KI-Wirtschaft
Kredite, Konkurrenz, Kontrolle: Worüber die Tech-Chefs in Singapur sprechen

Broadcom-Chef Hock Tan sieht Kapital als künftigen Engpass, Intel-Chef Lip-Bu Tan verweist auf günstigere chinesische Modelle. TikTok-Chef Shou Zi Chew warnt vor unbedachten Befugnissen für KI-Agenten – und erklärt, warum mehr künstlich erzeugte Inhalte noch keinen Publikumserfolg bringen.

Wer finanziert den weiteren Ausbau künstlicher Intelligenz? Welche Modelle rechnen sich für Unternehmen? Und welche Entscheidungen sollten Menschen der Technik überlassen? Bei der ersten DBS Asia Future Forward Conference am 12. Oktober in Singapur treffen diese Fragen aufeinander. Die von der Bank DBS veranstaltete Konferenz steht unter dem Motto "Intentional AI": Im Mittelpunkt steht der gezielte Einsatz der Technologie, um wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen zu schaffen.

Broadcom: Die nächste Hürde ist das Kapital

Hock Tan, Chef des Chipkonzerns Broadcom, sieht Kapital als künftig größten Engpass für sein Unternehmen angesichts des weiteren KI-Wachstums. Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Wafern und Speicherchips könne Broadcom zunehmend überwinden, sagte er laut Reuters.

Zugleich verwies Tan darauf, dass OpenAI und Anthropic mit ihren jüngsten Modellen für persönliche KI-Assistenten bereits erhebliche Umsätze erzielen könnten. Seine Einschätzung rückt damit die Finanzierung in den Vordergrund: Technischer Fortschritt und Nachfrage allein reichen nicht aus, wenn der weitere Ausbau enorme Investitionen erfordert.

Intel: Chinesische Modelle sind "gut genug"

Intel-Chef Lip-Bu Tan lenkte den Blick auf die Konkurrenz aus China. Modelle wie DeepSeek, Kimi und GLM seien "good enough". Ihre Nutzungskosten seien niedriger, ihre Verbreitung verlaufe schnell, berichtete Reuters.

Tan bekannte sich außerdem zu Open Source als Weg zu mehr Effizienz. Welches Modell für welche Anwendung den größten Nutzen bietet, werde der Markt entscheiden. Für Unternehmenskunden lässt sich daraus eine nüchterne Beschaffungsfrage ableiten: Welche Leistung braucht eine Aufgabe tatsächlich – und welchen Aufpreis rechtfertigt ein leistungsfähigeres System?

TikTok: Wer darf der KI die Kreditkarte geben?

TikTok-Chef Shou Zi Chew beschäftigte sich mit den Befugnissen autonom handelnder KI-Agenten. Viele Nutzer erteilten ihnen Berechtigungen, ohne deren Tragweite vollständig zu verstehen. Als Beispiel nannte er Einkaufsagenten mit Kreditkartenzugriff, die mehr bestellen könnten als gewünscht. TikTok schule Beschäftigte auch darin, Geschäftsgeheimnisse und vertrauliche juristische Informationen aus öffentlichen KI-Chats herauszuhalten. Für Unternehmen ergibt sich daraus eine Führungsaufgabe: Sie müssen festlegen, welche Daten zugänglich sind, welche Ausgaben erlaubt werden und wann ein Mensch zustimmen muss.

Mehr KI-Inhalte sind noch kein Publikumserfolg

Für Marketing- und Kommunikationsverantwortliche hatte Chew eine weitere Botschaft: Der Anteil KI-generierter oder KI-unterstützter Videos und ihre Abrufzahlen stünden auf TikTok in einem Missverhältnis. Menschen schätzten weiterhin Authentizität; offensichtlich künstliche Inhalte stießen zu einem großen Teil auf Ablehnung. Die wirtschaftliche Frage dahinter: Was bringt eine günstigere Content-Produktion, wenn die Inhalte das Publikum nicht erreichen?

KI verstehen heißt KI ausprobieren

Chew plädierte zudem für praktische Erfahrung. Allein durch Lesen lasse sich nicht ausreichend erschließen, was die Werkzeuge leisten können und wo ihre Grenzen liegen. Dafür müsse man sie selbst benutzen. Für Unternehmen spricht das für Erprobungsmöglichkeiten mit klaren Regeln – verbunden mit Schulungen zum Schutz vertraulicher Informationen.

Trotz seiner Warnungen bleibt Chew optimistisch. Die kurzfristigen Möglichkeiten der KI würden wahrscheinlich überschätzt, die langfristigen unterschätzt. Innerhalb von zwei bis drei Jahren erwartet er einen durch KI ermöglichten wissenschaftlichen Durchbruch.

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