Reiche Deutsche zieht es nach Italien
Mailand hat die höchste Millionärsdichte Europas

| Redaktion 
| 18.01.2026

Europas wohlhabendste Metropole liegt in Italien. Ein Jahresreport zur internationalen Vermögensmigration zeigt, dass Mailand besonders stark von vermögenden Zuzüglern profitiert. Auch wohlhabende Deutsche verlegen zunehmend ihren Wohnsitz ins Ausland – begünstigt durch gezielte Steueranreize und eine hohe Lebensqualität.

Die italienische Wirtschaftsmetropole erlebt einen beispiellosen Zuwachs an internationalen Vermögenden. Laut dem aktuellen Report der Londoner Beratung Henley & Partners kommt auf zwölf Einwohner:innen in Mailand ein:e Millionär:in – ein Spitzenwert im internationalen Vergleich. Die Gründe für diesen Zustrom liegen vor allem in der steuerlichen Sonderbehandlung reicher Zuzügler:innen und dem stabilen wirtschaftlichen Umfeld.

CR7-Regel lockt internationale Vermögen

Ein zentraler Treiber dieses Booms ist die sogenannte "CR7-Regel", ein 2017 eingeführtes Steuermodell, das nach dem Fußballstar Cristiano Ronaldo benannt wurde. Dieser profitierte bei seinem Wechsel zu Juventus Turin von der Bestimmung, die eine jährliche Pauschalsteuer von 200.000 Euro auf Auslandseinkünfte vorsieht – und das für bis zu 15 Jahre.

Das Modell gilt für alle Personen, die ihren Wohnsitz nach Italien verlegen. Besteuert werden ausschließlich ausländische Erträge wie Dividenden, Zinserträge, Erbschaften oder Schenkungen. Für Einkommen aus italienischer Quelle bleiben die regulären Steuersätze bestehen. Ergänzt wird das Paket durch eine moderate Erbschaftssteuer von nur vier Prozent – ein attraktives Gesamtangebot für vermögende Zuzügler:innen.

Milliardenströme in die lombardische Hauptstadt

Wie der KURIER berichtet, zogen allein 2025 rund 3.600 neue Millionär:innen nach Italien – der Großteil davon nach Mailand. Sie brachten gemeinsam liquide Mittel in Höhe von 20,7 Milliarden Euro mit – ein Rekordwert.

Unter den Zugezogenen befinden sich laut Bericht 182 Personen mit einem Vermögen von über 100 Millionen Euro. Die Auswirkungen auf den Mailänder Markt sind deutlich spürbar: Die Preise für Luxusimmobilien steigen rapide, ebenso die Nachfrage nach exklusiven Gütern und Services im oberen Preissegment.

Besonders profitieren Branchen wie Mode, Gastronomie, Kunsthandel sowie die Beratung von Family Offices. Rund 15 Prozent der neuen Bewohner:innen sind unternehmerisch aktiv und investieren in lokale Start-ups, Gewerbeimmobilien oder Fonds. Dadurch entstehen nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch Impulse für den italienischen Kapitalmarkt.

Die wichtigsten wirtschaftlichen Effekte im Überblick:

  • Immobilienpreise steigen: Hohe Nachfrage nach Objekten in Toplagen

  • Luxusgüter boomen: Exklusivmarken, Kunsthandel und Gastronomie verzeichnen Zuwächse

  • Family Offices wachsen: Finanz- und Vermögensberatung im Aufwind

  • Start-up-Szene profitiert: Unternehmer:innen investieren lokal

  • Neue Arbeitsplätze: Entstehen durch Immobilien- und Geschäftsprojekte

  • Finanzmärkte belebt: Mehr Liquidität durch Investitionen wohlhabender Zuzügler:innen

Steuerwettbewerb oder strategischer Standortvorteil?

Trotz der positiven Effekte sehen Expert:innen auch kritische Aspekte: Die italienische Steuerpolitik wird innerhalb der EU zunehmend als steuerliches Sondermodell hinterfragt. Vor allem vermögende Privatpersonen und Pensionär:innen ohne aktives Geschäftsinteresse siedeln sich an – was zwar Konsumkraft bringt, aber keine nachhaltige Wertschöpfung garantiert.

Dennoch: Aus Sicht Italiens ist die Strategie ein Erfolg. Mit einem Verhältnis von 1:12 übertrifft Mailand alle großen Finanzzentren Europas – vor New York (1:22), London (1:41) und Rom (1:54).

Deutschland verliert seine Vermögenden

Auch in Deutschland mehren sich Anzeichen, dass reiche Privatpersonen und Unternehmer:innen ihre Wohnsitzstrategie überdenken. Laut Henley & Partners verließen 2023 rund 1.600 deutsche Millionär:innen das Land – Deutschland zählt damit zu den drei Ländern mit der höchsten Netto-Abwanderung vermögender Personen weltweit.

Beliebteste Zielländer:

  • Italien – wegen der Pauschalbesteuerung nach der CR7-Regel

  • Schweiz – politisch stabil, mit etablierten Vermögensstrukturen

  • Vereinigte Arabische Emirate – steuerfrei, international vernetzt

  • Portugal – bis 2023 steuerlich attraktiv durch das NHR-Modell

Gründe für den Wegzug:

  • Diskussionen über neue Vermögens- und Erbschaftssteuern

  • Wachsende regulatorische Komplexität

  • Wunsch nach internationaler Diversifikation

  • Strategische Überlegungen zur Nachfolgeplanung und Vermögenssicherung

Laut Berater:innen aus dem Private-Banking- und Family-Office-Sektor steigt die Zahl der Mandant:innen, die aktiv Wegzugsszenarien prüfen – inklusive Steueroptimierung, Domizilwahl und Strukturierung globaler Assets.

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