KfW-Studie
Mittelstand richtet Auslandsgeschäft neu aus

| Redaktion 
| 06.09.2026

Fast jeder dritte auslandsaktive Mittelständler rechnet mit sinkenden Umsätzen – zugleich wächst die Bereitschaft, Aktivitäten aus Deutschland abzuziehen. Besonders deutlich ist der Trend in der Industrie: Dort erwägen 29 Prozent der Unternehmen eine Verlagerung ins Ausland. Die neue KfW-Studie zeigt damit, wie stark geopolitische Unsicherheit und Standortprobleme die Strategien des deutschen Mittelstands verändern.

Der deutsche Mittelstand stellt sein Auslandsgeschäft neu auf. Laut einer aktuellen Untersuchung von KfW Research rechnen sechs Prozent der auslandsaktiven Unternehmen mit einem starken Rückgang ihrer grenzüberschreitenden Umsätze in den kommenden drei Jahren. Knapp ein Viertel erwartet dagegen Wachstum, 47 Prozent gehen von stabilen Umsätzen aus. Insgesamt rechnen 30 Prozent mit einem Rückgang.

Die Befragung fand im Januar 2026 und damit noch vor dem Krieg im Iran statt. KfW Research weist darauf hin, dass sich die Einschätzungen der Unternehmen seitdem weiter verschlechtert haben könnten.

Neue Exportmärkte gewinnen an Bedeutung

Viele Unternehmen reagieren bereits auf das schwierigere internationale Umfeld. Knapp 16 Prozent der auslandsaktiven Mittelständler haben in den vergangenen fünf Jahren neue Exportmärkte erschlossen oder zusätzliche Kund:innen im Ausland gewonnen. Weitere sieben Prozent planen entsprechende Schritte.

Gleichzeitig gewinnt der EU-Binnenmarkt an Bedeutung. Etwa doppelt so viele Unternehmen wollen sich künftig stärker auf Europa konzentrieren.

Besonders groß ist der Anpassungsdruck im verarbeitenden Gewerbe. Die Branche erwirtschaftet rund 43 Prozent der gesamten mittelständischen Auslandsumsätze. Entsprechend stark setzen Industrieunternehmen laut KfW auf eine breitere geografische Aufstellung ihrer Exportmärkte.

Industrie plant häufiger Verlagerungen

Parallel wächst die Bereitschaft, Aktivitäten ins Ausland zu verlagern. In den vergangenen fünf Jahren haben vier Prozent aller auslandsaktiven Mittelständler entsprechende Schritte umgesetzt. Für die kommenden fünf Jahre planen dies bereits zwölf Prozent.

Im verarbeitenden Gewerbe fällt der Anteil noch deutlich höher aus: 29 Prozent der Unternehmen geben an, Tätigkeiten ins Ausland verlagern zu wollen. KfW Research rechnet vor, dass selbst bei einer Umsetzung von nur jedem zweiten Plan rund sieben Prozent der mittelständischen Industriebetriebe innerhalb der kommenden fünf Jahre Teile ihrer Produktion ins Ausland verschieben könnten.

KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher bewertet die Entwicklung kritisch. "Die Zahl der mittelständischen Industrieunternehmen, die über eine Verlagerung ihrer Tätigkeiten ins Ausland nachdenkt, nimmt zu. Für Wachstum und Wohlstand in Deutschland ist das eine bedenkliche Entwicklung", sagt Schumacher.

Als zentrale Stellschrauben nennt er Bürokratieabbau, niedrigere Energie- und Arbeitskosten sowie eine Reduktion von Steuern und Abgaben. Zudem fordert er gezielte handels- und industriepolitische Instrumente, um Unternehmen vor Benachteiligungen im internationalen Handel zu schützen.

Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts beschäftigt derzeit auch die Politik: Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuletzt beim DGB-Bundeskongress angesichts der anhaltenden Wachstumsschwäche tiefgreifende Reformen angemahnt.

Auch aus der Wirtschaft kommt Kritik an den Standortbedingungen. Unternehmerin Sarna Röser warnte zuletzt vor Wettbewerbsnachteilen Deutschlands und forderte strukturelle Reformen.

Auslandsumsätze bleiben unter Druck

Die Neuorientierung trifft auf ein bereits angespanntes Umfeld. Im Jahr 2024 waren rund 21 Prozent der knapp 3,9 Millionen Mittelständler in Deutschland im Ausland aktiv. Im verarbeitenden Gewerbe lag der Anteil mit rund 46 Prozent deutlich höher.

Die Auslandsumsätze des deutschen Mittelstands beliefen sich 2024 auf 699 Milliarden Euro. Nominal entsprach das weitgehend dem Vorjahresniveau, inflationsbereinigt gingen die Umsätze jedoch um 2,9 Prozent zurück.

Auch 2025 blieb die Entwicklung schwach. Ein Drittel der im Januar 2026 befragten Unternehmen meldete rückläufige Auslandsumsätze gegenüber dem Vorjahr. Nur gut ein Fünftel konnte seine Umsätze im Ausland steigern.

Die KfW-Daten zeigen damit nicht nur eine schwächere Umsatzentwicklung. Sie machen auch sichtbar, dass sich die internationale Ausrichtung des Mittelstands strukturell verändert. Besonders die deutlich gestiegene Verlagerungsbereitschaft in der Industrie verschärft die Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.

Zur KfW-Studie

  • Studie: KfW-Internationalisierungsbericht
  • Herausgeber: KfW Research
  • Datengrundlage: KfW-Mittelstandspanel und Sonderbefragung zum Auslandsgeschäft
  • KfW-Mittelstandspanel: 10. Februar bis 20. Juni 2025
  • Sonderbefragung: 12. bis 21. Januar 2026
  • Befragte: Kleine und mittlere Unternehmen verschiedener Wirtschaftszweige und Größenklassen
  • Erhebungsrhythmus: Jährliche Befragung durch KfW Research seit 2002
  • Stichprobengröße der Sonderbefragung: In der vorliegenden Mitteilung nicht angegeben

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  • Studie: KfW-Internationalisierungsbericht
  • Herausgeber: KfW Research
  • Datengrundlage: KfW-Mittelstandspanel und Sonderbefragung zum Auslandsgeschäft
  • KfW-Mittelstandspanel: 10. Februar bis 20. Juni 2025
  • Sonderbefragung: 12. bis 21. Januar 2026
  • Befragte: Kleine und mittlere Unternehmen verschiedener Wirtschaftszweige und Größenklassen
  • Erhebungsrhythmus: Jährliche Befragung durch KfW Research seit 2002
  • Stichprobengröße der Sonderbefragung: In der vorliegenden Mitteilung nicht angegeben

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