Die Winter-Rezession steht vor der Tür

| Redaktion 
| 12.09.2022

Das Ifo Institut rechnet erst 2024 mit einer langsamen Normalisierung.


"Wir gehen in eine Winter-Rezession. Die Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland im Sommer und die dadurch ausgelösten drastischen Preissteigerungen verhageln die wirtschaftliche Erholung nach Corona. Erst 2024 erwarten wir eine Normalisierung mit 1,8 Prozent Wachstum und 2,5 Prozent Inflation." Zu dieser Einschätzung kommt der Leiter der Konjunktur-Prognosen beim ifo Institut, Timo Wollmershäuser.

Ernste Prognosen für das kommende Jahr

Die aktuellen Zahlen der Wirtschaftsforscher geben zurzeit wenig Zuversicht. Im kommenden Jahr erwartet das Institut ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um circa 0,3 Prozent, für dieses Jahr lediglich ein Wachstum von rund 1,6 Prozent. Die voranschreitende Geldentwertung dürfte in diesem Jahr bei durchschnittlich 8,1 und im kommenden Jahr sogar bei 9,3 Prozent liegen, heißt es. Im Vergleich zum Juni senkt das ifo seine Wachstumsprognose für 2023 um ganze vier Prozentpunkte und korrigiert die Inflationsprognose um sechs Prozentpunkte nach oben.

Die Energieversorger könnten vor allem zu Jahresbeginn 2023 ihre Strom- und Gaspreise spürbar an die hohen Beschaffungskosten anpassen. Laut Wollmershäuser könnte dies die bereits hohe Inflationsrate im ersten Vierteljahr sogar auf etwa elf Prozent ansteigen lassen. In Folge würden die realen Haushaltseinkommen zurückgehen und die Kaufkraft spürbar sinken. Das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung könnte diesem Rückgang etwas entgegenwirken, ihn aber nicht zur Gänze ausgleichen, meint der Experte.

Hoher Kaufkraftverlust aufgrund steigender Inflation

"Der Kaufkraftverlust, gemessen am Rückgang der realen Pro-Kopf-Löhne in diesem und im kommenden Jahr um jeweils etwa drei Prozent, ist so hoch wie nie zuvor seit dem Beginn der heutigen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Jahre 1970", ergänzt Wollmershäuser. Im weiteren Verlauf 2023 könnte der Preisanstieg allmählich nachlassen. Hierbei nimmt das ifo Institut an, dass im Winter genügend Gas zur Verfügung steht. Deshalb sollten die Energiepreise nicht weiter steigen und spätestens ab dem Frühjahr 2023 wieder sinken.

Schwere Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt erwartet das ifo Institut allerdings nicht. Der Beschäftigungsaufbau könnte sich allerdings vorübergehend verlangsamen. Der Anstieg der Arbeitslosen um gut 50.000 Personen im kommenden Jahr gehe vor allem auf den sprunghaften Anstieg der arbeitslosen ukrainischen Staatsbürger im Sommer 2022 zurück, die nur allmählich in den Arbeitsmarkt integriert würden, heißt es.

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