Rekordquartal im Energiesektor
Friedrich Vorwerk hebt Prognose nach Gewinnsprung an

Friedrich Vorwerk verdient deutlich mehr, als das Umsatzwachstum vermuten lässt. Im dritten Quartal steigerte der Energieinfrastruktur-Konzern sein operatives Ergebnis um 58 Prozent und erreichte damit einen neuen Höchstwert. Der Vorstand hat deshalb die Jahresprognose zum zweiten Mal angehoben. Das Unternehmen arbeitet unter anderem an Stromtrassen, Gasleitungen und Wasserstoffanlagen. Allerdings liegt der Auftragsbestand unter dem Vorjahresniveau.

Friedrich Vorwerk hat nach einem Rekordquartal seine Jahresprognose erneut angehoben. Der Konzern aus dem niedersächsischen Tostedt steigerte sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im dritten Quartal um 58 Prozent auf 80,9 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf 228,3 Millionen Euro. Beide Kennzahlen erreichten nach Unternehmensangaben neue Quartalshöchststände.

Friedrich Vorwerk baut und modernisiert Infrastruktur für die Strom-, Gas- und Wasserstoffversorgung. Das Geschäft reicht von der Verlegung großer Transportleitungen bis zum Bau technischer Anlagen.

Geringere Materialkosten und gemeinsame Bauprojekte

Den stärkeren Ergebnisanstieg führt Friedrich Vorwerk auf eine gesunkene Materialaufwandsquote und einen höheren Anteil an Arbeitsgemeinschaften zurück. Dabei schließen sich mehrere Unternehmen zusammen, um umfangreiche Bauaufträge gemeinsam auszuführen.

Ein Beispiel ist die Stromtrasse SuedLink. Friedrich Vorwerk erhielt gemeinsam mit anderen Bauunternehmen den Auftrag für die Tiefbauarbeiten an einem 43 Kilometer langen Abschnitt zwischen Wischhafen und der Grenze der Landkreise Stade und Rotenburg (Wümme). Der Auftragswert für den gesamten Unternehmensverbund liegt bei mehreren hundert Millionen Euro. Friedrich Vorwerk hält daran einen Anteil von 40 Prozent.

Das Projekt gehört zum Ausbau der deutschen Übertragungsnetze. Die dafür erforderlichen Investitionen beschäftigen auch Energieunternehmen und Netzbetreiber, wie die Ausbaupläne von RWE und Amprion zeigen.

In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz von Friedrich Vorwerk um zwölf Prozent auf 565,6 Millionen Euro. Das EBITDA erhöhte sich um rund 64 Prozent auf 173,4 Millionen Euro. Die Produktionsleistung, die auch anteilige Leistungen aus gemeinsamen Bauprojekten berücksichtigt, wuchs um 40,1 Prozent auf 791,7 Millionen Euro.

Aufträge für Gasleitungen und Wasserstoffanlagen

Neben Stromtrassen übernimmt der Konzern Aufträge im Gasleitungsbau. Gemeinsam mit Partnerunternehmen erhielt Friedrich Vorwerk vom Netzbetreiber terranets bw den Auftrag für einen weiteren, rund 61 Kilometer langen Abschnitt der Süddeutschen Erdgasleitung. Insgesamt umfassen die an diese Arbeitsgemeinschaft vergebenen Abschnitte 128 Kilometer.

Auch beim Bau von Wasserstoffanlagen ist das Unternehmen tätig. Für den norwegischen Energieerzeuger Statkraft erhielt Friedrich Vorwerk den Auftrag, eine Elektrolyseanlage am Kraftwerksstandort Emden zu realisieren. Die geplante Anlage hat eine elektrische Leistung von zehn Megawatt und soll künftig mithilfe von Strom Wasserstoff erzeugen. Die Inbetriebnahme war in der Projektmeldung für 2027 vorgesehen.

Die Aufträge verdeutlichen, welche unterschiedlichen Bauleistungen zum Geschäft des Konzerns gehören. Sie erlauben allerdings keine Aussage darüber, welchen Anteil einzelne Projekte am aktuellen Ergebnisanstieg haben.

Auftragsbestand sinkt, Jahresprognose steigt

Während sich Umsatz und Ergebnis verbessert haben, liegt der Auftragsbestand unter dem Vorjahresniveau. Ende September betrug er 907,2 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es 1.101,5 Millionen Euro gewesen.

Einschließlich der Arbeitsgemeinschaften verringerte sich der Auftragsbestand von rund 1,54 auf 1,25 Milliarden Euro. Der Auftragseingang der ersten neun Monate stieg dagegen von 419 auf 451,4 Millionen Euro. Das neu gewonnene Projektvolumen einschließlich der anteiligen Aufträge aus Arbeitsgemeinschaften sank von 815,3 auf 618,1 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Friedrich Vorwerk nun einen Umsatz zwischen 760 und 790 Millionen Euro. Bisher hatte die Prognose bei 730 bis 780 Millionen Euro gelegen.

Beim EBITDA rechnet der Vorstand mit 220 bis 230 Millionen Euro statt der zuvor erwarteten 180 bis 200 Millionen Euro. Es ist die zweite Anhebung der Jahresprognose.

Der Nettofinanzmittelbestand lag Ende September bei 262,7 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahresstichtag entspricht das einem Anstieg um 151,3 Millionen Euro.

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