Hamburg-München ab 65 Euro
Nachtzug statt Flugzeug: Start-up Nox plant private Suiten

Abends in Hamburg einsteigen, morgens in München aufwachen – und die Nacht in einer privaten Suite verbringen. Das Berliner Start-up Nox Mobility will ab März 2027 mit einem neuen Nachtzugkonzept Reisende vom Flugzeug auf die Schiene holen. Tickets sollen ab 65 Euro erhältlich sein. Hinter dem Vorhaben stehen eine Millionenfinanzierung, ein ungewöhnliches Geschäftsmodell und große Expansionspläne für Europa.

Das Berliner Start-up Nox Mobility plant ab dem 23. März 2027 eine neue Nachtzugverbindung zwischen Hamburg und München. Drei Fahrten pro Woche und Richtung sind vorgesehen. Unterwegs sollen die Züge in Bremen und Augsburg halten. Mit privaten Schlafabteilen will das Unternehmen eine Alternative zu klassischen Nachtzügen und Kurzstreckenflügen schaffen.

Das Konzept richtet sich an Menschen, die über Nacht reisen möchten, ohne auf Privatsphäre verzichten zu müssen. Dazu zählen Urlauber ebenso wie Geschäftsreisende, die ihre Reisezeit zum Arbeiten oder Ausruhen nutzen wollen. Für Nox Mobility ist die Verbindung zugleich der erste Schritt in einen Markt, in dem das Start-up langfristig ein europaweites Netz aufbauen möchte.

Private Suiten sollen Nachtzugreisen verändern

Im Mittelpunkt des Angebots stehen die sogenannten "Nox Suites". Anders als in herkömmlichen Schlafwagen sollen Reisende hier über einen privaten Rückzugsraum verfügen. Die Abteile sind darauf ausgelegt, während der Fahrt sowohl Ruhe als auch konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen.

Der Einstiegspreis liegt laut Unternehmen bei 65 Euro. Welche Ausstattung und Buchungskategorie zu diesem Preis verfügbar sein werden, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Der Betrag sollte daher nicht mit einem garantierten Preis für jede private Suite gleichgesetzt werden.

Für die Strecke zwischen Hamburg und München nennt Nox Mobility konkrete Fahrzeiten: In Hamburg soll der Zug um 21.22 Uhr abfahren und München am nächsten Morgen um 8.14 Uhr erreichen. In der Gegenrichtung ist eine Abfahrt um 21.20 Uhr in München vorgesehen. Die Ankunft in Hamburg soll um 8.27 Uhr erfolgen.

Damit setzt das Unternehmen auf einen Vorteil des Nachtverkehrs: Die Fahrt findet überwiegend während der üblichen Schlafenszeit statt. Für Geschäftsreisende könnte das interessant sein, weil sie am nächsten Morgen direkt am Zielort ankommen. Ob sich das Konzept im Alltag durchsetzt, wird allerdings auch von Komfort, Zuverlässigkeit und tatsächlicher Preisgestaltung abhängen.

Nox Mobility will mit dem Flugverkehr konkurrieren

Die Strecke Hamburg–München ist für das Start-up nicht zufällig gewählt. Nach Angaben von Nox Mobility nutzten 2024 mehr als 1,2 Millionen Passagiere Flugverbindungen zwischen den beiden Städten. Das Unternehmen sieht darin ein Potenzial für ein alternatives Reiseangebot.

Der Wettbewerb um Reisende findet dabei längst nicht mehr ausschließlich zwischen Fluggesellschaften statt. Auch neue Anbieter im europäischen Nachtzugverkehr versuchen, Strecken mit hoher Nachfrage zu erschließen. So ist beispielsweise eine neue Nachtzugverbindung zwischen Köln und Mailand geplant.

Parallel entstehen alternative Konzepte außerhalb des klassischen Bahnverkehrs. Das Start-up Twiliner setzt etwa auf Nachtbusse mit Liegebetten, um längere Reisen über Nacht komfortabler zu gestalten.

Für Nox Mobility besteht die wirtschaftliche Herausforderung darin, aus diesem Interesse ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Private Abteile können ein Unterscheidungsmerkmal sein. Gleichzeitig muss das Unternehmen ausreichend Fahrgäste gewinnen, um sein Angebot dauerhaft wirtschaftlich betreiben zu können.

Zwei Millionen Euro für europäische Expansionspläne

Nox Mobility wurde 2025 von Thibault Constant, Janek Smalla und Artur Hasselbach gegründet. Im April 2026 sicherte sich das Unternehmen eine Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von zwei Millionen Euro. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von IBB Ventures.

Das Gründerteam von Nox Mobility: Artur Hasselbach, Thibault Constant und Janek Smalla (v. l.). Das Berliner Start-up will ab 2027 mit privaten Nachtzug-Suiten in den deutschen Bahnmarkt einsteigen. © Nox Mobility

Mit der Verbindung Hamburg–München soll es nicht bei einer einzelnen Strecke bleiben. Bis 2035 will das Start-up nach eigenen Angaben 100 europäische Städte miteinander verbinden. Ab 2029 sollen zudem sogenannte "Nox Rooms" das Angebot ergänzen.

Die Expansionspläne zeigen, dass Nox Mobility nicht nur ein neues Schlafwagenprodukt anbieten, sondern ein eigenes Netz im europäischen Nachtzugmarkt etablieren will. Die Verbindung zwischen Hamburg und München dürfte damit auch zum Praxistest für das Geschäftsmodell werden.

Ob das Unternehmen seine Ziele erreicht, ist offen. Zunächst muss der geplante Betriebsstart im März 2027 gelingen. Für Reisende entsteht damit perspektivisch eine zusätzliche Möglichkeit, die Strecke zwischen Hamburg und München über Nacht zurückzulegen. Für den Mobilitätsmarkt könnte ein weiterer privater Anbieter den Wettbewerb um attraktive Fernverkehrsverbindungen verstärken.

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