Nach dem großen Boom
Wohnmobile stehen sich die Reifen platt

Der deutsche Caravaning-Markt steckt in einer Absatzkrise. Im dritten Quartal 2026 gingen die Neuzulassungen von Wohnmobilen um 22,2 Prozent zurück. Für Hersteller und Händler wird die schwächere Nachfrage zunehmend zum finanziellen Problem. Hohe Lagerbestände, laufende Finanzierungskosten und erhebliche Preisnachlässe setzen die Unternehmen unter Druck. Branchenbeobachter:innen rechnen bereits mit steigenden Insolvenzrisiken.

Auf manchen deutschen Händlerhöfen warten Wohnmobile seit mehr als zwei Jahren auf Käufer:innen. Was ursprünglich für einen wachsenden Markt vorgesehen war, steht nun unverkauft im Bestand. Die langen Standzeiten werden für die Betriebe teuer – denn mit jedem Fahrzeug bleibt ein erheblicher Betrag gebunden.

Wie stark sich das Neufahrzeuggeschäft inzwischen abgekühlt hat, zeigen die aktuellen Zahlen des Caravaning Industrie Verbands (CIVD). Von Juli bis September 2026 wurden in Deutschland 14.037 Reisemobile neu zugelassen. Das waren 22,2 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Auch die Bilanz der ersten neun Monate fällt negativ aus: 57.890 Neuzulassungen entsprechen einem Rückgang von 7,2 Prozent.

Wohnmobile: Der Markt hat sich gedreht

Noch vor wenigen Jahren sah die Entwicklung anders aus. Zwischen 2022 und 2023 stieg der Wohnmobilbestand in den 50 größten deutschen Städten um rund neun Prozent. Die wachsende Verbreitung der Fahrzeuge dokumentierte damals die Dynamik des Caravaning-Marktes.

Die aktuelle Schwäche betrifft nicht nur Reisemobile. Bei Wohnwagen, die anders als Wohnmobile keinen eigenen Antrieb besitzen, sanken die Neuzulassungen von Januar bis September 2026 um 4,8 Prozent auf 15.396 Fahrzeuge. Im dritten Quartal betrug das Minus 11,1 Prozent. Damit fällt der Rückgang in diesem Segment geringer aus als bei motorisierten Reisemobilen.

Der Vergleich mit dem Vorjahr ist allerdings nicht vollständig repräsentativ für die längerfristige Entwicklung: Der September 2025 war außergewöhnlich stark. Die rückläufigen Verkaufszahlen zeichnen sich dennoch bereits seit Sommer 2025 ab.

Warum volle Händlerhöfe teuer werden

Hersteller und Händler hatten mit einer anhaltend hohen Nachfrage gerechnet und entsprechend große Fahrzeugbestände aufgebaut. Nun müssen sie Modelle vermarkten, die teilweise seit mehr als 24 Monaten unverkauft sind.

Wie das Auto-Medienportal berichtet, können solche Standzeiten zusätzliche Kosten verursachen. Ältere Lagerfahrzeuge benötigen unter Umständen eine technische oder optische Aufbereitung. Um sie überhaupt abzusetzen, müssen Händler außerdem erhebliche Rabatte gewähren.

Besonders schwer wiegt die Kapitalbindung bei Reisemobilen. Allein das Basisfahrzeug kostet rund 20.000 Euro. Aufbau und Ausstattung kommen hinzu. Bei Wohnwagen ist das Fahrgestell dagegen deutlich günstiger, weshalb pro Fahrzeug weniger Kapital gebunden ist.

Solange die Reisemobile auf dem Hof stehen, laufen Finanzierungskosten weiter. Gleichzeitig verzögert sich der Rückfluss des eingesetzten Geldes. Das kann die Liquidität der Unternehmen belasten, selbst wenn sich die Fahrzeuge zu einem späteren Zeitpunkt noch verkaufen lassen.

Caravaning-Branche unter finanziellem Druck

Die Entwicklung steht in einem auffälligen Gegensatz zur öffentlichen Präsenz der Branche. Noch im August rückte der Caravan Salon in Düsseldorf die Vielfalt neuer Reisemobile, Wohnwagen und Fahrzeugkonzepte in den Mittelpunkt. Die aktuellen Zulassungszahlen zeigen jedoch, dass sich das Angebot nicht im erwarteten Tempo in Verkäufe umsetzen lässt.

Für Händler mit hohen Beständen entsteht dadurch ein wirtschaftliches Dilemma. Wer die Fahrzeuge länger hält, muss sie weiter finanzieren. Wer sie mit hohen Nachlässen verkauft, erzielt geringere Einnahmen als ursprünglich kalkuliert.

Marktbeobachter:innen rechnen angesichts dieser Belastungen mit einer steigenden Zahl von Insolvenzen in der Caravaning-Branche. Konkrete Prognosen oder Angaben zu gefährdeten Unternehmen liegen allerdings nicht vor.

Wie groß der finanzielle Spielraum einzelner Betriebe tatsächlich ist, lässt sich aus den Neuzulassungszahlen nicht ablesen. Die langen Standzeiten machen jedoch deutlich, wie sehr sich die Bedingungen für den Handel verändert haben: Ein Wohnmobil kann längst verkaufsfertig sein – und trotzdem Monat für Monat Geld kosten.

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