Deloitte CFO-Survey 2026
KI-Investitionen: Unternehmen können Nutzen kaum messen

| Redaktion 
| 29.10.2026

Deutsche Großunternehmen setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz und planen höhere Ausgaben. Doch zwischen den Erwartungen an die Technologie und ihrem nachweisbaren wirtschaftlichen Nutzen klafft eine Lücke. Viele Finanzvorstände können weder die Kosten ihrer KI-Initiativen genau beziffern noch deren Erfolg messen. Eine aktuelle Deloitte-Studie zeigt, wie groß die Defizite sind und welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen wollen.

Die KI-Investitionen deutscher Großunternehmen sollen weiter steigen, obwohl der wirtschaftliche Nutzen vieler Anwendungen bislang kaum messbar ist. Lediglich 17 Prozent der befragten Finanzvorstände berichten von einem nachweisbaren Mehrwert ihrer KI-Initiativen. Gleichzeitig erwarten 70 Prozent, dass künstliche Intelligenz innerhalb der kommenden zwei Jahre messbare Ergebnisse liefern wird.

Das geht aus dem aktuellen CFO-Survey von Deloitte hervor. Für die Untersuchung befragte das Beratungsunternehmen zwischen dem 10. September und dem 2. Oktober mehr als 120 Finanzvorstände deutscher Großunternehmen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen den Erwartungen an KI und den Möglichkeiten, ihre Wirtschaftlichkeit zu beurteilen.

KI-Investitionen: Unternehmen fehlt Kostentransparenz

Besonders deutlich wird das Problem bei der Erfassung der Ausgaben. Nur 42 Prozent der befragten CFOs können derzeit beziffern, wie viel ihr Unternehmen für künstliche Intelligenz ausgibt. Damit fehlt einem großen Teil der Finanzverantwortlichen eine wesentliche Grundlage, um Investitionen zu bewerten und Budgets gezielt zu steuern.

Unternehmen, die ihre KI-Kosten bereits erfassen, wenden aktuell durchschnittlich rund 0,5 Prozent ihrer Gesamtkosten für die Technologie auf. Im kommenden Jahr wollen sie diesen Anteil auf ein Prozent verdoppeln. Langfristig soll das Ausgabenniveau nach ihren Planungen stabil bleiben.

Die geplante Erhöhung betrifft damit ausdrücklich jene Unternehmen, die ihre Kosten bereits messen können. Für die übrigen Firmen lässt die Untersuchung keine vergleichbare Aussage über die Höhe ihrer KI-Budgets zu.

Mit zunehmender Nutzung stellt sich außerdem die Frage, welche Kosten einzelne KI-Anwendungen verursachen. Ohne eine Zuordnung zu konkreten Geschäftsprozessen lässt sich nur schwer beurteilen, ob die Ausgaben durch Einsparungen oder andere wirtschaftliche Vorteile gerechtfertigt sind.

Effizienz dominiert die KI-Strategie

Bei den Zielen ihrer KI-Initiativen setzen die Finanzvorstände klare Prioritäten. Für 83 Prozent stehen Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen im Vordergrund. Strategische Möglichkeiten wie die Entwicklung neuer Produkte oder die Erschließung zusätzlicher Geschäftsfelder spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle.

Auch die Abgrenzung vom Wettbewerb durch künstliche Intelligenz gelingt bislang nur wenigen Unternehmen. Laut Deloitte haben lediglich zehn Prozent das Potenzial entsprechender strategischer Initiativen zur Wettbewerbsdifferenzierung ausgeschöpft.

Die Ergebnisse verdeutlichen, warum es vielen Firmen schwerfällt, KI-Projekte in messbaren wirtschaftlichen Erfolg zu überführen. Der Einsatz neuer Anwendungen allein reicht nicht aus, wenn Unternehmen ihren Beitrag zu Produktivität, Kostenentwicklung oder Geschäftsergebnis nicht systematisch erfassen.

Markus Seeger, Studienautor und Experte für Finance Transformation bei Deloitte, sieht die Ursachen auch in der Umsetzung. Unternehmen priorisierten strategische Initiativen nicht ausreichend, schafften die erforderlichen Daten- und Systemvoraussetzungen zu langsam und passten ihre Betriebsmodelle nicht schnell genug an.

Damit rückt neben der Investitionshöhe die organisatorische Frage in den Mittelpunkt, wie Unternehmen ihre KI-Transformation vorantreiben. Denn zwischen einem erfolgreichen Pilotprojekt und dem breiten Einsatz im Geschäftsalltag liegen häufig grundlegende Veränderungen bei Prozessen und Zuständigkeiten.

Banken und Tech-Unternehmen liegen vorn

Die Untersuchung zeigt zudem erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen. Banken und Technologieunternehmen sind bei der wirtschaftlichen Bewertung ihrer KI-Anwendungen weiter als andere Wirtschaftszweige.

In diesen beiden Branchen können bereits 30 Prozent der befragten Unternehmen einen positiven Wertbeitrag messen. Weitere 50 Prozent erwarten entsprechende Ergebnisse innerhalb der nächsten zwei Jahre. Damit liegen sie bei der heutigen Nachweisbarkeit des Nutzens über dem branchenübergreifenden Wert von 17 Prozent.

Deloitte-Chefökonom Alexander Börsch warnt vor den Folgen dieser Unterschiede für die deutsche Wirtschaft. Eine deutliche Produktivitätssteigerung durch künstliche Intelligenz setze voraus, dass die Technologie branchenübergreifend umfassend genutzt werde. Die derzeit ungleichmäßige Entwicklung könne deshalb zum Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit werden.

Für die Unternehmen geht es dabei nicht nur um den Zugang zu KI-Technologien. Entscheidend ist auch, ob sie die Voraussetzungen schaffen, um Anwendungen dauerhaft einzusetzen und ihren Beitrag zum Geschäftserfolg nachvollziehbar zu bewerten.

Unternehmen wollen KI-Controlling ausbauen

Als Reaktion auf steigende Ausgaben und unklare Ergebnisse planen viele Unternehmen ein genaueres KI-Kostenmanagement. Bereits 25 Prozent steuern die Nachfrage nach KI-Diensten und die Nutzung sogenannter Tokens, über die bei vielen Anwendungen der Verbrauch abgerechnet wird.

Weitere Maßnahmen stehen auf der Agenda: 40 Prozent wollen die wesentlichen Kostentreiber ihrer KI-Nutzung genauer identifizieren. 45 Prozent beabsichtigen, Ausgaben konkreten Anwendungen und deren jeweiligem Nutzen zuzuordnen.

Darüber hinaus planen 29 Prozent, klare Verantwortlichkeiten für das KI-Kostenmanagement festzulegen und eine zentrale Steuerung einzurichten.

Gerade die Zuordnung von Kosten und Nutzen dürfte für Finanzvorstände entscheidend sein. Erst wenn einzelne Anwendungen wirtschaftlich bewertet werden können, lässt sich erkennen, welche KI-Initiativen einen messbaren Beitrag leisten – und welche bislang vor allem Ausgaben verursachen.

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