Eine gute Weinbar macht die Entscheidung angenehm schwer. Noch einen unbekannten Winzer entdecken? Zum Lieblingswein zurückkehren? Oder sich von der Küche verführen lassen und das passende Glas dazu bestellen? Die sechs Weinpreisträger des Falstaff Barguide 2027 geben darauf ganz unterschiedliche Antworten. Ausgezeichnet wurden Häuser in sechs Kategorien – von der Neueröffnung über die klassische Weinbar bis zur besonderen Weinauswahl. Eine Rangfolge ist die folgende Auswahl daher nicht.
1. Der kleine August, Berlin: Neueröffnung des Jahres
Champagner im Glas, Käse auf dem Tisch und dazu Pâté en croûte, jene französische Pastete im Teigmantel: Im "Der kleine August" lässt sich Berlin für einen Abend gedanklich Richtung Paris verlassen. Auf gerade einmal 45 Quadratmetern in Mitte hat französische Weinkultur ein Zuhause gefunden.
Frankreich prägt sowohl das Team als auch die Auswahl. Besonders viel Aufmerksamkeit gilt dem Champagner, dem montags sogar eine eigene Happy Hour gewidmet ist. Der Reiz liegt im kleinen Format: Hier braucht es keinen großen Anlass, um sich mit einer besonderen Flasche und etwas Herzhaftem dazu an den Tisch zu setzen.
Worauf man sich freuen darf: Champagner und französische Kleinigkeiten – eine Kombination, die auch einem gewöhnlichen Montag steht.
2. Vineyard, Hamburg: Beste Weinbar in einer Vinothek
Im "Vineyard" kann aus dem Weineinkauf gleich ein kulinarischer Aufenthalt werden. Mehr als 600 Flaschenweine gehören laut Betreiber zum Sortiment, über 50 Weine werden offen ausgeschenkt. Das macht die Bar in Hamburg-Eimsbüttel zur verlockenden Adresse für alle, die lieber glasweise entdecken, als sich sofort auf eine Flasche festzulegen.
Dazu kommen saisonale Gerichte aus der Bistroküche. Samstags übernimmt die Austernbar eine Hauptrolle: Beim "Day Drinking" lässt sich der Nachmittag mit frischen Austern und einem passenden Wein beginnen. Flaschen aus dem Weinhandel können gegen Korkgeld auch vor Ort getrunken werden.
Worauf man sich freuen darf: Frische Austern, eine große Auswahl im Glas und die Möglichkeit, den Lieblingsfund anschließend mit nach Hause zu nehmen.
3. East Grape, Frankfurt: Klassische Weinbar des Jahres
Spundekäs, Brezeln und ein sorgfältig ausgewählter Wein: Im Frankfurter Ostend zeigt das "East Grape", wie gut regionale Bodenständigkeit und Entdeckerlust zusammenpassen. Gastgeber Ralf Müller-Arnold interessiert sich besonders für junge Winzer und Fundstücke jenseits der deutschen Anbaugebiete.
Ein großer Eichentisch bringt Gäste zusammen, hessische Kleinigkeiten liefern die herzhafte Begleitung. Auch Äppelwoi gehört zum Selbstverständnis des Hauses. Mit dem "Kleinen Kultursalon" gibt es zudem einen weiteren Anlass, vorbeizuschauen und länger im Gespräch zu bleiben.
© East Grape
Worauf man sich freuen darf: Würziger Spundekäs und Weine, deren Namen man sich nach dem Abend gern notiert.
4. Rutz Zollhaus, Berlin: Weinrestaurant/-bistro des Jahres
Wer den Weinabend gern mit einem richtigen Essen verbindet, ist im "Rutz Zollhaus" in Kreuzberg an der passenden Adresse. Küchenchef Florian Mennicken und Küchendirektor Marco Müller widmen sich hier regionalen Produkten und vertrauten Gerichten: Königsberger Klopse, Roulade oder Blutwurst stehen für eine Küche, die Erinnerungen weckt und handwerklich anspruchsvoll umgesetzt wird.
Die Betreiberfamilie Schmidt bringt ihre Erfahrung aus dem Weinhandel ein. Falstaff hebt neben Küche und Auswahl auch die faire Kalkulation hervor. Damit bietet das Zollhaus gleich mehrere Gründe, der Weinkarte etwas mehr Zeit zu widmen.
Worauf man sich freuen darf: Herzhafte Küche mit sorgfältig gewählter Weinbegleitung – für einen Abend, an dem beides gleich wichtig sein darf.
5. A wolf will never be a pet, Hamburg: Natural Wine Bar des Jahres
Schon der Name lässt wenig Lust auf Konventionen erkennen. In der Hamburger Karolinenstraße setzt "A wolf will never be a pet" auf ein bewusst raues Ambiente und die unmittelbare Geselligkeit am Tresen. Im Mittelpunkt stehen Naturweine und neue Entdeckungen.
Die Küche bekommt von Falstaff ebenfalls viel Lob. Besonders reizvoll sind die "Oyster Tuesdays": Austern treffen auf Prickelndes kleiner Erzeuger. Das ist ein guter Anlass, sich bei der Weinauswahl überraschen zu lassen.
Worauf man sich freuen darf: Austern am Dienstag und Schaumweine abseits der großen Namen.
6. Weingasthaus Rüdesheimer Schloss, Rüdesheim: Sonderpreis "Special Selection"
Im "Rüdesheimer Schloss" bekommt die Frage nach dem Jahrgang eine andere Dimension. Die Raritätenauswahl reicht weit in die Geschichte des Rheingaus zurück; Falstaff berichtet auch von Weinen mit rund einem Jahrhundert Reife. Hier wird aus der Weinkarte beinahe ein historisches Dokument.
Die Familie Breuer verbindet diese Sammlung mit einem traditionellen Weingasthaus samt Weinstuben, Wintergarten und Schlossgarten. Wer gereifte Rieslinge schätzt oder einen besonderen Jahrgang sucht, findet hier reichlich Stoff für ein ausführliches Gespräch über Herkunft, Lagerung und Zeit.
Worauf man sich freuen darf: Rheingauer Weinraritäten, die einen besonderen Anlass noch persönlicher machen können.
Die Auszeichnungen stammen aus dem Falstaff Barguide 2027, der am 19. Oktober 2026 erscheint. Die sechs Häuser wurden in unterschiedlichen Kategorien prämiert.
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