viele nicht mehr automatisch zusammen. Bewusstes Entscheiden ersetzt Gewohnheit.

Hochkonzentrierte Spirituosen statt Verzicht

Mit KOYI präsentieren die Hamburger Gründer eine Weltneuheit im Spirituosenmarkt: sogenannte Micro Spirits. Die hochkonzentrierten Destillate sollen vollen Geschmack liefern, benötigen jedoch nur wenige Tropfen pro Drink und reduzieren so den Alkoholgehalt erheblich.

Statt alkoholfreie Ersatzprodukte zu entwickeln, setzt das Unternehmen bewusst auf dieses Prinzip. Der Alkohol bleibt als Aromaträger erhalten, wird jedoch stark dosiert. Laut Unternehmen entstehen so Drinks mit bis zu 90 Prozent weniger Alkohol im Vergleich zu herkömmlichen Spirituosenmischungen. Zucker, Zusatzstoffe oder Ersatzaromen werden nicht eingesetzt.

Das Modell richtet sich an Konsument:innen, die nicht vollständig verzichten möchten, aber bewusster trinken wollen.

TV-Auftritt erhöht Reichweite

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Konzept durch einen Auftritt in der VOX-Sendung "Die Höhle der Löwen“. Dort präsentierte das Gründerduo seine Idee einem breiten Publikum. Ein klassischer Investment-Deal kam zwar nicht zustande, dennoch kündigte Investorin Janna Ensthaler an, das Team bei der Entwicklung eines Ready-to-Drink-Produkts zu unterstützen.

Für das Start-up bedeutet die TV-Präsenz vor allem Sichtbarkeit in einem Markt, der stark über Markenbildung und Vertrauen funktioniert.

Marktumfeld begünstigt neue Konzepte

Der rückläufige Alkoholkonsum zeigt sich in allen Altersgruppen. In der Generation Z geben nur 61 Prozent an, Alkohol zu trinken. Initiativen wie der "Dry January“ finden zunehmend Zuspruch.

Der rückläufige Konsum verändert die gesamte Branche. Während Start-ups mit neuen Konzepten experimentieren, bauen Traditionsunternehmen ihr alkoholfreies Geschäft strategisch aus.

Gleichzeitig sterben in Deutschland laut Schätzungen jährlich rund 60.000 Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum.

Angesichts dieser Zahlen überrascht es nicht, dass sich das Konsumverhalten verändert. Gesundheitliche Aspekte beeinflussen Kaufentscheidungen zunehmend. Getränke mit reduziertem Alkoholgehalt werden damit auch wirtschaftlich relevanter.

Ob sich hochkonzentrierte Spirituosen langfristig als eigenständige Kategorie etablieren, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Markt für bewussten Konsum wächst – und schafft Raum für neue Ansätze zwischen vollständigem Verzicht und klassischem Drink.

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